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Explosionsverletzung

Unter dem Begriff Explosionsverletzung werden sämtliche Läsionen zusammengefasst, die ein Individuum erleidet, das der bei einer Explosion frei werdenden Energie ausgesetzt ist. Je nach Stärke der Explosion, Nähe des Patienten zur Energiequelle und exponierten Körperteilen gestaltet sich das klinische Bild ganz unterschiedlich. Eine Explosionsverletzung kann aber lebenswichtige Organe betreffen und ist daher potenziell lebensbedrohlich.


Symptome

Explosionsverletzungen (EV) werden als primär, sekundär, tertiär, quartär und zuweilen auch quinär eingestuft [1].

Von Sprengstoffen wie Trinitrotoluol (TNT) gehen bei einer Explosion sehr starke Druckwellen aus, die zu primären EV führen. Damit können solch potente Explosivstoffen Läsionen aller Ordnungen provozieren, während von Sprengsätzen niederer Potenz, zu denen beispielsweise Molotowcocktails zählen, keine primären EV verursachen.

Aus physikalischen Gründen betreffen primäre EV vor allem jene Körperbereiche, in denen sich luft- oder gasgefüllte Hohlräume befinden: die Ohren, die Lunge, die Hohlorgane des Verdauungstraktes.

  • Die Ohren sind sehr häufig betroffen und bei vielen Patienten, die eine Explosion erleben, kommt es zur Ruptur des Trommelfells. Auch Schäden des Mittelohrs werden regelmäßig festgestellt. Betroffene klagen über Otalgie, Tinnitus und den Verlust des Hörvermögens [2].
  • EV der Lunge führen möglicherweise zum Tode. Typische Symptome sind Dyspnoe, Alterationen der Atemfrequenz von Apnoe bis Tachypnoe, Schmerzen in der Brust, Husten und Hämoptysis sowie Hypotonie und Bradykardie. Schwerwiegende Komplikationen umfassen Lungenkontusion, akutes Atemnotsyndrom, Luftembolie und disseminierte intravasale Gerinnung. Hier handelt es sich zum einen um Symptome der Lungenläsion an sich, aber auch um kardiovaskuläre Folgen derselben.
  • Im Gastrointestinaltrakt können ebenfalls schwere Organschäden provoziert werden, die Hämorrhagien und möglicherweise eine Perforation von Hohlorganen mit folgender Peritonitis nach sich ziehen. Betroffene leiden dann an teils blutigem Erbrechen, abdominellen Schmerzen und den Folgen von Blutverlusten.

Es sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das klinische Bild nicht notwendigerweise mit dem Schweregrad der inneren Verletzungen korreliert [3].

Bei der Explosion wird der Sprengsatz zerstört und die entstehende Druckwelle treibt Fragmente, Splitter und anderen Debris an, die den Körper eines Menschen penetrieren oder ein stumpfes Trauma verursachen können, was als sekundäre EV gewertet wird [4] [5]. Stumpfe Trauma mögen auch aus dem Aufprallen des Patienten an Wänden oder seinem Sturz auf den Boden entstehen, wobei derartige Läsionen als tertiäre EV verstanden werden. Sekundäre und tertiäre EV mögen sämtliche Körperteile und Organe betreffen, u.a. das Gehirn [6] [7], aber häufig auch den Rumpf oder die Extremitäten.

Schließlich entstehen werden bei einer Explosion möglicherweise Hitze, Gase, Chemikalien und radioaktive Strahlung freigesetzt, die zu quartären und quinären EV führen können, wobei besonders häufig Verbrennungen auftreten. Zu den quinären EV zählen auch Langzeitfolgen, wie sie sich aus einer radioaktiven Kontamination können.

Tinnitus
  • Betroffene klagen über Otalgie, Tinnitus und den Verlust des Hörvermögens. EV der Lunge führen möglicherweise zum Tode.[symptoma.com]

Diagnostik

Der Hergang des Unfalls sollte so weit wie möglich rekonstruiert werden, einschließlich der Position des Patienten während der Explosion und seiner Exposition gegenüber toxischen Substanzen. Daraus lassen sich spezifische Risiken ableiten, die gegebenenfalls besondere Untersuchungen rechtfertigen.

In jedem Fall sollten jedoch Röntgenaufnahmen des Thorax angefertigt werden, um Verletzungen der Lunge zu identifizieren. Das gilt umso mehr, wenn der Patienten an Atembeschwerden leidet. Der typische Befund einer EV mit pulmonaler Beteiligung ist der schmetterlingsförmige Lungenumriss, der eine bilaterale perihiläre Konsolidierung anzeigt. Auf Röntgenaufnahmen des Abdomens lässt sich freies Gas im Bauchraum darstellen, aber meist wird zu Beurteilung des Verdauungstraktes die Computertomografie bevorzugt. Bei mangelnder Verfügbarkeit dieser bildgebenden Techniken kann auf die Sonografie zurückgegriffen werden, die schnell und zuverlässig Befunde liefert und vor allem transportabel ist [8].

Darüber hinaus empfehlen sich folgende Untersuchungen:

  • Blutbild und Gerinnungsstudien. Bestimmung der Blutgruppe, falls eine Transfusion nötig wird.
  • Blutgasanalyse und Überwachung des Säure-Basen-Haushalts, insbesondere bei Explosionen in geschlossenen Räumen [9].
  • Elektrolythaushalt einschließlich Kalzium und Phosphat.
  • Urinanalyse zur Detektion von Nierenverletzungen und einer möglichen Myoglobinurie, die auf eine Rhabdomyolyse hinweisen würde.

Therapie

  • Zusätzlich wurde die antibiotische Therapie aufgrund der zunehmenden Weichteilinfektion auf Cefotaxim und Metronidazol i.v. umgestellt.[egms.de]
  • Trachealruptur) sich nicht finden liess und es sich ohne weitere spezifische Therapie zurückbildete. Ob die Larynxschwellung durch die Verletzung oder die OP bedingt war, lässt sch im nachhinein kaum mehr entscheiden.[mydrg.de]
  • Die MEVO-Experten entwickeln daher individuelle Behandlungspläne, die Physiotherapie, physikalische Therapie und Ergotherapie und medizinische Nachsorge miteinander verknüpft.[mevo.de]

Quellen

Artikel

  1. Wolf SJ, Bebarta VS, Bonnett CJ, Pons PT, Cantrill SV. Blast injuries. Lancet. 2009;374(9687):405-415.
  2. Cohen JT, Ziv G, Bloom J, Kikk D, Rapoport Y, Himmelfarb MZ. Blast injury of the ear in a confined space explosion: auditory and vestibular evaluation. Isr Med Assoc J. 2002;4(7):559-562.
  3. Wani I, Parray FQ, Sheikh T, et al. Spectrum of abdominal organ injury in a primary blast type. World J Emerg Surg. 2009;4:46.
  4. Mallonee S, Shariat S, Stennies G, Waxweiler R,Hogan D, Jordan F. Physical injuries and fatalities resulting from the Oklahoma City bombing. JAMA. 1996;276(5):382-387.
  5. Glenshaw MT, Vernick JS, Li G, Sorock GS, Brown S, Mallonee S. Factors associated with injury severity in Oklahoma City bombing survivors. J Trauma. 2009;66(2):508-515.
  6. DeWitt DS, Prough DS. Blast-induced brain injury and posttraumatic hypotension and hypoxemia. J Neurotrauma. 2009;26(6):877-887.
  7. Kocsis JD, Tessler A. Pathology of blast-related brain injury. J Rehabil Res Dev. 2009;46(6):667-672.
  8. Ozer O, Sari I, Davutoglu V, Yildirim C. Pericardial tamponade consequent to a dynamite explosion: blast overpressure injury without penetrating trauma. Tex Heart Inst J. 2009;36(3):259-260.
  9. Kirkman E, Watts S, Cooper G. Blast injury research models. Philos Trans R Soc Lond B Biol Sci. 2011;366(1562):144-159.

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Zuletzt aktualisiert: 2019-06-28 08:52