Symptome
Etwa 90% der Patienten werden auffällig, bevor sie ein halbes Jahr alt werden. Die Neonaten bzw. Kleinkinder werden wiederholt mit Infektionen des Mittelohres, der Haut, der Atemwege und Harnwege vorstellig [1]. Auch Infektionen des Mund-und-Rachenraumes werden häufig beobachtet [2]. Neben der Rekurrenz ist vor allem das gleichzeitige Auftreten von Infektionen mehrerer Organsysteme als Hinweis auf eine zugrunde liegende Immunschwäche zu werten. Werden die Erreger isoliert und charakterisiert, lässt sich zeigen, dass primär Bakterien und mit geringerer Inzidenz Pilze für die Infektionskrankheiten verantwortlich sind [3]. Das Spektrum reicht dabei von obligat pathogenen bis hin zu opportunistischen Erregern.
Weil die neutrophilen Granulozyten nicht nur zur Vermeidung einer Infektion, sondern auch zur Begrenzung derselben benötigt werden, besteht bei Betroffenen ein hohes Risiko, eine Sepsis zu entwickeln [4]. Die Sepsis führt zu einer signifikanten Verschlechterung des Allgemeinbefindens, und Eltern berichten über Probleme beim Füttern, Erbrechen und Lethargie. Weiterhin kommt es zu Tachypnoe, Blutdruckabfall und Hypothermie sowie Oligurie, und in der Folge zu immer schwereren Bewusstseinsstörungen.
Seltenere Formen der KN [5] beruhen auf Mutationen, die zu zusätzlichen Beschwerden führen, die in keinem Zusammenhang zu Granulopoese stehen. Beispiele dafür sind kognitive Störungen und Epilepsie [6], Pankreasinsuffizienz und metaphyseale Chondrodysplasie (bei Shwachman-Diamond-Syndrom, [7]), Missbildungen des Herzens und des Urogenitaltraktes [8].
Diagnostik
Die Ursache der oben beschriebenen Symptome liegt in einem absoluten Mangel an neutrophilen Granulozyten, der sich im Blutbild widerspiegelt. In schweren Fällen liegt die Anzahl neutrophiler Granulozyten unter 500/µl, in weniger schweren Fällen unter 1.500/µl [9]. Bei Patienten, die am Kostmann-Syndrom leiden, ist dies ein permanenter Zustand. Dagegen handelt es sich im Fall der zyklischen Neutropenie um einen intermittierenden Mangel an Neutrophilen: In Zyklen von etwa 21 Tagen schwankt die Zahl der neutrophilen Granulozyten zwischen extrem niedrig und innerhalb des Referenzbereichs [10]. Um diesen Umstand zu zeigen, müssen wiederholt Blutproben genommen und untersucht werden.
Eine Neutropenie mag vielerlei Ursachen haben: Neben genetisch bedingten Störungen der Granulopoese kommen auch Nährstoffmangel und ein erhöhter Verbrauch der Neutrophilen sowie maligne Neoplasien als Auslöser infrage. Deshalb wird bei Verdacht auf KN eine Knochenmarkuntersuchung empfohlen. Charakteristische Befunde sind Eosinophilie und Monozytose, wobei die Prädominanz dieser Zelllinien das Ergebnis der Reifestörung der Neutrophilen-Vorläufer ist. So sind bei vielen Patienten die Anteile von Myelozyten, Metamyelozyten und Bandzellen vermindert [9].
Der Nachweis des kausalen Gendefekts mittels molekularbiologischer Methoden vermag nicht nur, die Diagnose zu bestätigen, sondern ist auch Voraussetzung für die familiäre Aufarbeitung, für eine gezielte humangenetische Beratung und eine eventuelle Pränataldiagnostik. In den meisten Fällen sind Mutationen im Gen, das für die neutrophile Elastase codiert, für die Neutropenie verantwortlich. Kann keine Mutation identifiziert werden, so ist das aber keinesfalls als Ausschlusskriterium zu betrachten, da man davon ausgeht, dass bis dato nur ein Teil der Sequenzanomalien, die zur KN führen, beschrieben ist [5].
Therapie
Die Behandlung der kongenitalen Neutropenie umfasst in der Regel die Gabe von Granulozyten-Kolonie-stimulierendem Faktor (G-CSF), um die Produktion von Neutrophilen zu stimulieren. Antibiotika werden zur Behandlung und Vorbeugung von Infektionen eingesetzt. In schweren Fällen kann eine Knochenmarktransplantation in Betracht gezogen werden.
Prognose
Die Prognose für Patienten mit kongenitaler Neutropenie hat sich durch die Einführung von G-CSF erheblich verbessert. Viele Patienten können ein relativ normales Leben führen, obwohl sie weiterhin ein erhöhtes Risiko für Infektionen haben. In einigen Fällen kann sich jedoch ein myelodysplastisches Syndrom oder eine akute myeloische Leukämie entwickeln.
Ätiologie
Kongenitale Neutropenie wird durch genetische Mutationen verursacht, die die Produktion oder Funktion von Neutrophilen beeinträchtigen. Die häufigsten Mutationen betreffen das ELANE-Gen, das für die Produktion eines Enzyms namens Neutrophilen-Elastase verantwortlich ist. Andere betroffene Gene können HAX1, G6PC3 und WAS sein.
Epidemiologie
Kongenitale Neutropenie ist eine seltene Erkrankung, die weltweit auftritt. Die genaue Häufigkeit ist nicht bekannt, aber sie wird auf etwa 1 Fall pro 200.000 Lebendgeburten geschätzt. Die Erkrankung betrifft Männer und Frauen gleichermaßen und kann in verschiedenen ethnischen Gruppen auftreten.
Pathophysiologie
Die Pathophysiologie der kongenitalen Neutropenie umfasst eine gestörte Produktion oder Funktion von Neutrophilen. Genetische Mutationen führen zu einer fehlerhaften Reifung oder einem vorzeitigen Absterben dieser Zellen im Knochenmark. Dies führt zu einer verminderten Anzahl von Neutrophilen im Blut und einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen.
Prävention
Da kongenitale Neutropenie genetisch bedingt ist, gibt es keine spezifischen Maßnahmen zur Prävention der Erkrankung. Genetische Beratung kann jedoch für betroffene Familien hilfreich sein, um das Risiko für zukünftige Kinder abzuschätzen. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend, um Komplikationen zu minimieren.
Zusammenfassung
Kongenitale Neutropenie ist eine seltene, genetisch bedingte Erkrankung, die durch einen Mangel an Neutrophilen gekennzeichnet ist. Sie führt zu einem erhöhten Infektionsrisiko. Die Diagnose erfolgt durch Blut- und Gentests, und die Behandlung umfasst G-CSF und Antibiotika. Die Prognose hat sich durch moderne Therapien verbessert, bleibt aber ernst.
Patientenhinweise
Patienten mit kongenitaler Neutropenie sollten regelmäßig ärztlich überwacht werden, um Infektionen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Eine gute Mundhygiene und Hautpflege sind wichtig, um Infektionen vorzubeugen. Patienten sollten über die Symptome von Infektionen informiert sein und bei Fieber oder anderen Anzeichen sofort ärztlichen Rat einholen.
Quellen
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- Horwitz M, Benson KF, Person RE, Aprikyan AG, Dale DC. Mutations in ELA2, encoding neutrophil elastase, define a 21-day biological clock in cyclic haematopoiesis. Nat Genet. 1999; 23(4):433-436.