Symptome
Schon beim Neugeborenen kann es zu schwer stillbaren Blutungen aus dem Nabelschnurstumpf kommen. Darüber hinaus fällt bereits in früher Kindheit eine Neigung zu mukokutanen Blutungen auf: Die betroffenen Kinder entwickeln Ekchymosen und selbst nach kleineren Traumata bilden sie unverhältnismäßig große Hämatome. Zahnfleischbluten wird häufig beobachtet, Epistaxis etwas seltener [1]. Im Gegensatz zu Patienten, bei denen eine Hämophilie A oder ein hereditärer Faktor-IX-Mangel besteht, kommt es kaum zu Einblutungen in die Muskulatur oder blutigen Gelenkergüsse mit folgenden Hämarthrosen [2]. Allerdings besteht ein erhebliches Risiko zu lebensbedrohlichen intrazerebralen und subduralen Hämorrhagien [3]. Etwa jeder Dritte hF13AM-Patient erleidet in seinem Leben eine intrakranielle Blutung [1], womit derartige Komplikationen bei hF13AM häufiger auftreten als bei allen anderen kongenitalen Hämophilien. Des Weiteren können gastrointestinale Blutungen auftreten.
Weibliche Patienten im gebärfähigen Alter leiden oftmals an einer Menorrhagie. Im Zusammenhang mit der Ovulation können in Einzelfällen intraperitoneale Blutungen ausgelöst werden [4]. Während der Schwangerschaft besteht ein hohes Risiko zu dezidualen Blutungen und zur spontanen Fehlgeburt [5] [6]. Zudem wird regelmäßig über eine verzögerte Wundheilung berichtet, die nicht das Resultat der hämorrhagischen Diathese ist, sondern vielmehr auf weitere regulatorische Funktionen des Faktor XIII hinweist [7].
Diagnostik
Der Verdacht auf eine hämorrhagische Diathese beruht auf dem Vorbericht und dem klinischen Bild und veranlasst zunächst zu Standarduntersuchungen des Blutes und zu Koagulationsstudien. Im Fall eines hF13AM sind Anomalien des Blutbildes nicht zu erwarten, die Thrombozytenzahl liegt im Referenzbereich. Im Blutausstrich stellen sich die Blutplättchen morphologisch unauffällig dar. Der Quick-Wert, die aktivierte partielle Thromboplastinzeit und die Prothrombinzeit liegen sämtlich im jeweiligen Referenzbereich [8].
Die Diagnose eines hF13AM basiert auf einer Messung der Aktivität des Faktor XIII (qualitative Analyse) sowie einer Bestimmung der Plasmakonzentration des Faktor XIII-Tetramers und der Untergruppen A und B (quantitative Analyse) [1] [9]:
- Bei homozygoten Patienten mit schwerem hF13AM liegt die Aktivität des Faktor XIII für gewöhnlich <1% des Referenzwertes [2]. Bei heterozygoten Trägern, die zumeist asymptomatisch sind, liegt sie mit <70% ebenfalls unterhalb des Referenzbereichs [3].
- Ist die Aktivität des Faktor XIII vermindert, wird die Plasmakonzentration dieses Gerinnungsfaktors bestimmt. Bei einem Faktor XIII-Mangel vom Typ 2, d.h. bei einer funktionalen Defizienz, ist der Plasmagehalt des Faktor XIII nur geringgradig reduziert oder liegt sogar im Normalbereich.
- Die Hinweise darauf, dass ein Faktor XIIIB-Mangel mit einer milderen Symptomatik einhergeht als ein hF13AM, häufen sich, rechtfertigen aber keine Differentialdiagnostik anhand des klinischen Bildes [10]. Zur Differenzierung einer Faktor XIIIA-Defizienz von einem Faktor XIIIB-Mangel müssen daher die Konzentrationen der jeweiligen Untereinheiten im Plasma und in Thrombozytenlysaten gemessen werden. Auch hier gilt die o.g. Einschränkung bezüglich eines hF13AM vom Typ 2.
Schließlich kann die ursächliche Mutation mit Hilfe molekularbiologischer Methoden identifiziert werden. Bis heute sind mehrere Dutzend Mutationen des Gens bekannt, das für Faktor XIIIA codiert.
Therapie
Die Behandlung des Faktor-XIIIA-Mangels konzentriert sich auf die Prävention und Kontrolle von Blutungen. Dies kann durch die regelmäßige Gabe von Faktor-XIII-Konzentraten erfolgen. Bei akuten Blutungen kann eine sofortige Behandlung mit diesen Konzentraten notwendig sein. Eine enge Zusammenarbeit mit einem Hämatologen ist wichtig, um die Therapie individuell anzupassen.
Prognose
Mit einer angemessenen Behandlung können viele Patienten mit hereditärem Faktor-XIIIA-Mangel ein normales Leben führen. Unbehandelt kann die Erkrankung jedoch zu schweren Komplikationen führen, insbesondere bei schweren Blutungen. Die regelmäßige Überwachung und Anpassung der Therapie sind entscheidend für eine positive Prognose.
Ätiologie
Der hereditäre Faktor-XIIIA-Mangel wird durch Mutationen im F13A1-Gen verursacht, das für die Produktion der A-Untereinheit des Faktor XIII verantwortlich ist. Diese genetischen Veränderungen führen zu einer verminderten oder fehlenden Aktivität des Enzyms.
Epidemiologie
Der hereditäre Faktor-XIIIA-Mangel ist eine sehr seltene Erkrankung. Die genaue Häufigkeit ist nicht bekannt, aber es wird geschätzt, dass weniger als 1 von 1 Million Menschen betroffen ist. Aufgrund der Seltenheit kann die Diagnose oft verzögert erfolgen.
Pathophysiologie
Faktor XIII spielt eine Schlüsselrolle bei der Stabilisierung von Fibrin, einem Protein, das für die Bildung von Blutgerinnseln notwendig ist. Ein Mangel an Faktor XIII führt zu instabilen Gerinnseln, die leicht zerfallen, was zu einer erhöhten Blutungsneigung führt.
Prävention
Da der hereditäre Faktor-XIIIA-Mangel genetisch bedingt ist, gibt es keine spezifischen Maßnahmen zur Prävention der Erkrankung. Genetische Beratung kann jedoch für Familien mit einer bekannten Geschichte der Erkrankung hilfreich sein, um das Risiko für zukünftige Generationen zu bewerten.
Zusammenfassung
Hereditärer Faktor-XIIIA-Mangel ist eine seltene, genetisch bedingte Blutgerinnungsstörung, die zu einer erhöhten Blutungsneigung führt. Eine frühzeitige Diagnose und regelmäßige Behandlung sind entscheidend, um Komplikationen zu vermeiden und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Patientenhinweise
Patienten mit hereditärem Faktor-XIIIA-Mangel sollten sich regelmäßig von einem Hämatologen betreuen lassen und über die Anzeichen von Blutungen informiert sein. Es ist wichtig, alle medizinischen Fachkräfte über die Erkrankung zu informieren, insbesondere vor chirurgischen Eingriffen oder zahnärztlichen Behandlungen. Eine Notfallkarte, die auf die Erkrankung hinweist, kann im Alltag hilfreich sein.
Quellen
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- Ivaskevicius V, Seitz R, Kohler HP, et al. International registry on factor XIII deficiency: a basis formed mostly on European data. Thromb Haemost. 2007; 97(6):914-921.