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Hypercholesterinämie
Hoher Cholesterinspiegel
Die Hypercholesterinämie (HC) bezeichnet einen erhöhten Cholesterinspiegel im Blut. Man unterscheidet zwischen primärer (familiärer) und sekundärer HC.

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WIKIDATA, Public Domain
WIKIDATA, CC BY-SA 3.0
WIKIDATA, CC BY-SA 3.0

Symptome

Im Anfangsstadium ist die Hypercholesterinämie (HC) zumeist asymptomatisch. Wenn HC jedoch über längere Zeit unentdeckt und unbehandelt bleibt, können betroffene Patienten Atherosklerose entwickeln. Plaquebildung und Arterienverengungen sind weitere Schlüsselsymptome; bei anhaltender fehlender ärztlicher Behandlung können Patienten aufgrund dieser pathologischen Veränderungen Myokardinfarkte oder zerebrale Insulte durch die eingeschränkte Blutversorgung des Herzens oder Gehirns erleiden. Familiäre HC kann unter Umständen über eindeutige Symptome wie Xanthome, Arcus senilis (Gerontoxon) und Xanthelasma palpebrarum erkannt werden [6].

Diagnostik

Ein komplettes Lipidprofil mit dem Ziel einer genauen Messung der Cholesterinwerte hilft bei der Diagnose der HC. Ein Gesamtcholesterinspiegel größer als 240 mg/dl und LDL-Cholesterin zwischen 160 - 189 mg/dl werden als hoch bewertet. Das National Institute of Health empfiehlt einen Gesamtcholesterinwert kleiner als 200 mg/dl. Wenn das Gesamtcholesterin den Wert von 200 mg/dl übersteigt und der HDL-Cholesterinspiegel unter 40 mg/dl liegt, ist die Erstellung eines nüchternen Lipidprofils ratsam.

Therapie

Cholesterinwerte sollten permanent im Normalbereich angesiedelt sein, daher ist die Rückführung der Messwerte in diesen Bereich das Hauptziel. Eine Reduktion der Cholesterinwerte um 1% wurde in Studien mit einer um 2% verminderten Herzerkrankungswahrscheinlichkeit in direkten Zusammenhang gebracht. Die Verminderung der Cholesterinwerte kann über mehrere Methoden erreicht werden, darunter:

  • Medikamente: Statine wie Lovastatin, Rosuvastatin, Pravastatin und Atorvastatin werden zur Senkung der Cholesterinwerte verwendet. Eine Verabreichung dieser Präparate bei schwangeren Frauen ist nicht ratsam. Nikotinsäure wird manchmal zur Senkung des LDL-Cholesterins verwendet [7] [8]. Zusätzlich kann die Verwendung von Cholesterinresorptionshemmern und Fibrinsäurederivaten überlegt werden.
  • Ernährungstherapie: Eine ballaststoffreiche Ernährung angereichert mit weiteren Nährstoffen bei gleichzeitig vermindertem Gehalt an gesättigten Fetten ist für die nachhaltige Senkung des Cholesterinspiegels essentiell. Zusätzlich zu den genannten Ballaststoffen sollte die Therapie β-Glucan, Soja, Omega-3 Fettsäuren, Vitamin C, Coenzyme Q10, α-C-Linolensäure und β-Sitosterol wegen ihrer nachweislich cholesterinsenkenden Wirkung enthalten [9].
  • Manchen Pflanzen und anderen Stoffen wie Flohsamen, Guggul, Knoblauch, Weißdorn, Olivenblattextrakt und auch rote Hefe (Monascus purpureus) wurde auch eine cholesterinsenkende Wirkung nachgewiesen. Weitere Phytotherapien sind derzeit im Fokus der medizinischen Forschung.

Prognose

Die Prognose bei diagnostizierter HC ist positiv, hängt aber stark von der individuellen Ätiologie ab. Bleibt HC über längere Zeit unbehandelt, drohen ernste Komplikationen wie Myokardinfarkt, Schlaganfall und Insulinresistenz [5].

Ätiologie

Ein Zusammenspiel genetischer und umweltbedingter Faktoren macht Patienten für die Entwicklung einer HC anfällig. Ungesunde Essgewohnheiten und Adipositas sind die häufigsten und dominantesten Faktoren, die ein Ansteigen des Cholesterinspiegels über Normalwerte verursachen. Nach gängiger Fachmeinung werden 50% des nicht-veresterten Cholesterins im Darm resorbiert. Dieser Wert variiert jedoch und hängt stark von der Ernährungszusammensetzung ab, die hauptsächlich durch den Ballaststoff- und Phytosterinanteil charakterisiert wird. Manche Fälle entstehen aufgrund genetischer Anomalien. Familiäre HC tritt vorwiegend als polygenetische und monogenetische Erkrankung auf [2].

HC kann auch als Sekundärerkrankung in Erscheinung treten und verschiedene Krankheitsbilder wie Diabetes mellitus Typ 2, Hypertonie, Hypothyreose, nephritisches Syndrom, Cushing-Syndrom und Anorexia nervosa begleiten.

Epidemiologie

Familiäre HC hat eine Prävalenz von 1/500 Personen. Studien haben gezeigt, dass Personen mittleren Alters am häufigsten von HC betroffen sind. Einige wissenschaftliche Versuchsstudien haben ebenfalls gezeigt, dass das Risiko einer HC-Erkrankung mit zunehmendem Alter steigt. Statistische Analysen legen nahe, dass etwa 34 Millionen US-Amerikaner an HC leiden. Frauen und Männer sind von HC gleichermaßen betroffen.

Pathophysiologie

Cholesterin ist in Wasser nicht löslich und benötigt daher für Transporte Lipoproteine. Lipoproteine werden in eine Kategorie mit niedriger Dichte (low-density lipoprotein, LDL) und mit hoher Dichte (high-density lipoprotein, HDL) unterteilt. Beide Formen können Cholesterin transportieren, ein erhöhter LDL-Wert bedingt allerdings ein erhöhtes Erkrankungsrisiko für Herzkranzgefäße und Atherosklerose. Auf der anderen Seite hat HDL-Cholesterin eine schützende Wirkung auf den Körper. Eine Erhöhung des LDL-Werts passiert vorwiegend durch Veränderungen in der Ernährung [3].

Die Ernährung hat bei der Festlegung der Blutcholesterinwerte eine sehr wichtige Rolle. Eine ballaststoffarme Ernährung mit übermäßig vielen gesättigten Fetten führt zu einer Erhöhung des Gesamtcholesterins. Die tägliche Zufuhr von etwa 2 g Phytosterinen über die Ernährung kann laut einer Studie eine deutliche Reduktion der Cholesterinresorption zur Folge haben [4].

Prävention

Regelmäßige Bewegung und eine gesunde, ballaststoffreiche Ernährung mit essentiellen Nährstoffen helfen bei der Erhaltung eines normalen Cholesterinspiegels. Ein gesunder Lebensstil mit moderatem Alkohol- und Tabakkonsum und angepasster sportlicher Aktivität trägt zur Vermeidung von HC erfolgreich bei. Zusätzlich sollten Männer über 35 und Frauen über 45 regelmäßig ihr Lipidprofil überprüfen lassen [10].

Zusammenfassung

Hypercholesterinämie kann das Erkrankungsrisiko für kardiovaskuläre Erkrankungen erhöhen. Wenn hohe Cholesterinkonzentrationen im Vaskularsystem zirkulieren, können diese an den Arterienwänden Plaques ausbilden. Die Formierung und das allmähliche Plaques-Wachstum kann zu einer Arterienverengung führen und als Konsequenz die Versorgung des Herzens, des Gehirns und anderer Organe beeinträchtigen. Ein sekundäres Phänomen dieses Versorgungsengpasses ist eine Klumpenbildung nach einer Plaques-Ablösung, die den Blutfluss blockiert und zerebrale bzw. Myokard-Infarzierungen zur Folge haben kann [1].

Patientenhinweise

  • Definition: Erhöhte Cholesterinwerte über 240 mg/dl werden als Hypercholesterinämie eingestuft. Diese Erkrankung erhöht das Risiko der Ausbildung verschiedener anderer Krankheiten.
  • Ursache: Ungesunde Ernährung, bewegungsarmer Lebensstil und genetische Faktoren haben bei der Ausbildung der Hypercholesterinämie eine bedeutende Rolle. Zusätzlich können Sekundärerkrankungen wie Hypertonie, Diabets, Cushing-Syndrom, Hypothyreose, Anorexia nervosa und Adipositas die weitere Entwicklung von Hypercholesterinämie begünstigen.
  • Symptome: Die Erkrankung ist im Anfangsstadium asymptomatisch. Bei fortschreitender Erkrankung zeigen sich die Symptome der oben genannten Sekundärerkrankungen, die durch die unbehandelten erhöhten Cholesterinwerte manifestieren konnten.
  • Diagnose: Die Durchführung eines kompletten Lipidprofils ist für die Analyse der Lipidwerte notwendig. Übersteigt der Gesamtcholesterinwert 200 mg/dl, sollte ein nüchternes Lipidprofil erstellt werden.
  • Behandlung: Eine nachhaltige Veränderung der Ernährungsgewohnheiten und des Lebensstils sind für die Senkung der Cholesterinwerte stark ratsam. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, werden Statinpräparate zur Cholesterinsenkung verschrieben. Nikotinsäure-Einnahme kann ebenfalls bei der Normalisierung des LDL-Werts helfen.

Quellen

  1. The Lipid Research Clinics Coronary Primary Prevention Trial results. II. The relationship of reduction in incidence of coronary heart disease to cholesterol lowering. JAMA. 1984;251(3):365-374.
  2. Ueda M. Familial hypercholesterolemia. Mol Genet Metab. 2005;86(4):423-426.
  3. National Institute for Health and Clinical Excellence. Lipid modification - Cardiovascular risk assessment and the modification of blood lipids for the primary and secondary prevention of cardiovascular disease. 2008. NICE clinical guideline 67.
    http://www.salforddiabetescare.co.uk/admin/resources/uploaded/NICE%20guidance%20on%20lipids209.pdf - abgerufen am 7. August 2017.
  4. Henkin Y, Shai I, Zuk R, et al. Dietary treatment of hypercholesterolemia: do dietitians do it better? A randomized, controlled trial. Am J Med. 2000;109:549-555.
  5. Ford I, Murray H, Packard CJ, Shepherd J, Macfarlane PW, Cobbe SM. Long-term follow-up of the West of Scotland Coronary Prevention Study. N Engl J Med. 2007; 357:1477-1486.
  6. Sibley C, Stone NJ. Familial hypercholesterolemia: a challenge of diagnosis and therapy. Cleve Clin J Med. 2006;73(1):57-64.
  7. Effects of pravastatin in patients with serum total cholesterol levels from 5.2 to 7.8 mmol/liter (200 to 300 mg/dl) plus two additional atherosclerotic risk factors. The Pravastatin Multinational Study Group for Cardiac Risk Patients. Am J Cardiol. 1993;72:1031-1037.
  8. Ridker PM, Cook NR. Statins: new American guidelines for prevention of cardiovascular disease. Lancet. 2013;382(9907):1762-1765.
  9. Henkin Y, Shai I, Zuk R, et al. Dietary treatment of hypercholesterolemia: do dietitians do it better? A randomized, controlled trial. Am J Med. 2000;109:549-555.
  10. Stefanick ML, Mackey S, Sheehan M, Ellsworth N, Haskell WL, Wood PD. Effects of diet and exercise in men and postmenopausal women with low levels of HDL cholesterol and high levels of LDL cholesterol. N Engl J Med. 1998;339(1):12-20.
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