Symptome
Leitsymptome der Epilepsien sind anfallsartig auftretende motorische, sensorische und/oder vegetative Störungen, die in unterschiedlicher Intensität Teile des oder den gesamten Körper des Patienten betreffen können und mehr oder weniger häufig einsetzen. Dabei ist zu beachten, dass einzelne Formen der Epilepsie mit unterschiedlichen Arten von Anfällen einhergehen können und dass die Anfälle ineinander übergehen können.
Folgende Formen generalisierter epileptischer Anfälle werden unterschieden [1] [2]:
- Absence-Anfälle, zuweilen auch als Petit-Mal-Anfälle bezeichnet, sind Bewusstseinsstörungen von kurzer Dauer. Der Betroffene unterbricht sein Tun, um wenige Sekunden später damit fortzufahren, ohne sich an den Anfall erinnern zu können. Ein Absence-Anfall umfasst nicht notwendigerweise motorische Störungen.
- Myoklonische Anfälle gehen mit kurzen, arrhythmischen Muskelzuckungen einher, die in der Regel zu ruckartigen, ungezielten Bewegungen der Extremitäten führen.
- Klonische Anfälle sind ebenfalls durch Muskelzuckungen gekennzeichnet, die aber länger andauern und rhythmisch sind.
- Tonische Anfälle sind dagegen durch eine anhaltende Kontraktion der jeweiligen Muskulatur und damit durch eine Versteifung der betroffenen Körperregion gekennzeichnet.
- Tonisch-klonische Anfälle umfassen tonische und klonische Phasen, wie oben beschrieben, die aufeinanderfolgen. Einem solchen Grand-Mal-Anfall folgt meist eine deutliche postiktale Phase.
- Atonische Anfälle werden durch einen plötzlichen Verlust des Muskeltonus induziert, was sich in einer veränderten Körperhaltung zeigen oder zu einem Sturz führen kann [3].
Darüber hinaus kann es im Rahmen einer Epilepsie zu partiellen Anfällen kommen, die nur ein Teil des Körpers betreffen und motorische oder vegetative Ausfallerscheinungen provozieren. Das Bewusstsein der Betroffenen ist während eines fokalen Anfalls nicht zwangsläufig reduziert, aber die Sensorik und die Psyche des Patienten können beeinträchtigt sein. Bezüglich der veränderten Wahrnehmung wird häufig von einer Aura gesprochen, die allein der Patient empfindet [4].
Schließlich werden bei manchen Patienten Symptome wie epileptische Spasmen beobachtet, die in eine dritte Gruppe, eine Gruppe nicht näher klassifizierte Anfälle, einzuordnen ist [1] [5].
Eine pausenlose Folge epileptischer Anfälle, die dem Patienten keine Möglichkeit zur Erholung gibt und unter Umständen zum Tod führt, wird als Status epilepticus bezeichnet [6] [7].
Diagnostik
Während der Verdacht auf Epilepsie gewöhnlich auf dem klinischen Bild basiert, bedarf es einer detaillierten Aufarbeitung des Falles, um die Ursache des Anfallsleidens zu ermitteln und damit die spezifische Form der Epilepsie zu identifizieren. Um dieses Ziel zu erreichen, muss eine ausführliche Anamnese stattfinden. Außerdem ist mit Hilfe der bildgebenden Diagnostik zu überprüfen, ob Missbildungen des zentralen Nervensystems oder intrakranielle Pathologien wie Infarkte oder Neoplasien die Funktion des Gehirns beeinträchtigen [8]. Auch an systemische Erkrankungen und Infektionen muss gedacht werden, und eine diesbezügliche Abklärung erfordert meist weitere Untersuchungen, z.B. Blutbild und Blutchemie.
In jedem Fall ist auch eine Elektroenzephalographie durchzuführen, deren Ergebnisse besonders dann von Bedeutung sind, wenn mit keiner der zuvor genannten Untersuchungen ein Hinweis auf die Ätiologie der Erkrankung erbracht werden konnte. Selbst wenn es nicht gelingt, die Hirnaktivität während eines Anfalls aufzuzeichnen, so sind interiktale epileptiforme Entladungen doch in vielen Fällen zu erkennen [9], was die Diagnosestellung erleichtert. Spitzen und scharfe Wellen, Komplexe aus Spitzen und Wellen sowie Folgen solcher Elemente können ein erhöhtes Krampfpotenzial anzeigen [10], das einer Prädisposition für weitere epileptische Anfälle entspricht, auch wenn der Patient bis zum jetzigen Zeitpunkt nur einen einzigen Anfall erlitten hat.
Prognose
Die Prognose bei Epilepsie variiert stark. Viele Menschen erreichen mit der richtigen Behandlung Anfallsfreiheit oder eine deutliche Reduktion der Anfallshäufigkeit. Bei einigen Patienten kann die Erkrankung jedoch chronisch und schwer zu kontrollieren sein. Die Lebensqualität kann durch eine angepasste Therapie und Unterstützung erheblich verbessert werden.
Ätiologie
Epilepsie kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden:
- Genetische Veranlagung: Einige Formen der Epilepsie sind erblich.
- Strukturelle Veränderungen: Hirnverletzungen, Tumore oder Fehlbildungen.
- Infektionen: Meningitis oder Enzephalitis können Epilepsie auslösen.
- Stoffwechselstörungen: Seltene Stoffwechselerkrankungen können Anfälle verursachen.
Epidemiologie
Epilepsie ist weltweit verbreitet und betrifft etwa 1% der Bevölkerung. Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, wobei Kinder und ältere Erwachsene besonders häufig betroffen sind. Die Inzidenz und Prävalenz variieren je nach Region und Zugang zu medizinischer Versorgung.
Pathophysiologie
Die Pathophysiologie der Epilepsie ist komplex und nicht vollständig verstanden. Anfälle entstehen durch eine gestörte Balance zwischen erregenden und hemmenden Signalen im Gehirn. Diese Dysbalance kann durch strukturelle, genetische oder biochemische Faktoren beeinflusst werden.
Prävention
Eine direkte Prävention der Epilepsie ist oft nicht möglich, jedoch können einige Maßnahmen das Risiko reduzieren:
- Vermeidung von Kopfverletzungen: Schutzmaßnahmen im Sport und Verkehr.
- Behandlung von Infektionen: Rechtzeitige Therapie von Hirninfektionen.
- Gesunder Lebensstil: Ausreichend Schlaf, Stressmanagement und Vermeidung von Alkohol und Drogen.
Patientenhinweise
Für Patienten mit Epilepsie ist es wichtig, die Erkrankung zu verstehen und aktiv an der Behandlung teilzunehmen. Regelmäßige Arztbesuche, die Einhaltung der Medikation und das Erkennen von Anfallsauslösern sind entscheidend. Unterstützung durch Familie und Freunde sowie der Austausch mit anderen Betroffenen können ebenfalls hilfreich sein.
Quellen
- Berg AT, Berkovic SF, Brodie MJ, et al. Revised terminology and concepts for organization of seizures and epilepsies: report of the ILAE Commission on Classification and Terminology, 2005-2009. Epilepsia. 2010; 51(4):676-685.
- Hart YM. Epidemiology, natural history and classification of epilepsy. Medicine. 40(9):471-476.
- Donadio M, Ugarnes G, Segalovich M, et al. Intracranial video-EEG and surgery for focal atonic seizures. Epileptic Disord. 2013; 15(1):62-66.
- Schulze-Bonhage A. [Differential diagnosis of visual aura in migraine and epilepsy]. Klin Monbl Augenheilkd. 2001; 218(9):595-602.
- Wilmshurst JM, Ibekwe RC, O'Callaghan FJ. Epileptic spasms - 175 years on: Trying to teach an old dog new tricks. Seizure. 2016.
- Trinka E, Kalviainen R. 25 years of advances in definition, classification and treatment of status epilepticus. Seizure. 2016.
- Walker MC. Pathophysiology of status epilepticus. Neurosci Lett. 2016.
- Tilz C. [Epilepsy in the elderly. Special clinical features and treatment strategies]. Internist (Berl). 2014; 55(7):782-788.
- Badawy R, Macdonell R, Jackson G, Berkovic S. The peri-ictal state: cortical excitability changes within 24 h of a seizure. Brain. 2009; 132(Pt 4):1013-1021.
- Remi J, Noachtar S. [Significance of the EEG in the diagnosis of epilepsy]. Nervenarzt. 2012; 83(2):172-180.