Edit concept Question Editor Create issue ticket

Homozygote familiäre Hypercholesterinämie

Die familiäre Hypercholesterinämie wird auch als Hyperlipoproteinämie Typ 2 bezeichnet und autosomal-dominant vererbt. Die zugrunde liegenden Mutationen stören die vom LDL-Rezeptor vermittelte Aufnahme von Cholesterin. Betroffene mögen heterozygot oder homozygot für derartige Mutationen sein, wobei die Zygotie die Schwere der Erkrankung maßgeblich beeinflusst. Die homozygote familiäre Hypercholesterinämie (HoFH) ist die schwerwiegendere, aber seltenere Variante dieser Stoffwechselstörung. Im Rahmen einer deutlich verminderten Aufnahme von Lipoproteinen niederer Dichte (LDL) aus dem Kreislauf kommt es zu einer Akkumulation derselben und einer überhöhten Produktion von Cholesterin, das schließlich in atherosklerotischen Plaques an den Gefäßwänden abgelagert wird. HoFH-Patienten entwickeln daher bereits im jungen Alter lebensbedrohliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Homozygote familiäre Hypercholesterinämie - Symptome abklären

Anzeige Homozygote familiäre Hypercholesterinämie - Mit dem Online-Test von Symptoma jetzt mögliche Ursachen abklären

Symptome

Koronare Herzerkrankung und Myokardinfarkt als Folgeerkrankungen einer hochgradigen, progredienten Atherosklerose treten bei Patienten mit HoFH bereits in Kindheit und Jugend auf [1] [2] [3]. Entsprechend werden die Patienten mit Angina pectoris, d. h. mit stechenden Schmerzen in der Brust, Schweißausbrüchen und Erstickungsangst, in die Notaufnahme eingeliefert, oder es kommt zum plötzlichen Tod, bevor helfend eingegriffen werden kann [2]. Auskultation und bildgebende Diagnostik erlauben oft auch die Diagnose einer hochgradigen Aortenstenose. Bei HoFH-Patienten werden zudem regelmäßig eine Stenose der Arteria carotis und/oder eine periphere Angiopathie festgestellt. Bezüglich eines möglicherweise erhöhten Risikos auf zerebrale Infarkte in jungem Alter liegen widersprüchliche Ergebnisse vor, wobei die geringe Inzidenz der HoFH kaum spezifische Rückschlüsse aus gemischten Studien zulässt, in denen auch heterozygote Patienten beurteilt werden [4] [5].

Ein wichtiger Hinweis auf einen chronisch erhöhten Cholesterinspiegel ist die Bildung von Xanthomen, die der Herz-Kreislauf-Symptomatik vorausgehen kann. Kutane Xanthome sind über die umgebende Haut erhaben und von gelb-orangener Farbe. Sie bilden sich primär an den Extremitäten und an den Lidern. Xanthome, die im Bereich von Sehnen entstehen, fallen als Umfangsvermehrungen auf und können zu einer eingeschränkten Mobilität der jeweiligen Gelenke führen. Besonders häufig treten Sehnenxanthome an der Achillessehne und an den Fingerstrecksehnen auf, wo sie als pathognomonisch für die familiäre Hypercholesterinämie gelten [6]. Ein bilateraler Arcus senilis corneae, der als graublauer Ring nahe der Iris imponiert, ist ebenfalls charakteristisch für die HoFH und resultiert aus der Ablagerung cholesterinreichen Materials im Auge [7].

Schlaganfall
  • Die Konsequenzen einer generalisierten Arteriosklerose sind neben koronarer Herzkrankheit und Schlaganfall chronische arterielle Durchblutungs-störungen, die auch Muskeln und Organe schwer schädigen können.[aoporphan.at]
  • Das Vorliegen einer Homozygoten Familiären Hypercholesterinämie ist wahrscheinlich, wenn folgende Kriterien zutreffen: Familiäre Häufung von durch Gefäßleiden verursachten Krankheiten, wie Herzinfarkt, Schlaganfall in jungen Jahren.[aoporphan.at]
  • Wenn gehirnversorgende Gefäße davon betroffen sind, können diese Engpässe ein Ereignis wie einen Schlaganfall nach sich ziehen. Außerdem können abgelöste Teile der Ablagerungen kleinstverzweigte Blutgefäße komplett verschließen.[cholesterin-neu-verstehen.de]
  • B. ein Herzinfarkt oder Schlaganfall sein. 2 Ihr Blut liefert konkrete Hinweise auf familiär erhöhtes LDL-Cholesterin Mediziner können Hinweise für die Familiäre Hypercholesterinämie in der Krankengeschichte der nahen Verwandten finden.[cholesterin-neu-verstehen.de]
  • Sind Arterien im Gehirn betroffen, führt das zu einer Unterversorgung mit Blut und Sauerstoff, was einen Schlaganfall zur Folge haben kann.[fhchol.at]
Koronare Herzkrankheit
  • Die Konsequenzen einer generalisierten Arteriosklerose sind neben koronarer Herzkrankheit und Schlaganfall chronische arterielle Durchblutungs-störungen, die auch Muskeln und Organe schwer schädigen können.[aoporphan.at]
  • […] glatten Muskelzellen Granulozyten Gruppen Heart Heparin Herzinfarkt Hirudin hohen human hypertension Hypertonie Iloprost Inkubation Institut für Arterioskleroseforschung intimalen Jahren jeweils klinischen Kollagen Typ konnte Kontrolle Konzentrationen koronaren[books.google.de]
  • Die koronare Herzkrankheit manifestiert sich häufig schon im ersten Lebensjahrzehnt, vereinzelt können Herzinfarkte bereits im zweiten Lebensjahr auftreten, etwa die Hälfte der Homozygoten erleidet vor Erreichen des 40.[dach-praevention.eu]
  • Diese Vorgehensweise ist außerdem eine geeignete Therapie für progressive Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie koronare Herzkrankheit, periphere arterielle Verschlusskrankheit und zerebrovaskuläre Erkrankung.[kanekapharma.com]
  • Bei Vorliegen einer koronaren Herzkrankheit mit Engen 50%, nach stattgefundenem Herzinfarkt und/oder nach Gefäßerweiterung und LDL-Cholesterinwerten über 130 mg/dl trotz maximaler Therapie (d. h.[nierenklinik-rheinerft.de]
Xanthom
  • Xanthome Bedingt durch den hohen Cholesterinspiegel können sich Cholesterinablagerungen auch in Haut und Sehnen bilden - Xanthome. Haut-Xanthome (kutane Xanthome): besonders an den Augenlidern und den Zwischenfingerfalten.[aoporphan.at]
  • Besonders häufig treten Sehnen-Xanthome an der Achillessehne und an den Fingerstrecksehnen auf.[symptoma.com]
  • HeFH Nachweis bei beiden Elternteilen Gesamtcholesterin: 17 bis 26 mmol/l (unbehandelt 650 bis 1000 mg/dl) LDL-Cholesterin: 13 mmol/l (unbehandelt 500 mg/dl) Cholesterinablagerungen (Xanthome) in der Haut oder in den Sehnen vor dem vollendeten 10.[aoporphan.at]
  • Ein wichtiger Hinweis auf einen chronisch erhöhten Cholesterinspiegel ist die Bildung von Xanthomen, die der Herz-Kreislauf-Symptomatik vorausgehen kann. Kutane Xanthome sind über die umgebende Haut erhaben und von gelb-orangener Farbe.[symptoma.de]
Arcus senilis
  • Darüber hinaus sind Sehnenxanthome, tuberöse Xanthome, Xanthelasmen und ein Arcus senilis corneae typisch für diese Erkrankung.[symptoma.de]

Diagnostik

Die familiäre Hypercholesterinämie wird autosomal dominant vererbt und ein homozygoter Patient hat von beiden Elternteilen defekte Allele geerbt. Die familiäre Anamnese bildet damit die Basis der Diagnose. Auch wenn die Krankheit bei Heterozygotie milder verläuft, lassen sich in der Regel Hinweise auf Xanthomatose oder vorzeitige Herz-Kreislauf-Leiden einholen. Ist das nicht der Fall - weil über die Eltern nur wenig bekannt ist oder diese noch keine klinischen Symptome entwickelt haben - ist die Verdachtsdiagnose auf familiäre Hypercholesterinämie nach Auswertung eines Lipidprofils zu stellen. Im Rahmen von Verlaufsuntersuchungen sollte wiederholt Blut entnommen werden, um folgende therapeutisch und prognostisch relevante Parameter zu messen [5] [8] [9]:

  • Gesamtcholesterin (bei HoFH hochgradig erhöht, vor Einleitung der Therapie meist >17 mmol/l)
  • LDL (im Vergleich zu gesunden Verwandten etwa vierfach erhöht, oft >13 mmol/l)
  • HDL (im Referenzbereich oder vermindert)
  • Triglyceride (im Referenzbereich oder erhöht)

Es sei darauf hingewiesen, dass die heranzuziehenden Referenzbereiche vom Alter des Patienten und seiner familiären Vorgeschichte abhängen [10].

Ein funktioneller Nachweis des Lipoprotein-Rezeptor-Defekts kann erbracht werden, indem gezeigt wird, dass aus Biopsieproben angezüchtete Fibroblasten Lipoproteine nur unzureichend binden, aufnehmen und abbauen [7]. Heute aber erfolgt die Bestätigung der Diagnose in aller Regel über genetische Analysen, die gleichzeitig die Identifikation des kausalen Gendefekts ermöglichen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich eine HoFH sowohl bei Homozygotie als auch bei komplexer Heterozygotie entwickeln kann [11]. Das Wissen um die zugrunde liegende Mutation erleichtert die sich anschließende familiäre Aufarbeitung des Falles.

Zur besseren Einschätzung des Erkrankungsstadiums wird die Durchführung von Elektrokardiographie und Echokardiographie empfohlen, die in regelmäßigen Abständen auch zu wiederholen ist.

Hypercholesterinämie
  • Eine frühe Diagnosestellung der Homozygoten Familiären Hypercholesterinämie ist besonders wichtig, da durch früh einsetzende therapeutische Maßnahmen das Risiko für Folgeerkrankungen reduziert werden kann.[aoporphan.at]
  • Homozygote Familiäre Hypercholesterinämie Bei der äußerst seltenen homozygoten Form der Familiären Hypercholesterinämie (HoFH) wird die Mutation der LDL (Low Density Lipoproteine)- Rezeptoren von beiden Elternteilen vererbt.[aoporphan.at]
  • Die HoFH ist die schwerere Form der familiären Hypercholesterinämie, die sowohl den autosomal-dominanten Hypercholesterinämien als auch den primären Hyperlipidämien zugeordnet wird.[symptoma.de]
  • Die familiäre Hypercholesterinämie wird autosomal dominant vererbt und ein homozygoter Patient hat daher von beiden Elternteilen ein defektes Allel geerbt.[symptoma.com]
LDL-Cholesterin erhöht
  • Auch bei schlanken Patienten, die sich gesund ernähren, ist das LDL-Cholesterin erhöht.[diabetes-news.de]
Cholesterin erhöht
  • Auch bei schlanken Patienten, die sich gesund ernähren, ist das LDL-Cholesterin erhöht.[diabetes-news.de]

Therapie

Generell sollte die Behandlung so früh wie möglich erfolgen, um ein Fortschreiten der anfänglich symptomlosen atherosklerotischen Umbauten zu verhindern. Dabei bedarf die HoFH eines multimodalen Behandlungsansatzes, weil sich der LDL-Spiegel selbst bei Kombination verschiedener Wirkstoffe und Therapieverfahren nur schwer auf die angestrebten Werte senken lässt. Santos et al. schlagen vor, den Patienten zunächst mit hochdosierten Statinen plus Ezetimib zu behandeln und sein Ansprechen auf diese Therapie zu evaluieren. Sollte die LDL-Konzentration nicht auf <50 % der Ausgangswerte bzw. den angestrebten Wert sinken, muss die Verabreichung eines dritten oder gar vierten Pharmakons in Betracht gezogen werden. Dazu kommen Gallensäurebinder, die PCSK9-Inhibitoren Alirocumab und Evolocumab sowie Nikotinsäure, aber auch Mipomersen and Lomitapid infrage [12] [13]. Darüber hinaus kann die Entfernung von LDL aus dem Blut durch eine wöchentliche oder zweiwöchentliche Lipoproteinapherese unterstützt werden [12]. Während einer Schwangerschaft wird die Lipoproteinapherese gar zum Fundament der HoFH-Therapie, weil Statine kontraindiziert sind [14].

Allerdings sind nicht alle genannten Wirkstoffe universell verfügbar und einige von ihnen sind sehr teuer. Das betrifft insbesondere Mipomersen and Lomitapid, die zudem eine Reihe von unerwünschten Arzneimittelwirkungen hervorrufen können, die die Compliance der Patienten beeinträchtigen mögen [15]. Eine Alternative besteht in einer Lebertransplantation: Mittels dieser Maßnahme lässt sich der hypercholesterinämische Phänotyp vollständig korrigieren. Der Lebertransplantation entgegen sprechen die mit ihr verbundenen Risiken einschließlich der Notwendigkeit einer langfristigen Immunsuppression. Bei Patienten mit fortgeschrittener Atherosklerose ist zudem zu überlegen, ob eine Lebertransplantation ausreichend ist oder mit einer Herztransplantation kombiniert werden sollte [9].

Auf den Erkenntnissen zu einer Heilung durch Lebertransplantation aufbauend wurde in jüngster Zeit an neuen Therapieansätzen geforscht, beispielsweise am gerichteten Gentransfer in die Leber. In klinischen Studien wird momentan getestet, ob unter Verwendung eines adeno-assoziierte Virusvektors der funktionelle Ersatz defekter LDL-Rezeptoren in der Leber möglich ist [16].

Prognose

Die HoFH sollte nach Möglichkeit noch vor der Manifestation klinischer Symptome diagnostiziert werden, im Idealfall bereits pränatal [17]. Dann ist es eher möglich, den LDL-Spiegel auf einem niedrigeren Level zu halten und atherosklerotische Umbauvorgänge hinauszuzögern. Allerdings besteht auch bei Ergreifen aller möglicher Maßnahmen nach wie vor ein erhöhtes Risiko auf kardiovaskuläre Komplikationen wie Aortenstenose, koronare Herzerkrankung und Myokardinfarkt. Dieses Risiko steigt weiter, wenn der Patient raucht, den Empfehlungen bezüglich seiner Ernährung nicht folgt, einen sesshaften Lebensstil pflegt, oder durch weitere Konditionen zur Atherosklerose prädisponiert wird [12]. Die Lebenserwartung eines HoFH-Patienten liegt deshalb deutlich unter der der Allgemeinbevölkerung und nicht wenige Patienten versterben, bevor sie das 30. Lebensjahr erreichen [5]. An anderer Stelle wird die Lebenserwartung dieser Menschen mit >50 Jahren angegeben [18].

Ätiologie

Die familiäre Hypercholesterinämie wird durch Mutationen im LDLR-Gen verursacht. Dieses liegt auf dem kurzen Arm von Chromosom 19 und codiert für den LDL-Rezeptor, der die Aufnahme von LDL ins Zellinnere vermittelt. Der Funktionszyklus des LDL-Rezeptors umfasst die Bindung von LDL, die Bildung und Internalisierung von endozytotischen Vesikeln, die Lösung von diesen Vesikeln und die Rückkehr an die Zelloberfläche. Jede einzelne dieser Phasen mag beim HoFH-Patienten gestört sein, weshalb pathogene LDLR-Mutationen wie folgt klassifiziert werden [11] [19]:

  • Defizite im interzellulären Transport
  • Defizite in der Ligandenbindung
  • Defiziente Internalisierung
  • Defizientes Recycling
  • Nullmutationen, bei denen keinerlei Protein zu detektieren ist

Bis heute wurden mehr als 1200 Mutationen des LDL-Rezeptors beschrieben, wobei diese mit einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Restaktivität des LDL-Rezeptors verbunden sind [20]. Diese wiederum korreliert mit der Schwere der Erkrankung. Generell lässt sich sagen, dass Homozygotie für Nullmutationen mit einem besonders schweren Phänotyp einhergeht, dass komplexe Heterozygotie aus einer Nullmutation und einem anderen Gendefekt weniger schwer wiegt, und dass eine HoFH mit Rezeptordefiziten ohne Nullmutation noch etwas milder verläuft [12]. Darüber hinaus scheinen sich zusätzliche genetische Faktoren und Umwelteinflüsse wesentlich auf den Phänotyp auszuwirken und es sind weitere Untersuchungen anzustellen, um zu klären, wie diese mit dem LDL-Rezeptor interagieren.

Epidemiologie

Die Prävalenz der HoFH wurde lange Zeit mit 1/1.000.000 angegeben; neueren Daten zufolge könnte sie jedoch bei bis zu 1/300.000 liegen [15]. Gründereffekte sind dafür verantwortlich, dass die Krankheit bei Finnen, ashkenasischen Juden litauischer Abstammung, libanesischen Christen, Drusen, Frankokanadiern und südafrikanischen Buren häufiger vorkommt als bei anderen Ethnien [19]. Männer und Frauen sind gleich häufig betroffen.

Geschlechtsverteilung
Altersverteilung

Pathophysiologie

LDL bestehen aus Apolipoprotein B-100 und weiteren Proteinen, aus Triglyzeriden, Phospholipiden, Cholesterylestern und freiem Cholesterin. Sie sind die Überbleibsel von Lipoproteinen sehr niedriger Dichte (VLDL), die Triglyzeride in die Peripherie getragen haben, wo sie zur Energiegewinnung verwendet werden. Beim Übergang von VLDL in LDL erhöht sich deshalb deren relativer Gehalt an Cholesterylestern und freiem Cholesterin. Zellen, die auf diese Fette angewiesen sind, verstärken ihre Expression von LDL-Rezeptoren, mittels derer sie zirkulierendes LDL binden und aufnehmen können. Tatsächlich sind es die Hepatozyten, die den größten Anteil der LDL aus dem Kreislauf entfernen. Nach ihrer Aufnahme in die Zellen werden LDL abgebaut: Der Proteinanteil wird im Lysosom degradiert, die Ester hydrolysiert und Cholesterin zur Hemmung der 3-Hydroxy-3-Methylglutaryl-Coenzym-A-Reduktase (HMG-CoA-Reduktase) bereitgestellt. Die HMG-CoA-Reduktase ist das geschwindigkeitsbestimmende Enzym der Cholesterinsynthese.

Bei Patienten, die LDLR-Mutationen tragen, die mit einem Funktionsverlust einhergehen, ist die Beseitigung von LDL aus dem Kreislauf wesentlich gestört. Der im vorigen Abschnitt beschriebene Regulationsmechanismus ist damit außer Kraft gesetzt und die HMG-CoA-Reduktase stellt ungehemmt Mevalonat zur Cholesterinsynthese bereit. Beide Umstände tragen zu einem Anstieg des Blutspiegels an LDL bei [11]. Überschüssige Lipide werden schließlich in der Kornea, der Haut, in Sehnen und Arterien abgelagert. Die Akkumulation von Schaumzellen in der Intima der Arterien mag innerhalb kürzester Zeit eine okklusive Atherosklerose hervorrufen, die Bildung von Plaques, Stenosen der Koronarergefäße und schließlich einen Myokardinfarkt [21].

Prävention

Nach Diagnose einer familiären Hypercholesterinämie - in ihrer homozygoten oder heterozygoten Form - sollte grundsätzlich eine familiäre Aufarbeitung erfolgen. Träger pathogener LDLR-Varianten sind zu identifizieren und entsprechend ihrer individuellen Bedürfnisse zu behandeln. Darüber hinaus sollten sie genetisch beraten werden, was die Risiken einer Weitergabe des defekten Gens an die nachfolgende Generation betrifft. Sind beide Eltern eines ungeborenen Kindes von familiärer Hypercholesterinämie betroffen, wird die Genotypisierung des Kindes im Rahmen der Pränataldiagnostik unbedingt empfohlen.

Zusammenfassung

Die HoFH ist die schwerere Form der familiären Hypercholesterinämie, die sowohl den autosomal-dominanten Hypercholesterinämien als auch den primären Hyperlipidämien zugeordnet wird. Die familiäre Hypercholesterinämie wird auch als Hyperlipoproteinämie Typ 2 bezeichnet und ist geprägt durch hohe Spiegel von Gesamtcholesterin und LDL, bei Triglyzeridkonzentrationen im Referenzbereich. Während der überwiegenden Mehrzahl der Fälle eine Heterozygotie für Mutationen des LDLR-Gens zugrunde liegt, ist die Homozygotie bzw. komplexe Heterozygotie für derartige Gendefekte selten. Sie ist mit einer besonders starken Neigung zur Atherosklerose verbunden, sodass sich schon beim Kind schwerwiegende kardiovaskuläre Erkrankungen entwickeln mögen, die gar zum plötzlichen Herztod führen können. Dank der Etablierung neuer Therapieverfahren konnte die Lebenserwartung Betroffener inzwischen auf über 50 Jahre angehoben werden und es bleibt zu hoffen, dass momentan erforschte Ansätze diese positive Entwicklung weiter verstärken [13] [16] [18].

Patientenhinweise

Die homozygote familiäre Hypercholesterinämie (HoFH) ist eine seltene genetische Erkrankung. Es wird geschätzt, dass 1 von 1.000.000 Einwohnern betroffen ist. Es handelt sich hierbei um eine angeborene Störung des Cholesterinstoffwechsels, die durch die Vererbung defekter Kopien des LDLR-Gens seitens beider Elternteile hervorgerufen wird. Das bedeutet gleichzeitig, dass Mutter und Vater des Patienten Träger solcher Mutationen sein und daher ebenfalls an familiärer Hypercholesterinämie leiden müssen. Sollten sie im Gegensatz zum HoFH-Patienten jedoch über eine weitere, intakte Kopie des Gens verfügen, treten die Symptome verzögert auf und die Krankheit verläuft milder.

Nicht so im Fall einer HoFH. Diese Patienten haben eine extrem starke Neigung zur Atherosklerose und mögen schon in Kindheit und Jugend schwerwiegende kardiovaskuläre Komplikationen entwickeln, die zu Aortenstenose, koronarer Herzerkrankung und Myokardinfarkt führen können. Darüber hinaus sind Sehnenxanthome, tuberöse Xanthome, Xanthelasmen und ein Arcus senilis corneae typisch für diese Erkrankung. Sie entsprechen Ablagerungen cholesterinreichen Materials, das aufgrund des Defekts im LDLR-Gen nicht aus dem Kreislauf entfernt werden kann. Konkret sind beim HoFH-Patienten die Spiegel an Gesamtcholesterin und LDL, das im Volksmund auch "schlechtes Cholesterin" genannt wird, erhöht.

Die Diagnose der HoFH kann auf Basis klinischer Befunde, der Ergebnisse von Blutuntersuchungen und genetischer Tests gestellt werden. Da die Erkrankung progressiv verläuft, ist es essenziell, dass sie so früh wie möglich erkannt und behandelt wird. Im Idealfall ist bekannt, dass die Eltern eines ungeborenen Kindes Träger von LDLR-Mutationen sind, und der Genotyp des Babys wird noch vor der Geburt bestimmt. Die HoFH erfordert eine lebenslange, intensive Therapie, die auf der Einnahme cholesterinsenkender Mittel und der physikalischen Entfernung von LDL aus dem Blut beruht. Sie zielt auf eine langfristige Reduktion der Cholesterinlast ab und hilft, die Lebenserwartung Betroffener zu erhöhen. Heute beträgt diese etwas mehr als 50 Jahre.

Quellen

Artikel

  1. Nemati MH, Astaneh B, Joubeh A. Triple coronary artery bypass graft in a 10-year-old child with familial hypercholesterolemia. Gen Thorac Cardiovasc Surg. 2009; 57(2):94-97.
  2. Widhalm K, Binder CB, Kreissl A, et al. Sudden death in a 4-year-old boy: a near-complete occlusion of the coronary artery caused by an aggressive low-density lipoprotein receptor mutation (W556R) in homozygous familial hypercholesterolemia. J Pediatr. 2011; 158(1):167.
  3. Wu NQ, Guo YL, Xu RX, et al. Acute myocardial infarction in an 8-year old male child with homozygous familiar hypercholesterolemia: laboratory findings and response to lipid-lowering drugs. Clin Lab. 2013; 59(7-8):901-907.
  4. Hutter CM, Austin MA, Humphries SE. Familial hypercholesterolemia, peripheral arterial disease, and stroke: a HuGE minireview. Am J Epidemiol. 2004; 160(5):430-435.
  5. Walzer S, Travers K, Rieder S, Erazo-Fischer E, Matusiewicz D. Homozygous familial hypercholesterolemia (HoFH) in Germany: an epidemiological survey. Clinicoecon Outcomes Res. 2013; 5:189-192.
  6. Vogt A, Keller C, Heigl C, Weiss N, Zollner N. [Two forms of familial hypercholesterolemia: differences in cardiovascular risk factors, cardiac and extracardiac atherosclerosis]. Dtsch Med Wochenschr. 2014; 139(50):2573-2577.
  7. Nauck MS, Scharnagl H, Nissen H, et al. FH-Freiburg: a novel missense mutation (C317Y) in growth factor repeat A of the low density lipoprotein receptor gene in a German patient with homozygous familial hypercholesterolemia. Atherosclerosis. 2000; 151(2):525-534.
  8. Alonso R, Diaz-Diaz JL, Arrieta F, et al. Clinical and molecular characteristics of homozygous familial hypercholesterolemia patients: Insights from SAFEHEART registry. J Clin Lipidol. 2016; 10(4):953-961.
  9. Cuchel M, Bruckert E, Ginsberg HN, et al. Homozygous familial hypercholesterolaemia: new insights and guidance for clinicians to improve detection and clinical management. A position paper from the Consensus Panel on Familial Hypercholesterolaemia of the European Atherosclerosis Society. Eur Heart J. 2014; 35(32):2146-2157.
  10. Austin MA, Hutter CM, Zimmern RL, Humphries SE. Genetic causes of monogenic heterozygous familial hypercholesterolemia: a HuGE prevalence review. Am J Epidemiol. 2004; 160(5):407-42
  11. Soutar AK, Naoumova RP. Mechanisms of disease: genetic causes of familial hypercholesterolemia. Nat Clin Pract Cardiovasc Med. 2007; 4(4):214-225.
  12. Santos RD, Gidding SS, Hegele RA, et al. Defining severe familial hypercholesterolaemia and the implications for clinical management: a consensus statement from the International Atherosclerosis Society Severe Familial Hypercholesterolemia Panel. Lancet Diabetes Endocrinol. 2016; 4(10):850-861.
  13. Giammanco A, Cefalù AB, Noto D, Averna MR. Therapeutic options for homozygous familial hypercholesterolemia: the role of Lomitapide. Curr Med Chem. 2019.
  14. Blaha M, Lanska M, Blaha V, Boudys L, Zak P. Pregnancy in homozygous familial hypercholesterolemia--Importance of LDL-apheresis. Atheroscler Suppl. 2015; 18:134-139.
  15. Gossios T, Zografou I, Simoulidou V, Pirpassopoulou A, Christou K, Karagiannis A. Multimodal Treatment of Homozygous Familial Hypercholesterolemia. Curr Pharm Des. 2018; 24(31):3616-3621.
  16. Ajufo E, Cuchel M. Recent Developments in Gene Therapy for Homozygous Familial Hypercholesterolemia. Curr Atheroscler Rep. 2016; 18(5):22.
  17. Besseling J, Sjouke B, Kastelein JJ. Screening and treatment of familial hypercholesterolemia - Lessons from the past and opportunities for the future (based on the Anitschkow Lecture 2014). Atherosclerosis. 2015; 241(2):597-606.
  18. Leipold R, Raal F, Ishak J, Hovingh K, Phillips H. The effect of lomitapide on cardiovascular outcome measures in homozygous familial hypercholesterolemia: A modelling analysis. Eur J Prev Cardiol. 2017; 24(17):1843-1850.
  19. De Castro-Orós I, Pocoví M, Civeira F. The genetic basis of familial hypercholesterolemia: inheritance, linkage, and mutations. Appl Clin Genet. 2010; 3:53-64.
  20. Nordestgaard BG, Chapman MJ, Humphries SE, et al. Familial hypercholesterolaemia is underdiagnosed and undertreated in the general population: guidance for clinicians to prevent coronary heart disease: consensus statement of the European Atherosclerosis Society. Eur Heart J. 2013; 34(45):3478-3490a.
  21. Rahalkar AR, Hegele RA. Monogenic pediatric dyslipidemias: classification, genetics and clinical spectrum. Mol Genet Metab. 2008; 93(3):282-294.

Frage stellen

5000 Zeichen übrig Text Formatierung mit: # Überschrift, **fett**, _kursiv_. Kein HTML Code.
Mit dem Abschicken der Frage stimmen Sie den AGB und der Datenschutzerklärung zu.
• Verwenden Sie einen aussagekräftigen Titel für Ihre Frage.
• Fragen Sie präzise und führen Sie Alter, Geschlecht, Symptome, Art und Dauer einer Behandlung an.
• Respektieren Sie Ihre Privatsphäre und jene Anderer und geben Sie niemals volle Namen oder Kontaktinformationen ein.
• Unpassende Fragen werden gelöscht.
• In dringenden Fällen suchen Sie einen Arzt oder ein Krankenhaus auf oder wählen den Notruf!
Zuletzt aktualisiert: 2019-07-11 19:33