Symptome
Die klinische Präsentation von LGS ist gekennzeichnet durch eine Symptom-Trias: Häufige und verschiedenartige Anfälle, intellektuelle Einschränkungen und auffällige EEG-Befunde [1]. Zu den ersten Symptomen zählen oftmals das plötzliche Auftreten von unerklärlichen Stürzen, gefolgt vom Einsetzen von Krampfanfällen [2]. 60% der Patienten entwickeln atypische Absencen, während tonische, atonische und generalisierte Anfälle respektive in 80%, 65% und 55% der Fälle vorkommen [3]. Am häufigsten werden tonische Anfälle beobachtet, die während des Schlafes auftreten und in Verbindung zu Schlafstörungen stehen. Die Anfallshäufigkeit ist hoch und ein Übergang in einen Status epilepticus ist möglich. Einzelne Studien berichten von bis zu 100 Anfällen in einem Zeitraum von 24 Stunden [4]. Mentale Einschränkungen und geistige Retardierung können bei mehr als 90% der Patienten festgestellt werden [5]. Darüber hinaus kommt es zu Lernschwächen, Verhaltensauffälligkeiten wie Hyperaktivität und Aggression, sowie Autismus-artigen Erscheinungsbildern [2].
Diagnostik
Zur Differenzierung von LGS von anderen epileptischen Syndromen ist eine Elektroenzephalographie (EEG) die erste und wichtigste diagnostische Methode. Die Messung der Gehirnströme zeigt verlangsamte symmetrische bilaterale Entladungen (1.5 - 2.5 Hz) in der frontozentralen Region. Hinzu kommt ein verlangsamter Grundrhythmus, während gleichzeitig paroxysmale schnelle rhythmische Aktivität (10 - 25 Hz) im Schlaf beobachtet werden kann [6]. Magnetenzephalographie und bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomographie (MRT) und funktionales MRT ermöglichen die exakte Lokalisation des Ursprungs der epileptischen Aktivität [2]. Abgesehen von einer geringen kortikalen Dysplasie zeigen die MRT-Ergebnisse mitunter keine Auffälligkeiten. In diesen Fällen kann ein PET-Scan durchgeführt werden, der einen fokalen Hypometabolismus sichtbar macht [2]. Einzelphotonen-Emissionscomputertomographie kann ebenso angewendet werden. Im Allgemeinen ist es von höchster Wichtigkeit, jenen Teil des Gehirns zu identifizieren, von dem die epileptischen Anfälle ausgehen, um die weiteren therapeutischen Maßnahmen zu bestimmen [7].
Therapie
Die Behandlung von LGS ist komplex und umfasst:
- Medikamentöse Therapie: Einsatz von Antiepileptika wie Valproat, Lamotrigin und Topiramat.
- Ketogene Diät: Eine fettreiche, kohlenhydratarme Diät, die bei einigen Patienten die Anfallshäufigkeit reduzieren kann.
- Vagusnervstimulation: Ein implantiertes Gerät, das elektrische Impulse an den Vagusnerv sendet, um Anfälle zu reduzieren.
- Chirurgische Eingriffe: In schweren Fällen kann eine Operation in Betracht gezogen werden.
Prognose
Die Prognose für Patienten mit Lennox-Gastaut-Syndrom ist oft ungünstig. Viele Patienten leiden unter anhaltenden Anfällen und geistigen Behinderungen. Die Lebensqualität kann durch geeignete Therapien verbessert werden, jedoch bleibt die Erkrankung meist lebenslang bestehen.
Ätiologie
Die Ursachen des Lennox-Gastaut-Syndroms sind vielfältig und oft unbekannt. Mögliche Faktoren sind:
- Genetische Anomalien: Mutationen in bestimmten Genen können eine Rolle spielen.
- Hirnschäden: Verletzungen oder Infektionen des Gehirns in der frühen Kindheit.
- Stoffwechselstörungen: Seltene Stoffwechselerkrankungen können LGS verursachen.
Epidemiologie
Lennox-Gastaut-Syndrom ist eine seltene Erkrankung, die etwa 1 bis 2 von 10.000 Kindern betrifft. Es tritt häufiger bei Jungen als bei Mädchen auf und macht etwa 1-4% aller kindlichen Epilepsien aus.
Pathophysiologie
Die Pathophysiologie von LGS ist komplex und nicht vollständig verstanden. Es wird angenommen, dass eine abnorme elektrische Aktivität im Gehirn, die durch strukturelle oder funktionelle Anomalien verursacht wird, zu den charakteristischen Anfällen führt.
Prävention
Da die genauen Ursachen von LGS oft unbekannt sind, gibt es keine spezifischen Präventionsmaßnahmen. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung von Epilepsie und anderen neurologischen Störungen kann jedoch helfen, das Risiko zu verringern.
Zusammenfassung
Das Lennox-Gastaut-Syndrom ist eine schwerwiegende Form der Epilepsie, die durch eine Vielzahl von Anfallsarten und Entwicklungsstörungen gekennzeichnet ist. Die Behandlung erfordert einen multidisziplinären Ansatz, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Patientenhinweise
Für Patienten und ihre Familien ist es wichtig, sich über die Erkrankung zu informieren und Unterstützung zu suchen. Regelmäßige Arztbesuche, die Einhaltung der Therapiepläne und der Austausch mit Selbsthilfegruppen können helfen, den Alltag mit LGS besser zu bewältigen.
Quellen
- Bourgeois BF, Douglass LM, Sankar R. Lennox-Gastaut syndrome: a consensus approach to differential diagnosis. Epilepsia. 2014;55(4):4-9.
- Van Rijckevorsel K. Treatment of Lennox-Gastaut syndrome: overview and recent findings. Neuropsychiatr Dis Treat. 2008;4(6):1001-1019.
- Al-Banji MH, Zahr DK, Jan MM. Lennox-Gastaut syndrome: Management update. Neurosciences. 2015;20(3):207-212.
- Douglass LM, Salpekar J. Surgical options for patients with Lennox-Gastaut syndrome. Epilepsia. 2014;55(4):21-28.
- Kim HJ, Kim HD, Lee JS, Heo K, Kim DS, Kang HC. Long-term prognosis of patients with Lennox--Gastaut syndrome in recent decades. Epilepsy Res. 2015;110:10-19.
- Markand ON. Lennox-Gastaut syndrome (childhood epileptic encephalopathy). J Clin Neurophysiol. 2003;20(6):426-441.
- Camfield PR. Definition and natural history of Lennox-Gastaut syndrome. Epilepsia. 2011;52(5):3-9.