Symptome
Anamnestische Daten spielen eine bedeutende Rolle bei der Identifikation von FK als solche und müssen unbedingt Beachtung finden, damit diese nicht mit Formen der Epilepsie oder anderen schweren Erkrankungen verwechselt werden. Zwar treten FK häufig wiederholt auf, aber eine Vorgeschichte zu Krampfanfällen, die der Patient erlitten hat, ohne gleichzeitig an einer fieberhaften Erkrankung zu leiden, ist untypisch für FK. Der Patient ist für gewöhnlich symptomfrei, wenn die Körpertemperatur im Normalbereich liegt, entwickelt aber innerhalb von 24 Stunden nach Einsetzen von Fieber Krämpfe [1].
Unkomplizierte FK werden häufiger beobachtet als komplizierte FK:
- Erstere dauern nur wenige Minuten an und der Patient erholt sich binnen einer Stunde nach dem Anfall vollständig. Das betroffene Kind erleidet zudem nicht mehr als einen FK pro Tag [2]. Unkomplizierte FK zeigen sich oft als generalisierte klonische Krämpfe, aber auch tonische und atonische Anfälle wurden in diesem Zusammenhang beschrieben.
- Häufiger auftretende und fokale Anfälle sowie ein Status epilepticus sind charakteristisch für komplizierte FK. Die postiktale Phase erstreckt sich über mehr als eine Stunde. Während komplizierte FK kein spezifisches Anzeichen für eine intrakranielle Infektion sind, so zeigten entsprechende Studien doch, dass die Prävalenz von Meningitiden und ähnlichen Pathologien in dieser Patientengruppe erhöht ist [3].
In der zeitnah durchgeführten Allgemeinuntersuchung lässt sich eine erhöhte Körpertemperatur feststellen und dazu möglicherweise Symptome der Grunderkrankung, zum Beispiel einer Infektion der oberen Atemwege oder einer Harnwegsinfektion. Insbesondere bleibt die Untersuchung des Schädels ohne pathologischen Befund. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass Hirntraumata zuweilen Symptome hervorrufen können, die FK ähneln. Vorangegangene Hirntraumata sind nicht notwendigerweise mit externen Läsionen verbunden.
Diagnostik
Leitlinien zur Diagnose von FK sind nicht verfügbar. Die Mehrzahl der Patienten wird wegen unkomplizierter FK vorstellig, die nur mehr durch eine gewöhnliche bakterielle oder virale Infektion getriggert wurden. Wichtig ist jedoch, die wenigen Fälle zu erkennen, in denen FK als Symptom einer schwerwiegenden Grunderkrankung auftreten. Dafür kann eine ganze Reihe Untersuchungen und Tests realisiert werden, aber ohne entsprechenden Verdacht lassen sich so kaum aussagekräftige Ergebnisse produzieren. Erweiterte diagnostische Maßnahmen sind nur bei komplizierten oder hochfrequenten unkomplizierten FK indiziert; einzelne unkomplizierte FK nach gewöhnlichen Infektionen bei sonst gesunden Kindern bedürfen keiner weiteren Aufarbeitung [4].
Besteht der Verdacht auf eine intrakranielle Infektion oder Anomalie, können folgende Untersuchungen eingeleitet werden:
- Im Rahmen einer Magnetresonanz- oder Computertomographie des Schädels lassen sich unter anderem Entzündungsherde, Hämorrhagien und Hämatome, Hirnödem und Hydrozephalus darstellen.
- Mit Hilfe der Elektroenzephalographie können Hirnströme detektiert werden, die charakteristisch für bestimmte Formen der Epilepsie sind. Es ist jedoch nicht zu erwarten, dass epileptische Anfälle wiederholt zu Beginn einer bakteriellen oder viralen Infektionserkrankung auftreten.
- Infektionen des zentralen Nervensystems führen zu Alterationen der Zusammensetzung der Zerebrospinalflüssigkeit, weshalb möglicherweise eine Lumbalpunktion und die Analyse einer Liquorprobe angezeigt ist [5] [6].
- Standardblutuntersuchungen können Hinweise auf die Grunderkrankung liefern, aber FK-spezifische Befunde sind nicht beschrieben.
Die Auswahl geeigneter Maßnahmen erfolgt immer im Kontext mit dem klinischen Bild.
Therapie
Die Behandlung von Fieberkrämpfen konzentriert sich auf die Kontrolle des Fiebers und die Beruhigung der Eltern. Antipyretika wie Paracetamol oder Ibuprofen können verwendet werden, um das Fieber zu senken. In seltenen Fällen, bei wiederholten oder lang anhaltenden Anfällen, können Medikamente wie Diazepam verabreicht werden.
Prognose
Die Prognose für Kinder mit Fieberkrämpfen ist ausgezeichnet. Die meisten Kinder haben nur einen oder wenige Anfälle, und das Risiko für die Entwicklung einer Epilepsie ist gering. Die meisten Kinder wachsen aus den Fieberkrämpfen heraus, ohne langfristige gesundheitliche Probleme.
Ätiologie
Die genaue Ursache von Fieberkrämpfen ist nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen, da Fieberkrämpfe in Familien gehäuft auftreten können. Auch die Reaktion des kindlichen Gehirns auf Fieber scheint eine Rolle zu spielen.
Epidemiologie
Fieberkrämpfe sind die häufigsten Krampfanfälle im Kindesalter und betreffen etwa 2-5% der Kinder. Sie treten am häufigsten im Alter von 12 bis 18 Monaten auf und sind bei Jungen etwas häufiger als bei Mädchen.
Pathophysiologie
Die Pathophysiologie von Fieberkrämpfen ist komplex und nicht vollständig verstanden. Es wird angenommen, dass das unreife Gehirn von Kleinkindern besonders empfindlich auf Temperaturveränderungen reagiert, was zu einer vorübergehenden Störung der elektrischen Aktivität im Gehirn führen kann.
Prävention
Es gibt keine spezifische Methode zur Verhinderung von Fieberkrämpfen. Die Kontrolle von Fieber mit Antipyretika kann helfen, das Risiko zu verringern, aber es gibt keine Garantie, dass dies einen Anfall verhindert. Eltern sollten lernen, wie sie während eines Anfalls richtig reagieren.
Zusammenfassung
Fieberkrämpfe sind häufige, meist harmlose Krampfanfälle bei Kleinkindern, die mit Fieber einhergehen. Sie erfordern in der Regel keine spezielle Behandlung und haben eine gute Prognose. Eine genaue Diagnose ist wichtig, um andere ernsthafte Erkrankungen auszuschließen.
Patientenhinweise
Eltern sollten wissen, dass Fieberkrämpfe in der Regel harmlos sind und keine langfristigen Auswirkungen auf die Gesundheit ihres Kindes haben. Es ist wichtig, während eines Anfalls Ruhe zu bewahren und das Kind in eine sichere Position zu bringen. Nach dem Anfall sollte das Kind von einem Arzt untersucht werden, um andere Ursachen auszuschließen.
Quellen
- Gubser M, Blumberg A, Donati F. [Febrile convulsions: assessment of current status]. Schweiz Med Wochenschr. 1999; 129(17):649-657.
- Sapir D, Leitner Y, Harel S, Kramer U. Unprovoked seizures after complex febrile convulsions. Brain Dev. 2000; 22(8):484-486.
- Batra P, Gupta S, Gomber S, Saha A. Predictors of meningitis in children presenting with first febrile seizures. Pediatr Neurol. 2011; 44(1):35-39.
- Innes RF. Understanding the pathophysiology behind febrile convulsions. Nurs Child Young People. 2015; 27(2):20-23.
- Haeusler GM, Tebruegge M, Curtis N. Question 1. Do febrile convulsions cause CSF pleocytosis? Arch Dis Child. 2012; 97(2):172-175.
- Yoshikawa H, Abe T. Febrile convulsion during the acute phase of Kawasaki disease. Pediatr Int. 2004; 46(1):31-32.