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Hereditärer Protein-C-Mangel
Hereditärer Protein-C-Mangel (hPCM) prädisponiert zur Thrombenbildung und zu Thrombembolien, da Protein C benötigt wird, um die Gerinnungsfaktoren Va und VIIIa zu inaktivieren und die Fibrinolyse zu initiieren. Es handelt sich um eine Koagulopathie, die autosomal dominant mit unvollständiger Penetranz vererbt wird und in schweren Fällen bereits beim Neugeborenen zum Tod führen kann.

Symptome

Der Phänotyp der hPCM-Patienten variiert in Abhängigkeit von der Residualaktivität des Protein C sehr stark [1]:

  • Schwere Verlaufsformen führen beim Neonaten oft schon am ersten Lebenstag zur extensiven Thrombose und zu letalen thromboembolischen Komplikationen, z.B. zu intrakraniellen Blutungen und Hirninfarkten [2]. Auch eine Purpura fulminans ist typisch für einen schweren hPCM. Die Purpura fulminans stellt sich in Form von akuten, dunklen und sukzessive verhärtenden, flächenhaften Kapillarblutungen in der Subkutis dar. Sie führt innerhalb kurzer Zeit zu einer hämorrhagischen Nekrose der Haut und ist das Resultat einer disseminierten intravasalen Gerinnung [3]. Des Weiteren kommt es regelmäßig zu Einblutungen in den Glaskörper und zur Netzhautablösung mit entsprechend verheerenden Auswirkungen auf das Sehvermögen der Kinder, die überleben [4].
  • Bei milderem hPCM manifestiert sich die Erkrankung erst in der Jugend oder im Erwachsenenalter. Die Art der Komplikationen kann denen beim Neonaten ähneln - so wurde auch bei erwachsenen Patienten über Myokard- und Hirninfarkte [5] [6], über Purpura fulminans [7] sowie einen Arteria centralis retinae Verschluss und einen Verschluss der zentralen Netzhautvene berichtet [8] - aber die allgemeine Thrombophilie führt auch zu höheren Risiken auf Thrombosen anderer Arterien und Venen. So finden sich in der Literatur unzählige Hinweise auf tiefe Venenthrombosen bei hPCM-Patienten [9].

Diagnostik

Das klinische Bild deutet auf eine Koagulopathie hin, lässt jedoch insbesondere keine Unterscheidung von hPCM und Protein-S-Mangel zu. In Blutanalysen dominieren in akuten Phasen jene Abweichungen, die mit der disseminierten intravasalen Gerinnung einhergehen, nämlich Thrombozytopenie, Hypofibrinogenämie, erhöhte Konzentrationen von Fibrin-Spaltprodukten (D-Dimere) sowie eine verlängerte aktivierte partielle Thromboplastinzeit und eine verlängerte Prothrombinzeit [3].

Spezifischere Befunde sind zu erheben, wenn die Konzentration des Protein C bestimmt wird, wobei nur im Fall eines Typ I hPCM pathologisch reduzierte Werte zu erwarten sind. Beim Typ II hPCM, d.h. bei funktioneller Defizienz an Protein C, liegt die Menge des nachweisbaren Antigens im Referenzbereich [10]. Die Aktivität des Protein C ist dagegen in beiden Fällen deutlich vermindert, bei homozygoten Patienten mit schwerer Symptomatik oft <1% bzw. nicht detektierbar (Referenzbereich 25-45% beim Neonaten, 70-140% beim Erwachsenen) [3] [4]. Daher ist der Nachweis einer Reduktion der Aktivität des Protein C der wichtigste Schritt zur Diagnose der Erkrankung. Um hier zuverlässige Resultate zu erzielen, muss die zu untersuchende Plasmaprobe vor Behandlungsbeginn gewonnen werden [10]. Dennoch ist mit der Einleitung therapeutischer Maßnahmen bei lebensbedrohlichen Komplikationen nicht zu warten, bis die Ergebnisse der Aktivitätsmessung und des antigen-basierten Assays vorliegen.

Dasselbe gilt für die molekulare Bestätigung der Diagnose, die schließlich anzustreben ist, um hereditäre und erworbene Konditionen zu unterscheiden [11]. Die Identifizierung der kausalen Mutation bildet zudem die Basis für die genetische Beratung betroffener Familien und sichert insbesondere bei heterozygoten Patienten, für die in den zuvor genannten Studien nur unklare Resultate erzielt wurden, die Diagnose ab.

Therapie

Die Behandlung zielt darauf ab, Thrombosen zu verhindern und zu behandeln. Dazu gehören:

  • Antikoagulanzien (Blutverdünner) wie Warfarin oder Heparin
  • In schweren Fällen kann eine Protein-C-Substitutionstherapie erforderlich sein
  • Bei akuten Thrombosen ist eine sofortige medizinische Behandlung notwendig

Prognose

Die Prognose hängt von der Schwere des Mangels und der Häufigkeit von Thrombosen ab. Mit einer angemessenen Behandlung können viele Patienten ein normales Leben führen. Unbehandelt kann der Mangel jedoch zu schweren Komplikationen führen.

Ätiologie

Der hereditäre Protein-C-Mangel wird durch Mutationen im PROC-Gen verursacht. Diese Mutationen werden autosomal-dominant vererbt, was bedeutet, dass eine einzige Kopie des veränderten Gens ausreicht, um die Erkrankung zu verursachen.

Epidemiologie

Der hereditäre Protein-C-Mangel ist relativ selten. Schätzungen zufolge betrifft er etwa 1 von 200 bis 500 Menschen. Die Häufigkeit kann je nach Population variieren.

Pathophysiologie

Protein C ist ein Vitamin-K-abhängiges Protein, das in der Leber produziert wird. Es spielt eine entscheidende Rolle bei der Hemmung der Blutgerinnung. Ein Mangel führt zu einer unkontrollierten Gerinnung, was das Risiko für Thrombosen erhöht.

Prävention

Da der hereditäre Protein-C-Mangel genetisch bedingt ist, gibt es keine Möglichkeit, ihn zu verhindern. Personen mit einer Familiengeschichte der Erkrankung sollten jedoch auf Symptome achten und gegebenenfalls genetische Beratung in Anspruch nehmen.

Zusammenfassung

Hereditärer Protein-C-Mangel ist eine genetische Störung, die das Risiko für Blutgerinnsel erhöht. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend, um Komplikationen zu vermeiden. Mit der richtigen Therapie können Betroffene ein normales Leben führen.

Patientenhinweise

Wenn Sie oder ein Familienmitglied Symptome wie wiederkehrende Thrombosen oder ungewöhnliche Hautveränderungen bemerken, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Eine frühzeitige Diagnose kann helfen, schwerwiegende Komplikationen zu vermeiden. Informieren Sie sich über Ihre Familiengeschichte und besprechen Sie mögliche genetische Tests mit Ihrem Arzt.

Quellen

  1. Inoue H, Terachi SI, Uchiumi T, et al. The clinical presentation and genotype of protein C deficiency with double mutations of the protein C gene. Pediatr Blood Cancer. 2017.
  2. Ichiyama M, Ohga S, Ochiai M, et al. Fetal hydrocephalus and neonatal stroke as the first presentation of protein C deficiency. Brain Dev. 2016; 38(2):253-256.
  3. Price VE, Ledingham DL, Krumpel A, Chan AK. Diagnosis and management of neonatal purpura fulminans. Semin Fetal Neonatal Med. 2011; 16(6):318-322.
  4. Hattenbach LO, Beeg T, Kreuz W, Zubcov A. Ophthalmic manifestation of congenital protein C deficiency. J aapos. 1999; 3(3):188-190.
  5. Tiong IY, Alkotob ML, Ghaffari S. Protein C deficiency manifesting as an acute myocardial infarction and ischaemic stroke. Heart. 2003; 89(2):E7.
  6. Yang FC, Hsu CH, Lin JC, Chen CY, Lee JT. Inherited protein C deficiency with acute ischemic stroke in a young adult: a case report. Blood Coagul Fibrinolysis. 2008; 19(6):601-604.
  7. Veith NT, Tschernig T, Braun BJ, Pohlemann T, Assmann G. [Purpura fulminans of the adult--a hematological emergency]. Dtsch Med Wochenschr. 2014; 139(50):2597-2601.
  8. Desai S, Rai N, Kulkarni P, Natarajan S. Combined CRVO with CRAO in a patient with protein C deficiency. Retin Cases Brief Rep. 2014; 8(2):145-149.
  9. Holzhauer S, Goldenberg NA, Junker R, et al. Inherited thrombophilia in children with venous thromboembolism and the familial risk of thromboembolism: an observational study. Blood. 2012; 120(7):1510-1515.
  10. Khor B, Van Cott EM. Laboratory tests for protein C deficiency. Am J Hematol. 2010; 85(6):440-442.
  11. Al-Hamed MH, AlBatniji F, AlDakheel GA, et al. Molecular characterization of novel splice site mutation causing protein C deficiency. Blood Coagul Fibrinolysis. 2016; 27(5):585-588.
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