Symptome
Die Symptome, die sich im Zusammenhang mit einem FSK entwickeln, sind meist auf lokale Masseneffekte zurückzuführen, da dieser Tumor für gewöhnlich nicht hormonell aktiv ist. Betroffene werden daher mit einer asymmetrischen, palpierbaren Umfangsvermehrung unterhalb des Kehlkopfes vorstellig. Aufgrund der räumlichen Nähe zum Larynx sind viele Patienten heiser oder dysphonisch. Zum Teil klagen sie auch Schwierigkeiten beim Abschlucken fester Nahrung, seltener beim Schlucken von Wasser. Die Dysphagie kann mit einer Dyspnoe einhergehen. Wenn der Tumor Druck auf den Nervus laryngeus recurrens ausübt, verschlimmern sich die zuvor genannten Symptome und die Betroffenen husten. Eine FSK wächst in der Regel langsam.
In der Anamnese und in der Allgemeinuntersuchung sollten folgende Punkte abgeklärt werden:
- Eine mögliche familiäre Vorbelastung für Schilddrüsenkrebs. Verwandte ersten Grades von Personen, bei denen ein FSK diagnostiziert wurde, haben ein höheres Risiko, selbst diese Art von Krebs zu entwickeln [1].
- Ernährungsgewohnheiten. Es sollte in Erfahrung gebracht werden, ob ein Patient möglicherweise unter einem Jodmangel leidet [2]. Bei entsprechender Indikation kann die renale Ausscheidung von Jod gemessen werden.
- Exposition gegenüber Strahlung. Die Patienten sollten gefragt werden, ob sie zu irgendeinem Zeitpunkt in ihrem Leben Strahlung ausgesetzt waren. Die Latenzzeit kann mehrere Jahrzehnte betragen.
- Konsistenz und Empfindlichkeit der Umfangsvermehrung. Schilddrüsenkarzinome sind meist von fester Konsistenz. Druck auf den Tumor bereitet in der Regel keine Schmerzen.
- Auffällige Befunde bei Palpation der regionalen Lymphknoten. Die Tumorarten papilläres Schilddrüsenkarzinom und medulläres Schilddrüsenkarzinom metastasieren tendenziell eher über die Lymphgefäße, das FSK dagegen bevorzugt hämatogen in die inneren Organe [3]. Anomalien der Lymphknoten schließen ein FSK jedoch nicht aus.
Das FSK kann zum Zeitpunkt der Erstvorstellung bereits metastasiert haben. Deshalb ist es möglich, dass Symptome, die aus funktionellen Störungen der Lunge, Leber oder Knochen resultieren, dass klinische Bild dominieren. In diesem Kontext ist besonders auf eine Belastungsintoleranz, Schmerzen im Oberbauch, Ikterus und pathologische Frakturen zu achten.
Diagnostik
Bei Verdacht auf ein Schilddrüsenkarzinom ist zunächst sonographisch dessen genaue Lage und Größe zu bestimmen. FSK wachsen zumeist als solitäre Tumore, die die Kapsel der Schilddrüsenlappen nicht infiltrieren. Um Metastasen zu identifizieren, eignet sich die Szintigraphie besser. Da dieses Verfahren auf der Anreicherung von radioaktivem Jod im Gewebe basiert, ist seine Sensitivität zur Detektion von nicht hormonell aktiven Schilddrüsentumoren jedoch ebenfalls eingeschränkt. Falls histologische Ergebnisse also auf ein FSK hinweisen, ist eine Computer- oder Magnetresonanztomographie angezeigt [4]. Etwa 10% aller FSK-Patienten weisen bei der Diagnosestellung bereits Metastasen auf.
Die histologische Analyse einer Gewebeprobe ist notwendig, um herauszufinden, ob ein Schilddrüsentumor benigne oder maligne ist, und welchem Subtyp er zuzuordnen ist. Unter dem Mikroskop lässt sich ebenfalls erkennen, wie stark invasiv ein Karzinom wächst. Obwohl die Untersuchung von Feinnadelaspiraten diesbezüglich wertvolle Ergebnisse liefern kann - die Morphologie der Zellkerne lässt beispielsweise ein papilläres Schilddrüsenkarzinom erkennen - sind häufig umfangreichere Proben notwendig, um eine präzise Diagnose stellen und eine Prognose abgeben zu können. In Bezug auf das FSK stellt insbesondere die Beurteilung der Invasivität des Tumors eine Herausforderung dar [5], weshalb bei entsprechenden Verdacht nicht selten eine gleichzeitig therapeutische Resektion der Neoplasie erfolgt, um eine aussagekräftige Probe zu erhalten.
Die Serumkonzentrationen der Hormone TSH, T4 und T3 sowie des Thyreoglobulins sollten gemessen werden. Hormonell aktive Schilddrüsenkarzinome provozieren einen Anstieg der Konzentrationen von T4, T3 und des Thyreoglobulins, während der TSH-Spiegel aufgrund der autonomen Hormonproduktion sinkt. Ein TSH-Suppressionstest kann durchgeführt werden, um eben diesen Umstand zu bestätigen, aber falsch negative Resultate sind nicht selten. Ein wesentlicher Anteil hormonproduzierender Schilddrüsentumore reagiert durchaus auf eine TSH-Suppression. Es muss auch gesagt werden, dass es sich hierbei nicht um Ausschlusskriterien für ein FSK handelt, da dieser Tumor meist keine Hormone freisetzt.
Darüber hinaus wird die Messung der Calcitonin- und Kalziumspiegel empfohlen, was besonders zur Differenzierung von FSK und medullärem Schilddrüsenkarzinom hilfreich ist.
Therapie
Die Hauptbehandlung für das follikuläre Schilddrüsenkarzinom ist die chirurgische Entfernung der betroffenen Schilddrüse, oft gefolgt von einer Radiojodtherapie. Diese Therapie zielt darauf ab, verbleibende Krebszellen zu zerstören. In einigen Fällen kann eine Hormontherapie erforderlich sein, um den Hormonhaushalt nach der Entfernung der Schilddrüse zu regulieren. Die Behandlung wird individuell angepasst, abhängig von der Ausbreitung und dem Stadium des Krebses.
Prognose
Die Prognose für Patienten mit follikulärem Schilddrüsenkarzinom ist in der Regel gut, insbesondere wenn der Krebs frühzeitig erkannt und behandelt wird. Die Überlebensrate ist hoch, und viele Patienten leben nach der Behandlung ein normales Leben. Die regelmäßige Nachsorge ist wichtig, um ein Wiederauftreten des Krebses frühzeitig zu erkennen.
Ätiologie
Die genaue Ursache des follikulären Schilddrüsenkarzinoms ist nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch mehrere Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen können, an dieser Krebsart zu erkranken. Dazu gehören eine familiäre Vorbelastung, eine Vorgeschichte von Strahlenexposition im Kopf- und Halsbereich sowie bestimmte genetische Mutationen.
Epidemiologie
Das follikuläre Schilddrüsenkarzinom ist seltener als das papilläre Karzinom und tritt häufiger bei Frauen als bei Männern auf. Es wird am häufigsten bei Menschen im mittleren Alter diagnostiziert. Die Inzidenz variiert weltweit, wobei in einigen Regionen eine höhere Häufigkeit beobachtet wird, möglicherweise aufgrund von Umweltfaktoren oder genetischen Prädispositionen.
Pathophysiologie
Das follikuläre Schilddrüsenkarzinom entsteht aus den follikulären Zellen der Schilddrüse, die normalerweise für die Produktion von Schilddrüsenhormonen verantwortlich sind. Bei der Entstehung des Karzinoms kommt es zu genetischen Veränderungen, die das unkontrollierte Wachstum dieser Zellen fördern. Diese Krebszellen können in umliegendes Gewebe eindringen und sich über das Blut auf andere Körperteile ausbreiten.
Prävention
Es gibt keine spezifischen Maßnahmen zur Prävention des follikulären Schilddrüsenkarzinoms. Eine gesunde Lebensweise und die Vermeidung von unnötiger Strahlenexposition können jedoch das allgemeine Krebsrisiko senken. Personen mit einer familiären Vorbelastung sollten regelmäßige ärztliche Untersuchungen in Betracht ziehen, um mögliche Anzeichen frühzeitig zu erkennen.
Zusammenfassung
Das follikuläre Schilddrüsenkarzinom ist eine gut differenzierte Form von Schilddrüsenkrebs, die aus den follikulären Zellen der Schilddrüse entsteht. Es ist weniger häufig als das papilläre Karzinom, hat aber eine gute Prognose, wenn es frühzeitig erkannt und behandelt wird. Die Behandlung umfasst in der Regel eine Operation und Radiojodtherapie. Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen sind entscheidend, um ein Wiederauftreten zu verhindern.
Patientenhinweise
Wenn Sie einen Knoten oder eine Schwellung im Hals bemerken, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um die Ursache abklären zu lassen. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend für eine gute Prognose. Informieren Sie sich über Ihre Familiengeschichte und mögliche Risikofaktoren, und sprechen Sie mit Ihrem Arzt über regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, insbesondere wenn Sie ein erhöhtes Risiko haben.
Quellen
- Handkiewcz-Junak D, Banasik T, Kolosza Z, et al. Risk of malignant tumors in first-degree relatives of patients with differentiated thyroid cancer -- a hospital based study. Neoplasma. 2006; 53(1):67-72.
- Kalk WJ, Sitas F, Patterson AC. Thyroid cancer in South Africa--an indicator of regional iodine deficiency. S Afr Med J. 1997; 87(6):735-738.
- Schneider DF, Chen H. New developments in the diagnosis and treatment of thyroid cancer. CA Cancer J Clin. 2013; 63(6):374-394.
- Summaria V, Rufini V, Mirk P, Costantini AM, Reale F, Maresca G. Diagnostic imaging of differentiated thyroid carcinoma. Rays. 2000; 25(2):177-190.
- Ban EJ, Andrabi A, Grodski S, Yeung M, McLean C, Serpell J. Follicular thyroid cancer: minimally invasive tumours can give rise to metastases. ANZ J Surg. 2012; 82(3):136-139.