Symptome
Die akute Phase der Infektion, die nach einer Inkubationszeit von wenigen Wochen einsetzt, kann durch konstitutive Symptome wie allgemeine Schwäche, Unwohlsein, Fieber und Gewichtsverlust geprägt sein [1]. Einige Patienten zeigen auch eine generalisierte Lymphadenopathie, Glieder- und Gelenkschmerzen, leiden an Halsschmerzen oder Durchfall. Ein Teil der Betroffenen erlebt allerdings nur geringgradige Symptome, die nicht zur Vorstellung beim Arzt veranlassen [2], und da die Beschwerden innerhalb von ein bis zwei Wochen spontan zurückgehen, wird die HIV-Infektion in diesem Stadium nur selten diagnostiziert.
Es folgt eine Latenz, die mehrere Jahre, unter Umständen gar Jahrzehnte andauern kann. Da Untersuchungen auf eine HIV-Infektion jedoch zur routinemäßigen Blutuntersuchung gehören, vor allem im Zusammenhang mit der Blutspende, werden viele Fälle während der Latenzzeit erkannt.
Im Laufe der Latenzzeit sinkt die Anzahl CD4-positiver Lymphozyten ab, bis sich schließlich eine Immunschwäche einstellt, die lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann. In der Praxis zeigt sich die Immundefizienz in Form von rekurrenten Infektionen mit opportunistischen Pathogenen und in der Tendenz zur systemischen Ausbreitung von Krankheitserregern. Darüber hinaus geht eine fortgeschrittene HIV-Infektion mit ausgeprägten Organopathien einher, zu denen die HIV-assoziierte Nephropathie, die HIV-assoziierte Enteropathie zählen. Für eine detaillierte Aufstellung wird der Leser auf ein entsprechendes Review verwiesen [3].
Diagnostik
Die Übertragung des HIV erfolgt in den meisten Fällen während des Geschlechtsverkehrs, seltener bei Kontakt zu Blut und Blutprodukten infizierter Personen. Gefährdete Personengruppen sind daher diejenigen, die intravenös Drogen applizieren oder nicht entsprechend getestete Transfusionen erhalten. Auch die Ansteckung eines Kindes durch die infizierte Mutter ist möglich, sowohl während der Schwangerschaft als auch während der Geburt [4]. In der Anamnese ist daher zu ermitteln, ob das Risiko einer Ansteckung bestand und ob möglicherweise Kontaktpersonen an einer noch nicht diagnostizierten HIV-Infektion leiden.
Der Nachweis einer HIV-Infektion erfolgt vor der Serokonversion (d.h. innerhalb der ersten drei Wochen nach Exposition) in einer Polymerase-Kettenreaktion, mit deren Hilfe HIV-spezifische Nukleinsäuren detektiert werden können. Weiterhin können bereits in frühen Stadien der Infektion Immunoassays realisiert werden, um das HIV-eigene p24-Antigen im Blut des Patienten zu erkennen. Nach erfolgter Serokonversion werden serologische Verfahren wie ELISA und Western Blot angewandt, um auf die Präsenz von Antikörpern gegen das HIV zu testen [5] [6]. Es wird grundsätzlich auf beide Subtypen untersucht, auch wenn die überwiegende Mehrzahl der Fälle durch HIV-1 verursacht wird.
Wichtigster Parameter zur Einschätzung des Schweregrades der Immundefizienz ist die Bestimmung der Anzahl CD4-positiver Lymphozyten im peripheren Blut. Der Referenzwert liegt bei 500-1500 CD4-positiven Lymphozyten je µl, niedrigere Werte implizieren eine Immunschwäche. Weniger als 200 CD4-positive Lymphozyten pro µl rechtfertigen die Diagnose "erworbenes Immundefektsyndrom/AIDS". Das gilt übrigens auch unabhängig von der Anzahl CD4-positiver Lymphozyten, wenn Komplikationen wie eine Pneumocystis jirovecii-Infektion, Kryptokokkenmeningitis, eine zerebrale Toxoplasmose, Malignitäten wie das Kaposi-Sarkom oder andere, AIDS-definierende Befunde festgestellt werden [7].
Therapie
Die Behandlung der HIV-Infektion erfolgt durch antiretrovirale Therapie (ART), die das Virus unterdrückt und das Immunsystem stärkt. ART besteht aus einer Kombination von Medikamenten, die täglich eingenommen werden müssen. Eine frühzeitige und konsequente Behandlung kann die Viruslast im Blut auf ein nicht nachweisbares Niveau senken und die Lebensqualität erheblich verbessern.
Prognose
Dank moderner Behandlungen haben Menschen mit HIV heute eine nahezu normale Lebenserwartung, sofern die Infektion frühzeitig erkannt und behandelt wird. Eine konsequente Therapie kann die Viruslast unterdrücken und die Ausbreitung des Virus verhindern. Ohne Behandlung kann HIV jedoch zu AIDS fortschreiten, was die Lebenserwartung erheblich verkürzt.
Ätiologie
HIV wird hauptsächlich durch ungeschützten Geschlechtsverkehr, den Austausch von Spritzen oder Nadeln und von Mutter zu Kind während der Geburt oder Stillzeit übertragen. Das Virus infiziert und zerstört CD4-Zellen, eine Art von weißen Blutkörperchen, die für die Immunabwehr entscheidend sind.
Epidemiologie
HIV ist weltweit verbreitet, wobei die höchste Prävalenz in Subsahara-Afrika zu verzeichnen ist. In Deutschland leben schätzungsweise 90.000 Menschen mit HIV. Dank Präventionsmaßnahmen und verbesserter Behandlungsmöglichkeiten ist die Zahl der Neuinfektionen in vielen Regionen rückläufig.
Pathophysiologie
HIV infiziert CD4-Zellen und nutzt diese zur Vermehrung. Dabei werden die infizierten Zellen zerstört, was zu einer Schwächung des Immunsystems führt. Ohne Behandlung nimmt die Zahl der CD4-Zellen ab, was das Risiko für opportunistische Infektionen und bestimmte Krebsarten erhöht.
Prävention
Präventionsmaßnahmen umfassen Safer Sex, die Verwendung von Kondomen, den Einsatz von Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) für Risikogruppen und die Vermeidung des Teilens von Nadeln. Schwangere Frauen mit HIV sollten eine antiretrovirale Therapie erhalten, um die Übertragung auf das Kind zu verhindern.
Zusammenfassung
Die HIV-Infektion ist eine ernsthafte, aber behandelbare Erkrankung. Eine frühzeitige Diagnose und konsequente Behandlung sind entscheidend, um die Lebensqualität zu erhalten und die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Präventionsmaßnahmen spielen eine wichtige Rolle bei der Reduzierung der Infektionsrate.
Patientenhinweise
Wenn Sie vermuten, dass Sie einem Risiko für eine HIV-Infektion ausgesetzt sind, sollten Sie sich testen lassen. Eine frühzeitige Diagnose ermöglicht eine rechtzeitige Behandlung, die das Fortschreiten der Krankheit verhindern kann. Informieren Sie sich über Präventionsmaßnahmen und sprechen Sie mit Ihrem Arzt über mögliche Schutzmaßnahmen.
Quellen
- Pfisterer D, Georgi A, Gunthard H. [Acute HIV infection]. Praxis (Bern 1994). 2014; 103(5):247-251; quiz 252-243.
- Braun DL, Nemeth J, Gunthard HF. [Don't miss the primary HIV-infection]. Ther Umsch. 2014; 71(8):469-474.
- Chu C, Selwyn PA. Complications of HIV infection: a systems-based approach. Am Fam Physician. 2011; 83(4):395-406.
- Nadal D, Arlettaz R, Berger C. [Vertical HIV infection is preventable but remains challenging]. Ther Umsch. 2014; 71(8):503-508.
- WHO Guidelines Approved by the Guidelines Review Committee. WHO Recommendations on the Diagnosis of HIV Infection in Infants and Children. Geneva: World Health Organization; 2016.
- Fearon M. The laboratory diagnosis of HIV infections. Can J Infect Dis Med Microbiol. 2005; 16(1):26-30.
- Bolduc P, Roder N, Colgate E, Cheeseman SH. Care of Patients With HIV Infection: Medical Complications and Comorbidities. FP Essent. 2016; 443:16-22.