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Kieferluxation

Luxation des Kiefers

Der Terminus Kieferluxation beschreibt die Dislokation des temporomandibulären Gelenks. Eine Kieferluxation kann durch Traumata provoziert werden, aber auch durch ein weites Öffnen des Mundes, beispielsweise beim Gähnen oder für medizinische Maßnahmen wie eine transösophageale Echokardiographie. Leitsymptom ist das Unvermögen, den Mund zu schließen. Die Diagnose wird in der Praxis zumeist anhand klinischer Befunde gestellt. Mit Hilfe der Bildgebung lässt sich diese Diagnose nicht nur bestätigen, sondern es können auch Läsionen benachbarter Weichgewebe erkannt werden.


Symptome

In der Literatur finden sich zahlreiche Angaben zu Umständen und Risikofaktoren für die Luxation des Gelenks, das vom Os temporale und der Mandibula gebildet wird, nämlich Traumata, Epilepsie, strukturelle Anomalien der Gelenkscheibe sowie schwache Haltestrukturen, wie sie vor allem bei älteren Patienten im Rahmen einer osteoarthritischen Gelenkdegeneration zu beobachten sind, darüber hinaus ein weites Öffnen des Mundes beim Gähnen, Essen oder Lachen [1] [2] [3]. Außerdem ist die Kieferluxation eine mögliche Komplikation (zahn-)medizinischer Verfahren, die einer ausladenden Öffnung des Mundes bedürfen, wie der transösophagealen Echokardiographie, Endoskopie, In- und Extubation [2] [4] [5].

Die partielle Ausrenkung des Kiefergelenks wird auch als Subluxation bezeichnet und ist von der vollständigen Luxation zu unterscheiden [3] [6] [7]. Weiterhin werden anteriore, posteriore, superiore, mediale und laterale Luxationen differenziert, die mit einem Spasmus des Musculus masseter, Musculus temporalis und/oder Musculi pterygoidei medialis und lateralis einhergehen können. In jedem Fall wird durch die Kieferluxation die Annäherung des Condylus mandibulae an die Fossa glenoidalis des Os temporale verhindert [6], weshalb die Patienten ihren Mund nicht schließen können. Läsionen des Nervus facialis (VII) und Nervus vestibulocochlearis (VIII) mit Hörverlust und entsprechenden neurologischen Ausfällen sowie Verletzungen des Meatus acusticus externus und der Austritt zerebrospinaler Flüssigkeit wurden vor allem bei posteriorer und superiorer Luxation des Kiefergelenks beobachet [6].

Diagnostik

Eine frühzeitige Diagnose hat den Vorteil, dass der behandelnde Arzt das Kiefergelenk auch ohne Anästhesie wieder einrenken kann [1]. Grundsätzlich ist aber in jedem Fall die Vorgeschichte zu studieren, um das auslösende Ereignis und möglicherweise prädisponierende Faktoren zu identifizieren [3] [6].

Während der Allgemeinuntersuchung ist im präaurikulären Bereich, über dem temporomandibulären Gelenk, ein Spalt tastbar, der der nun bestehenden Distanz zwischen Condylus mandibulae und Fossa glenoidalis des Schläfenbeins entspricht. Weiterhin ist möglicherweise eine Verlagerung des Kinns aus der Medianen zu erkennen. Werden diese Befunde bei einem Patienten erhoben, der den Mund nicht schließen kann und ein Ereignis benennt, das eine Kieferluxation erklärt, kann die Diagnose meist problemlos gestellt werden [2].

Dennoch werden bildgebende Studien empfohlen, um die Art der Luxation zu ermitteln und den Zustand der umgebenden Weichgewebe zu beurteilen. Die Darstellung des Kiefergelenks gelingt mit Hilfe des Röntgens, und eine dreidimensionale Rekonstruktion der Artikulation nach Computertomographie sollte helfen, alle Zweifel zur Richtung der Verlagerung der gelenkbildenden Knochen auszuräumen [1] [3] [8]. Pathologische Veränderungen der Unterkiefer und des Schläfenbeins können in Röntgenbildern und computertomographischen Aufnahmen ebenfalls erkannt werden. Der Goldstandard zur Detektion begleitender Weichteilverletzungen ist jedoch die Magnetresonanztomographie [1] [3] [8] [9]. Eine solche Aufarbeitung empfiehlt sich insbesondere bei Patienten, die im Rahmen der Kieferluxation einen Hörverlust erlitten haben oder neurologische Defizite zeigen.

Therapie

  • Durch die extreme Öffnung rutschen die Köpfchen des Kiefergelenks aus der Gelenkpfanne im Oberkiefer. 3 Therapie Eine Kieferluxation kann vom Arzt durch den Hippokrates-Handgriff behoben werden.[flexikon.doccheck.com]

Quellen

Artikel

  1. Ogura I, Kaneda T, Mori S, Sakayanagi M, Kato M. Magnetic resonance characteristics of temporomandibular joint disc displacement in elderly patients. Dentomaxillofac Radiol. 2012;41(2):122-125.
  2. Thangarajah T, Mcculloch N, Thangarajah S, Stocker J. Bilateral temporomandibular joint dislocation in a 29-year-old man: a case report. J Med Case Reports. 2010;4:263.
  3. Sharma NK, Singh AK, Pandey A, Verma V, Singh S. Temporomandibular joint dislocation. Natl J Maxillofac Surg. 2015;6(1):16-20.
  4. Roche NC, Paule P, Fourcade L. Temporomandibular joint dislocation during transoesophageal echocardiography: an unusual complication. Arch Cardiovasc Dis. 2011;104(8-9):482-483.
  5. Wang LK, Lin MC, Yeh FC, Chen YH. Temporomandibular joint dislocation during orotracheal extubation. Acta Anaesthesiol Taiwan. 2009;47(4):200-203.
  6. Akinbami BO. Evaluation of the mechanism and principles of management of temporomandibular joint dislocation. Systematic review of literature and a proposed new classification of temporomandibular joint dislocation. Head Face Med. 2011;7:10.
  7. Liddell A, Perez DE. Temporomandibular joint dislocation. Oral Maxillofac Surg Clin North Am. 2015;27(1):125-136.
  8. Bag AK, Gaddikeri S, Singhal A, et al. Imaging of the temporomandibular joint: An update. World J Radiol. 2014;6(8):567-582.
  9. Wang P, Yang J, Yu Q. MR imaging assessment of temporomandibular joint soft tissue injuries in dislocated and nondislocated mandibular condylar fractures. AJNR Am J Neuroradiol. 2009;30(1):59-63.

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Zuletzt aktualisiert: 2019-06-28 09:03