Symptome
Die Symptome sind bei allen Formen von Botulismus ähnlich, doch in der lebensmittelbedingten Form, können gastrointestinale Symptome wie Erbrechen und Durchfall vorhanden sein.
Die häufigsten Symptome sind die charakteristische Schwächen der von den Hirnnerven versorgten Muskeln. Muskellähmungen gehen vom Gesicht aus und umfassen den Verlust der Mimik, Ptosis, Diplopie, Atemnot, Schluckstörungen und Schwierigkeiten beim Sprechen [4].
Die Lähmung steigen dann symmetrisch auf die Gliedmaßen ab und verursachen Schwäche der Arme und Beine. Es kann auch zu einer Hyporeflexie und Areflexie kommen. Die Lähmung der Atemmuskulatur kann lebensbedrohlich sein.
Obstipation ist ein frühes Symptom des infantilen Botulismus, das jedoch häufig übersehen wird.
Diagnostik
Die meisten Fälle von infantilem Botulismus können klinisch diagnostiziert werden. Die Diagnose kann durch Stuhlproben bestätigt werden.
Bei allen anderen Formen basiert die Diagnose von Botulismus auf Anamnese und körperlicher Untersuchung des Patienten. Die Symptome können die Anzeichen anderer Krankheiten wie Guillain-Barré-Syndrom, Schlaganfall und Myasthenia gravis imitieren [5].
Die Diagnose kann bestätigt werden, wenn Botulinumtoxin in den Lebensmitteln, Mageninhalt, Erbochenem und/oder Fäkalien von Patienten identifiziert werden kann.
In perakuten Fällen kann das Toxin im Blut nachgewiesen werden. Der Nachweis kann durch verschiedene Tests durchgeführt werden:
- Enzyme Linked Immunosorbent Assay (ELISA)
- Elektrochemilumineszenz (ECL) [6]
- Mäuse-Inokulations-Versuch
Therapie
Die primäre Behandlung besteht in der Gabe von Antitoxin und der Bereitstellung von unterstützender Pflege [7].
Bei Atemlähmung kann Beatmung für Wochen oder Monate erforderlich sein [8]. Lebensmittelbedingter und Wundbotulismus können, wenn frühzeitig diagnostiziert, mit passiver Immunisierung und Antibiotika behandelt werden.
Zwei Arten von Antitoxinen sind verfügbar:
- dreiwertiges Antitoxin (wirksam gegen die Toxintypen A, B und E) [9]
- siebenwertiges Antitoxin (wirksam gegen alle Arten von Toxin A bis G) [10]
Infantiler Botulismus ist schwieriger zu therapieren. Derzeit ist ein Medikament namens Botulismus intravenöse Immunglobulin-Human die einzige geeignete Option, um diese Form des Botulismus zu behandeln.
Prognose
Unbehandelter Botulismus ist in etwa 60% der Fälle tödlich. Wenn er allerdings früh diagnostiziert wird, kann die Krankheit erfolgreich und ohne Komplikationen behandelt werden. Die Erholung kann aber einige Wochen dauern.
Ätiologie
Botulismus wird durch das von dem Bakterium Clostridium botulinum erzeugte Toxin verursacht und nicht durch das Bakterium selbst. Es erzeugt Toxine unter anaeroben Bedingungen. Das Toxin gelangt in die Blutbahn, wirkt auf das Nervensystem und verursacht schlaffe Lähmungen der willkürlichen Muskulatur, was durch eine Lähmung der Atemmuskulatur zu Atemstillstand fortschreiten kann.
Die Krankheit beim Menschen wird meist von den drei Toxinen A, B und E verursacht. Die letale Dosis liegt bei einem Mann von 70 kg Körpergewicht schätzungsweise bei 0,09 bis 0,15 Mikrogramm intravenös, 0,80 bis 0,90 Mikrogramm durch Einatmen und 70 Mikrogramm oral.
Lebensmittelbedingter Botulismus
Diese Form des Botulismus tritt auf, wenn Lebensmittel, die Botulinumtoxin enthalten, konsumiert werden. Bei Umweltbelastungen bilden die Bakterien Sporen, die resistent gegen Abkochen sind. Später, in einem günstigeren Umfeld (zB. alkalischer pH-Wert und niedriger Salz-und Zuckergehalt), produzieren sie Botulinumtoxin. Dies geschieht meist bei unsachgemäß aufbewahrten Lebensmitteln. Symptome erscheinen 12 bis 36 Stunden nach dem Verzehr von kontaminierten Lebensmitteln.
Diese Art von Botulismus tritt durch Ansiedlung der Bakterien im Darm auf. Die Bakterien produzieren Toxine, die aus der Darmwand in den Blutkreislauf aufgenommen werden. Infantiler Botulismus tritt am häufigsten bei Kindern im Alter von 2 bis 3 Monaten auf. Dies geschieht, weil in diesem Alter die normale Darmflora noch nicht voll etabliert ist. Normalerweise bekämpft die Darmflora Clostrodium botulinum und verhindert die Besiedelung aktiv. Honigkonsum bei Säuglingen ist die häufigste Ursache [2]. Die adulte Form des infantilen Botulismus ist äußerst selten.
Wundbotulismus tritt als Folge der Kontamination einer Wunde entweder durch Bakterien oder deren Sporen auf. Die von ihnen produzierten Giftstoffe gelangen in den Blutkreislauf. Heute ist intravenöser Drogenkonsum eine sehr häufige Ursache dieser Form von Botulismus [3].
Inhalationsbotulismus
Dies ist eine sehr seltene Art von Botulismus. In einigen Fällen wurden Inhalationen von Clostridium botulinum-Sporen durch Laborpersonal gemeldet.
Epidemiologie
Weltweit gesehen ist Botulismus eine seltene Erkrankung. Die meisten Fälle sind sporadisch, wenn auch manchmal Ausbrüche sind in bestimmten Regionen der Vereinigten Staaten und Großbritannien aufgetreten sind.
Die Centers for Disease Control (CDC) USA hat in den Jahren von 1990 bis 2000 263 Einzelfällen dokumentiert. 163 davon wurden durch Lebensmittel verursacht. Die durchschnittliche Zahl der Fälle pro Jahr von lebensmittelbedingtem Botulismus in den Vereinigten Staaten beträgt 24 Fälle, von denen die meisten in Alaska vorkommen [1].
Es gibt etwa 80 bis 100 Fälle von infantilem Botulismus jährlich in den Vereinigten Staaten und er ist damit die häufigste Form. Über 20% davon kommen durch den Verzehr von Honig zustande, in Philadelphia und Pennsylvania treten die meisten Fälle auf.
Wundbotulismus tritt aufgrund von Trauma auf und die Inzidenz steigt seit den 1990er Jahren durch intravenösen Drogenkonsum.
Pathophysiologie
Das Bakterium Clostridium botulinum erzeugt acht Arten von Toxinen (A, B, C1, C2, D, E, F und G). Diese Toxine sind serologisch unterschiedlich, verursachen aber ähnliche Symptome bei den Patienten. Die Toxin-Typen A, B und E verursachen Krankheiten beim Menschen.
Alle Formen des Toxins wirken auf das Nervensystem. Sobald es den Blutstrom erreicht, gelangt es an die peripheren cholinergen Synapsen, besonders die der neuromuskulären Verbindungen, wo es die Freisetzung von Acetylcholin aus den Nervenenden durch irreversible Bindung an Acetylcholin-Rezeptoren hemmt.
Das Toxin blockiert enzymatisch die Acetylcholin-Freisetzung aus den Motornervenenden, was zu Lähmungen führt.
Prävention
Es gibt keine Richtlinien für die Prävention von Botulismus.
Zusammenfassung
Botulismus ist ein seltener, aber potenziell lebensgefährlicher Zustand, welcher durch Botulinumtoxin verursacht wird.
In Abhängigkeit von der Route des Eintritts des Toxins, können verschiedene Typen unterschieden werden: lebensmittelbedingter Botulismus, infantiler Botulismus, Wundbotulismus und der seltene Inhalationsbotulismus.
Im Vordergrund steht die symptomatische Therapie. Zirkulierende Toxine können durch Verabreichung eines Antitoxins neutralisiert werden.
Patientenhinweise
Botulismus ist eine seltene, aber lebensbedrohliche Krankheit, die durch ein Bakterium, das normalerweise in der Erde gefunden wird, verursacht wird. Die Erkrankung wird durch Lähmung der Muskeln von Gesicht, Arme, Beine und Brust (einschließlich der für die Atmung erforderlichen Muskeln) charakterisiert.
Botulismus wird in der Regel durch den Verzehr von Lebensmitteln, die mit dem Toxin des Bakteriums kontaminiert sind, verursacht. Dieser Zustand wird durch die Injektion von geeigneten Antitoxinen behandelt. In Fällen, in denen die Diagnose frühzeitig erfolgt, ist die Prognose gut.
Quellen
- Shaffer N, Wainwright, RB, Middaugh, JP, et al. Botulism among Alaska Natives. The role of changing food preparation and consumption practices. West J Med. 1990;153(4):393-393.
- Grant KA, McLauchlin J, Amar C. Infant botulism: advice on avoiding feeding honey to babies and other possible risk factors. Community practitioner : the journal of the Community Practitioners' & Health Visitors' Association. Jul 2013;86(7):44-46.
- Passaro DJ, Werner SB, McGee J, Mac Kenzie WR, Vugia DJ. Wound botulism associated with black tar heroin among injecting drug users. JAMA : the journal of the American Medical Association. Mar 18 1998;279(11):859-863.
- Khakshoor H, Moghaddam AA, Vejdani AH, Armstrong BK, Moshirfar M. Diplopia as the primary presentation of foodborne botulism. Oman journal of ophthalmology. May 2012;5(2):109-111.
- Forss N, Ramstad R, Backlund T, Lindstrom M, Kolho E. Difficulties in diagnosing food-borne botulism. Case reports in neurology. May 2012;4(2):113-115.
- Sachdeva A, Singh AK, Sharma SK. An electrochemiluminescence assay for the detection of bio threat agents in selected food matrices and in the screening of Clostridium botulinum outbreak strains associated with type A botulism. Journal of the science of food and agriculture. Mar 15 2014;94(4):707-712.
- Werner SB, Chin J. Botulism--diagnosis, management and public health considerations. California medicine. May 1973;118(5):84-88.
- Chalk CH, Benstead TJ, Keezer M. Medical treatment for botulism. The Cochrane database of systematic reviews. Feb 20 2014;2:CD008123.
- Alizadeh AM, Zamani N. Treatment of foodborne botulism in current clinical toxicology. Pediatric reports. Apr 2 2012;4(2):e22.
- Hill SE, Iqbal R, Cadiz CL, Le J. Foodborne botulism treated with heptavalent botulism antitoxin. The Annals of pharmacotherapy. Feb 2013;47(2):e12.