Symptome
Ein Patient, der mit einer Karzinomatose vorstellig wird, mag seit längerer Zeit bekanntermaßen an einer Malignität gelitten haben oder bisher unauffällig gewesen sein. Außerdem kann es im Rahmen eines Rezidivs zur Karzinomatose kommen. Das klinische Bild gestaltet sich sehr heterogen und hängt im Wesentlichen von der Lokalisation des Primärtumors und der Metastasen ab.
Die Metastasierung erfolgt zumeist hämatogen, lymphogen oder nach direktem Kontakt als sogenannte Abklatschmetastase. Die hämatogene Metastasierung führt besonders häufig zur Bildung von Tochtertumoren in Lunge, Leber, Knochen und Gehirn:
- Lungenmetastasen provozieren Dyspnoe, Husten, Hämoptysis und Schmerzen in der Brust. Wenn mediastinale Strukturen komprimiert werden, kommt es zur Halsvenenstauung und mitunter zur Dysphagie.
- Tumoren, die sich in der Leber entwickeln, können unspezifische Oberbauchbeschwerden hervorrufen, z.B. Schmerzen im Epigastrium, vorzeitige Sättigung und Völlegefühl, aber auch lebertypische Symptome wie einen Ikterus.
- Neoplasien im Skelett äußern sich meist in Form von Knochenschmerzen.
- Raumfordernde Prozesse im Gehirn sind mit Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, unterschiedlichsten neurologischen Defiziten und Krampfanfällen verbunden [1].
Von Malignomen der Bauchhöhle lösen sich regelmäßig Tumorzellen, die mit der Peritonealflüssigkeit an verschiedene Punkte in der Bauchhöhle verschleppt werden und hier Abklatschmetastasen bilden. Die resultiert in einer peritonealen Karzinomatose, die sich in Symptomen wie Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, Aszites und einer Zunahme des Bauchumfangs zeigt.
Nicht alle Karzinomatose-Patienten weisen Metastasen in den genannten Organsystemen auf und viele von ihnen leiden an zusätzlichen Symptomen, die durch Tumoren an weiteren Lokalisationen hervorgerufen werden.
Lokalisationsunabhängig, weil durch die Wirkung von Mediatoren auf entfernte Organe bedingt, sind paraneoplastische Syndrome, wie sie im Zusammenhang mit einer Karzinomatose auftreten können. Paraneoplastische Syndrome können sich vor, mit oder nach jenen Beschwerden manifestieren, die direkt durch die Tumore verursacht werden [2].
Diagnostik
Es stehen verschiedene bildgebende Verfahren zur Verfügung, um die Präsenz von Neoplasien in den verschiedenen Organsystemen zu bestätigen. Je nach klinischem Bild und Zugänglichkeit der betroffenen Organe finden initial zunächst Sonographie und Röntgen Anwendung, zum körperweiten Screening auf Tumore auch Computer- und Magnetresonanztomographie. In Abhängigkeit von der Art des Primärtumors und dessen Metabolismus können markierte Substanzen, sogenannte Tracer, im neoplastischen Gewebe angereichert werden: Dieses Prinzip liegt den nuklearmedizinischen Techniken zugrunde, zum Beispiel der Positronen-Emissions-Tomographie mit Flourdeoxyglukose [3]. Die Kosten und die eingeschränkte Verfügbarkeit der Magnetresonanztomographie und Positronen-Emissions-Tomographie limitieren jedoch nach wie vor ihre Anwendung [4].
Eine pathohistologische und immunhistochemische Charakterisierung der Metastasen erlaubt die Zuordnung derselben zu einem Primärtumor. Es sollte in Betracht gezogen werden, dass die Diagnose Malignom und Karzinomatose nicht notwendigerweise bedeutet, dass die Metastasen der bekannten Neoplasie entstammen. Deshalb ist grundsätzlich die Entnahme mehrerer Gewebeproben zu empfehlen. Um die Beteiligung bestimmter Organsysteme auszuschließen, können zusätzliche Analysen angezeigt sein, beispielsweise die Untersuchung der Zerebrospinalflüssigkeit [5].
Therapie
Die Behandlung der Karzinomatose hängt von der Art und dem Ursprung des Primärtumors ab. Häufig wird eine Kombination aus chirurgischen Eingriffen, Chemotherapie und Strahlentherapie eingesetzt. In einigen Fällen kann eine hypertherme intraperitoneale Chemotherapie (HIPEC) in Betracht gezogen werden, bei der erhitzte Chemotherapeutika direkt in die Bauchhöhle eingebracht werden.
Prognose
Die Prognose bei Karzinomatose ist oft ungünstig, da die Erkrankung in einem fortgeschrittenen Stadium auftritt. Die Überlebensrate hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich des Primärtumors, des Ausmaßes der Ausbreitung und der Reaktion auf die Behandlung. Eine frühzeitige Diagnose und ein individuell angepasstes Therapiekonzept können die Prognose jedoch verbessern.
Ätiologie
Karzinomatose entsteht in der Regel durch die Metastasierung von Tumorzellen aus einem Primärtumor. Häufige Primärtumoren sind Eierstockkrebs, Magenkrebs, Darmkrebs und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Die Tumorzellen breiten sich über das Blut- oder Lymphsystem oder direkt durch das Eindringen in benachbarte Gewebe aus.
Epidemiologie
Die Häufigkeit der Karzinomatose variiert je nach Primärtumor. Sie tritt häufiger bei Krebserkrankungen auf, die eine Neigung zur Ausbreitung in Körperhöhlen haben, wie Eierstock- und Magenkrebs. Die genaue Inzidenz ist schwer zu bestimmen, da sie oft erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert wird.
Pathophysiologie
Die Pathophysiologie der Karzinomatose umfasst die Ablösung von Tumorzellen vom Primärtumor, deren Überleben im Körperkreislauf und die Fähigkeit, sich in neuen Geweben anzusiedeln und zu wachsen. Die Tumorzellen können die normale Funktion der betroffenen Organe stören und zu den charakteristischen Symptomen führen.
Prävention
Da die Karzinomatose meist eine Folge eines fortgeschrittenen Krebsstadiums ist, liegt der Schwerpunkt der Prävention auf der Früherkennung und Behandlung des Primärtumors. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen und ein gesunder Lebensstil können das Risiko für bestimmte Krebsarten verringern.
Zusammenfassung
Karzinomatose ist eine schwerwiegende Erkrankung, die durch die Ausbreitung von Tumorzellen in Körperhöhlen gekennzeichnet ist. Die Diagnose erfolgt durch bildgebende Verfahren und Biopsien, während die Behandlung eine Kombination aus Chirurgie, Chemotherapie und Strahlentherapie umfasst. Eine frühzeitige Erkennung und Behandlung des Primärtumors sind entscheidend für die Prognose.
Patientenhinweise
Patienten mit Karzinomatose sollten eng mit ihrem medizinischen Team zusammenarbeiten, um die bestmögliche Behandlung zu erhalten. Es ist wichtig, alle Symptome und Nebenwirkungen der Behandlung zu melden und regelmäßig an Kontrolluntersuchungen teilzunehmen. Unterstützung durch Selbsthilfegruppen und psychologische Betreuung kann ebenfalls hilfreich sein, um mit der Diagnose und den Herausforderungen der Erkrankung umzugehen.
Quellen
- Cresto N, Barth A, Arnold M, et al. [Extraordinary manifestation of a gastric carcinoma by leptomeningeal carcinomatosis and spinal metastasis]. Med Klin (Munich). 2007; 102(3):255-258.
- Tarin D. Update on clinical and mechanistic aspects of paraneoplastic syndromes. Cancer Metastasis Rev. 2013; 32(3-4):707-721.
- Liberale G, Lecocq C, Garcia C, et al. Accuracy of FDG-PET/CT in Colorectal Peritoneal Carcinomatosis: Potential Tool for Evaluation of Chemotherapeutic Response. Anticancer Res. 2017; 37(2):929-934.
- Pfannenberg C, Schwenzer NF, Bruecher BL. [State-of-the-art imaging of peritoneal carcinomatosis]. Rofo. 2012; 184(3):205-213.
- Milojkovic Kerklaan B, Pluim D, Bol M, et al. EpCAM-based flow cytometry in cerebrospinal fluid greatly improves diagnostic accuracy of leptomeningeal metastases from epithelial tumors. Neuro Oncol. 2016; 18(6):855-862.