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Bipolare Störung

Bipolare affektive Störung

Eine bipolare Störung ist durch rezidivierende Episoden charakterisiert, in denen Stimmung, Antrieb und Aktivitätsniveau des Betroffenen deutlich verändert sind.


Symptome

Patienten mit einer bipolaren Störung zeigen manische Episoden, die durch ein verringertes Schlafbedürfnis, Reizbarkeit, Logorrhoe, schnelles und hektisches Sprechen, rasende Gedanken, exzessives Genussverhalten und durch nachgewiesenermaßen erhöhte Ablenkbarkeit charakterisiert sind.

Für depressive Episoden sind eine depressive Stimmung, Hypersomnie oder Insomnie, psychomotorische Retardierung, Antriebsverlust, Verlust der Konzentrationsfähigkeit und unter Umständen auch Suizidversuche typisch.

Bei gemischten Episoden leidet ein Patient sowohl an manischen als auch an schweren depressiven Störungen. Depressive Phasen dauern mindestens eine Woche an. Stimmungsänderungen korrelieren nicht mit einem Substanzabusus oder mit anderen Erkrankungen und führen zu einer ausgeprägten Depression und zum Rückzug aus dem Sozialleben.

Euphorie
  • Der Wechsel von Depressionen mit ausgeprägter Euphorie wird „Bipolare Störung“ genannt. Ursachen dieser Störungen werden intensiv erforscht.[vitos-kurhessen.de]
  • So können sie Tage haben, an denen sie unter starken Depressionen leiden, an anderen Tagen wiederum mit Euphorie und Tatendrang durch das Leben schreiten.[brigitte.de]
  • In diesem Fall kommt es auch zu depressiven Phasen – doch hier wechseln sich negative Stimmungen mit Phasen der Euphorie ab. Auf Trauer folgt Freude, auf Freude wieder Trauer und das meist grundlos.[wunderweib.de]
  • Schätzungen zufolge sind etwa 800.000 Menschen von einem Alltag zwischen Euphorie und Todeswunsch betroffen.[berufsunfaehigkeitsversicherungen.de]
Suizidgedanken
  • Suizidgedanken können auftreten. Zwischen den einzelnen Phasen von Manie und Depression kehren Betroffene zum Normalzustand zurück. Es können auch psychotische Symptome dazu kommen z.B. Wahnideen und Halluzinationen.[palverlag.de]
  • […] niedergeschlagene Stimmung, Antriebslosigkeit, Interessenverlust, Schlafstörungen, Hoffnungslosigkeit, Energielosigkeit, Veränderungen des Appetits, Konzentrationsschwierigkeiten, innere Unruhe oder Verlangsamung, vermehrte Schuldgefühle, Selbstzweifel oder Suizidgedanken[psychotherapie-in-darmstadt.de]
  • Manche Betroffene rutschen in tiefe Verzweiflung, haben grundlos Schuldgefühle, viele hegen irgendwann Suizidgedanken. Doch dann, ohne erkennbaren Anlass, geht es den Patienten plötzlich besser.[focus.de]
  • Suizidgedanken, Schmerzen und Vitalitätsverlust begleiten diese Episode. Hilfe Ambulante Hilfe finden Betroffene bei einem Facharzt für Psychiatrie . Zur stationären Aufnahme dienen Spezialkliniken .[berufsunfaehigkeitsversicherungen.de]
Ablenkbarkeit
  • Stimmungslage, eine gesteigerte Aktivität, gesteigertes Selbstbewusstsein und überhöhte Selbsteinschätzung, gesteigerte Gesprächigkeit, Auftreten vieler Ideen und Gedankenrasen, ein vermindertes Schlafbedürfnis, gesteigerter Sexualtrieb sowie vermehrte Ablenkbarkeit[psychotherapie-in-darmstadt.de]
  • Manie: Die Symptome, die ein bipolarer Patient während einer manischen Episode aufweist, sind Hyperaktivität, erhöhte Energie, rasche Gedankenbildung, Ideenflucht, Reizbarkeit, leichte Ablenkbarkeit und vermindertes Schlafbedürfnis.[menschendie.de]
  • Patienten mit einer bipolaren Störung zeigen manische Episoden, die durch ein verringertes Schlafbedürfnis, Reizbarkeit, Logorrhoe, schnelles und hektisches Sprechen, rasende Gedanken, exzessives Genussverhalten und durch nachgewiesenermaßen erhöhte Ablenkbarkeit[symptoma.de]
Stimmungsänderung
  • Stimmungsänderungen korrelieren nicht mit einem Substanzabusus oder mit anderen Erkrankungen und führen zu einer ausgeprägten Depression und zum Rückzug aus dem Sozialleben. Die Diagnose einer bipolaren Störung basiert auf klinischen Erkenntnissen.[symptoma.de]
Unentschlossenheit
  • […] von etwa zwei Wochen die Stimmung, das Verhalten und das Leben Erkrankter Personen beeinflussen: Depressive Stimmung Verlust von Interesse und Freude Antriebsmangel Verlust des Selbstwertgefühls Selbstvorwürfe Schuldgefühle Todes- und Suizidgedanken Unentschlossenheit[bessergesundleben.de]
  • Auswegslosigkeit, grundlose Bedrücktheit Interessensverlust, Antriebslosigkeit, kein Empfinden von Freude Müdigkeit und Erschöpfung Schlafstörungen Innere Unruhe, Gedankenkreisen Appetitlosigkeit Sexuelle Unlust Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen Unentschlossenheit[wunderweib.de]
Reizbarkeit
  • Die bipolare Störung ist eine häufige, ernste und anhaltende psychische Erkrankung, die durch wechselnde Episoden mit Depressionen und erhöhter Reizbarkeit gekennzeichnet sind.[symptoma.de]
  • Manie: Die Symptome, die ein bipolarer Patient während einer manischen Episode aufweist, sind Hyperaktivität, erhöhte Energie, rasche Gedankenbildung, Ideenflucht, Reizbarkeit, leichte Ablenkbarkeit und vermindertes Schlafbedürfnis.[menschendie.de]
  • Manie: In dieser Krankheitsepisode herrschen Hyperaktivität, erhöhte Energie, rasche Gedankenbildung, Ideenflucht, Reizbarkeit, leichte Ablenkbarkeit und vermindertes Schlafbedürfnis vor.[freiepresse.de]
Rastlosigkeit
  • Eine Manie zeichnet sich durch gesteigertes Selbstbewusstsein, übermäßige Geselligkeit und distanzloses Verhalten, Ideenflucht sowie Rastlosigkeit aus.[augsburger-allgemeine.de]
  • Eine manische Episode ist durch gesteigerten Antrieb und Rastlosigkeit gekennzeichnet, was oft mit inadäquat überschwänglicher oder gereizter Stimmung einhergeht.[de.wikipedia.org]
Apathie
  • Die Depression verkehrt alle Aspekte der Manie ins Gegenteil und zwingt den Betroffenen zu Apathie und Lustlosigkeit. Bei dieser Erkrankungsphase höchsten Leidens erscheint sehr oft der Tod als besserer Zustand.[de.wikipedia.org]
Gewichtsverlust
  • Tag wenig, reagiert nicht auf Lebensumstände und kann von so genannten "somatischen" Symptomen begleitet werden, wie Interessenverlust oder Verlust der Freude, Früherwachen, Morgentief, deutliche psychomotorische Hemmung, Agitiertheit, Appetitverlust, Gewichtsverlust[dimdi.de]
  • […] eine gereizte Stimmung vorliegen; deutlich vermindertes Interesse oder Freude bei allen oder beinahe allen Aktivitäten fast den ganzen Tag, beinahe jeden Tag (wird entweder durch eigenen Bericht oder Beobachtungen anderer festgestellt); erheblicher Gewichtsverlust[de.wikipedia.org]

Diagnostik

Die Diagnose einer bipolaren Störung basiert auf klinischen Erkenntnissen. Die folgenden Untersuchungen können bei der Diagnosefindung hilfreich sein.

Laboruntersuchungen

  • Schilddrüsenhormonwerte sollten bestimmt werden um einen Hypothyreoidismus, der zu Depressionen führen kann, und um einen Hyperthyreoidismus, der Manien hervorrufen kann, ausschließen zu können.
  • Erythrozytensedimentationsraten sollten gemessen werden um eine Infektion ausschließen zu können.
  • Drogen- und Alkoholtests sollten ebenfalls durchgeführt werden.
  • Leberfunktions- und Rapid-Plasma-Reagin-Tests sind auch hilfreich.

Bildgebung

Die Durchführung einer Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns ist notwendig um eine allfällige Infektion, einen Apoplex oder einen Tumor ausschließen zu können.

Bei Verdacht auf eine Temporallappenepilepsie sollte eine Elektroenzephalographie angeordnet werden.

Therapie

Die Behandlung einer bipolaren Störung hängt stark von dem Ausprägungsgrad der Erkrankung ab. Bei einer starken Symptomatik sollte der Patient hospitalisiert werden. Patienten mit einer milderen Ausprägung können ambulant behandelt werden.

Viele Medikamente werden verwendet um Angst und Depressionen bei diesen Patienten zu verringern. Dazu zählen Neuroleptika, Valproat und Benzodiazepine.

Manische Episoden werden normalerweise mit Lithium behandelt, das möglicherweise eine neuroprotektive Wirkung hat [10].

Einige Veränderungen im Lebensstil des Patienten können zu einer besseren Prognose führen. Patienten mit einer bipolaren depressiven Erkrankung wird geraten eine adäquate Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren über ihre Ernährung zu gewährleisten [11]. Die Salzzufuhr sollte vermindert werden. Die Erstellung und Einhaltung eines passenden Trainingsplans kann sich ebenfalls positiv auswirken.

Prognose

Eine bipolare Störung ist mit starken Einschränkungen verbunden und hat einen starken Einfluss auf viele Lebensbereiche des Patienten [7]. Ein typischer Patient mit einer bipolaren Störung durchläuft durchschnittlich acht bis zehn depressive Episoden in seinem Leben. Es ist nicht klar wie oft eine Erkrankung im Kindesalter bis ins Erwachsenenalter andauert oder eine zukünftige Erkrankung begünstigt.

Patienten mit einer bipolaren Störung haben auch ein erhöhtes Risiko für Atemwegs- oder Kreislauferkrankungen [8]. Aufgrund dieser Komorbiditäten sterben Patienten mit einer bipolaren Störung durchschnittlich neun Jahre früher als statistisch erwartet [9].

Ätiologie

Eine genetische Prädisposition spielt bei der Entwicklung einer bipolaren Störung eine herausragende Rolle. Markante Stressfaktoren im Lebenslauf und externe Faktoren können sowohl den Ausbruch als auch weitere Episoden auslösen.

Genetische Faktoren

Eine bipolare Störung wird über gut erforschte genetische Prädispositionen verursacht. Bei eineiigen Zwillingen tritt eine bipolare Störung in 40-70% der Fälle bei beiden Zwillingen auf, bei zweieiigen Zwillingen nur in 5-25%. 50% der Patienten mit einer bipolaren Störung haben zumindest ein Elternteil mit einer psychischen Erkrankung.

Die wichtigsten bisher gefundenen Gene für die Ausprägung einer bipolaren Störung sind das ANK3-, CACNA1C-, und CLOCK-Gen [1] [2].

Biochemische Faktoren

Medikamente oder Drogen, die zu erhöhten Werten von Monoamin-Neurotransmittern führen (z.B. Serotonin, Norepinephrin, Dopamin), können eine bipolare Störung verursachen. Erhöhte Glutamatwerte wurden auch mit dieser Erkrankung in Verbindung gebracht. Calciumkanalinhibitoren und ein hormonelles Ungleichgewicht können zur Ausbildung einer bipolaren Störung beitragen.

Umweltfaktoren

Psychischer Druck und eine hohe Arbeitsbelastung können bei Patienten mit einer bipolaren Störung zu einer verstärkten Stressreaktion führen. Beispielsweise stellt eine Schwangerschaft für Frauen mit einer Vergangenheit mit manisch-depressiven Episoden eine besondere Stresssituation dar.

Epidemiologie

Die bipolare Störung ist eine der am häufigsten diagnostizierten psychischen Erkrankungen. Normalerweise manifestiert diese Erkrankung im Alter zwischen 15 und 30 Jahren. Die Inzidenz ist in gehobenen sozioökonomischen Schichten größer.

In den Vereinigten Staaten variiert die Prävalenz der bipolaren Störung zwischen 1 und 1.6%. Studien weisen darauf hin, dass Unterschiede zwischen der Prävalenz der bipolaren Störung bestehen und bei 1% für Typ 1 (BP-I) bzw. bei 1.1% für Typ 2 (BP-II) liegen [3].

Weltweit betrachtet liegt die Prävalenz bei 0.3-1.5%. Die Lebenszeitprävalenz beträgt 0.6% für BP-I, 0.4% für BP-II; für die subklinische Ausprägung der bipolaren Störung wurde eine Lebensprävalenz von 1.4% ermittelt [4].

Patienten mit einer bipolaren Störung leiden häufig auch an anderen Erkrankungen. Typisch sind kardiovaskuläre Krankheitsbilder, Diabetes mellitus, Adipositas und weitere psychische Störungen [5]. Diese sekundären Erkrankungen sind der Hauptgrund für die beobachtete verringerte Lebenserwartung bei Patienten mit einer bipolaren Störung.

Geschlechtsverteilung
Altersverteilung

Pathophysiologie

Die Pathophysiologie der bipolaren Störung ist noch nicht vollständig erforscht.

Die genetische Rolle bei der Prädisposition der Patienten ist für diese Krankheit gut beschrieben. Die zugrundeliegende Regulationsstörung biogener Amine oder Neurotransmitter - speziell bezogen auf Serotonin, Norepinephrin und Dopamin - ist ebenfalls bekannt.

Magnetresonanztomografien deuten auf Anomalien im Bereich des präfrontalen kortikalen Bereichs, des Striatums und der Amygdala hin.

Funktionelles Neuroimaging hat gezeigt, dass in bestimmten Gehirnregionen bei einer bipolaren Störung Hyper- bzw. Hypoaktivitäten bestehen [6].

Prävention

Eine bipolare Störung kann nicht verhindert werden, eine geeignete Medikation kann jedoch die Stimmungsschwankungen eindämmen und kontrollieren.

Zusammenfassung

Bipolare Störungen sind psychische Störungen, welche zu den affektiven Störungen gehören. Sie sind gekennzeichnet vom Wechsel zwischen depressiven, manischen und hypomanischen Zuständen oder gemischten Episoden. Dauer und Frequenz der Stimmungswechsel bei bipolaren Störungen variieren.

Die Ätiologie der bipolaren Störung ist durch ein Zusammenwirken verschiedener biochemischer, psychischer, genetischer und umweltbedingter Faktoren charakterisiert.

Patientenhinweise

Die bipolare Störung ist eine häufige, ernste und anhaltende psychische Erkrankung, die durch wechselnde Episoden mit Depressionen und erhöhter Reizbarkeit gekennzeichnet sind. Diese Krankheit wird normalerweise bei Patienten diagnostiziert, die jünger als 21 Jahre sind. Der Ausprägungsgrad der Erkrankung ist patientenabhängig. Geeignete Medikamente können die Depressionen und Stimmungsschwankungen erfolgreich kontrollieren.

Quellen

Artikel

  1. Sklar P, Smoller JW, Fan J, et al. Whole-genome association study of bipolar disorder. Molecular Psychiatry. 2008;13(6):558-569.
  2. Baum AE, Akula N, Cabanero M, et al. A genome-wide association study implicates diacylglycerol kinase eta (DGKH) and several other genes in the etiology of bipolar disorder. Molecular Psychiatry. 2008;13(2):197-207.
  3. Calabrese JR. Overview of patient care issues and treatment in bipolar spectrum and bipolar II disorder. The Journal of Clinical Psychiatry. 2008;69(6):e18.
  4. Merikangas KR, Jin R, He JP, et al. Prevalence and correlates of bipolar spectrum disorder in the world mental health survey initiative. Archives of General Psychiatry. 2011;68(3):241-251.
  5. Price AL, Marzani-Nissen GR. Bipolar disorders: a review. American Family Physician. 2012;85(5):483-493.
  6. Houenou J, Frommberger J, Carde S, et al. Neuroimaging-based markers of bipolar disorder: evidence from two meta-analyses. Journal of Affective Disorders. 2011;132(3):344-355.
  7. Ketter TA. Diagnostic features, prevalence, and impact of bipolar disorder. The Journal of Clinical Psychiatry. 2010;71(6):e14.
  8. Hoang U, Stewart R, Goldacre MJ. Mortality after hospital discharge for people with schizophrenia or bipolar disorder: retrospective study of linked English hospital episode statistics, 1999-2006. BMJ. 2011;343:d5422.
  9. Crump C, Sundquist K, Winkleby MA, Sundquist J. Comorbidities and mortality in bipolar disorder: a Swedish national cohort study. JAMA Psychiatry. 2013;70(9):931-939.
  10. Bauer M, Alda M, Priller J, Young LT, International Group For The Study Of Lithium Treated P. Implications of the neuroprotective effects of lithium for the treatment of bipolar and neurodegenerative disorders. Pharmacopsychiatry. 2003;36 Suppl 3:S250-254.
  11. Sarris J, Mischoulon D, Schweitzer I. Omega-3 for bipolar disorder: meta-analyses of use in mania and bipolar depression. The Journal of Clinical Psychiatry. 2012;73(1):81-86.

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Zuletzt aktualisiert: 2019-07-11 19:44