Symptome
Weder Lungenembolie noch Lungeninfarkt rufen zwangsläufig akute Beschwerden hervor und bleiben in vielen Fällen unbemerkt. Es ist auch möglich, dass eine Lungenembolie diagnostiziert und adäquat behandelt wird, es nach mehreren Wochen aber zu einer erneuten Verschlechterung des Zustandes des Patienten kommt, weil eine Infarzierung stattgefunden hat [1].
Es hängt in beiden Fällen von der Größe des betroffenen Lungenabschnittes ab, ob der Patient die Einschränkung der Lungenfunktion bemerkt. Eine signifikante Reduktion der Sauerstoffsättigung des Blutes führt zur Hypoxie, zu Palpationen, Tachykardie und Dyspnoe. Manche Patienten beschreiben Schwindel und erleiden Synkopen [2]. Embolie und Infarkt gehen zuweilen mit Einblutungen in die unteren Atemwege einher und wenn der Patient hustet, ist dem Auswurf möglicherweise Blut beigemengt. Das infarzierte Gewebe nekrotisiert, was eine Infarktpneumonie nach sich zieht, die wiederum zu pleuritischen Schmerzen und Fieber führen kann. Außerdem kann sich aus einem Lungeninfarkt eine pulmonale Hypertonie mit Rechtsherzbelastung ergeben [2].
Diagnostik
Trotz der potenziell lebensbedrohlichen Komplikationen, mit denen ein Lungeninfarkt einhergehen kann, ist das klinisch Bild anfänglich wenig dramatisch und sehr unspezifisch. Erst der Anstieg der Körpertemperatur mit signifikanter Reduktion des Allgemeinbefindens zeigt den Ernst der Lage an, aber die Krankheit ist dann oft schon weit fortgeschritten. Hinzukommt, dass die radiologischen Charakteristika des Lungeninfarkts nur unzureichend bekannt sind: Der Lehrbuch-Infarkt entspricht einem kegelförmigen, mehr oder weniger dreieckigen Gebiet verminderter Lungenperfusion. In vielen Fällen ist aber weder im Röntgen noch in der Computertomographie ein kegelförmiges Infarktgebiet darstellbar. Der apikale Bereich des angenommenen Kegels wird von Kollateralen oft ausreichend versorgt, sodass dann nur die Peripherie pathologisch verändert scheint [3] [4]. Zum Lungenhilus ist das Infarktgebiet dann deutlich abgegrenzt, wobei der innere Rand eine konvexe Form hat. Das Infarktgebiet selbst ist von höherer Röntgendichte bzw. ist hyperdens. Bronchien sind in ihm nicht auszumachen, wohl aber andere Strukturen, die eine Heterogenität bedingen, nämlich Hämorrhagien, Nekroseherde und Kavitäten. Blutungen in angrenzenden Lungenbereichen können ein Halo-Zeichen provozieren, d.h. das infarzierte Gewebe ist von einem trüben Hof umgeben. In einigen Fällen lässt sich zudem ein ipsilateraler Pleuraerguss ausmachen.
Es wird grundsätzlich empfohlen, die Ursachen der Lungenembolie zu identifizieren. Eine Prädisposition zur Thrombenbildung und anschließender Verschleppung in den Lungenkreislauf besteht zum Beispiel bei Bluthochdruck, Atherosklerose und Diabetes mellitus. Zudem weisen jene Patienten mit kongenitalen oder erworbenen Thrombophilien ein erhöhtes Risiko auf eine Lungenembolie auf [5], während das individuelle Risiko für einen Lungeninfarkt mit einer Linksherzinsuffizienz wesentlich ansteigt. Dementsprechend sind Blutbild und Blutchemie auszuwerten und Koagulationsstudien anzustellen, und auch eine kardiologische Untersuchung sollte in Betracht gezogen werden.
Therapie
Die Behandlung eines Lungeninfarkts zielt darauf ab, die Blutversorgung wiederherzustellen und Komplikationen zu verhindern. Zu den Therapiemöglichkeiten gehören:
- Antikoagulanzien: Medikamente, die die Blutgerinnung hemmen, um weitere Gerinnsel zu verhindern.
- Thrombolytika: Medikamente, die bestehende Blutgerinnsel auflösen.
- Schmerzmittel: Zur Linderung von Brustschmerzen.
- In schweren Fällen kann ein chirurgischer Eingriff erforderlich sein, um das Gerinnsel zu entfernen.
Prognose
Die Prognose eines Lungeninfarkts hängt von der Schwere der Erkrankung und der Schnelligkeit der Behandlung ab. Bei rechtzeitiger und angemessener Therapie ist die Prognose in der Regel gut. Unbehandelt kann ein Lungeninfarkt jedoch zu schweren Komplikationen führen, einschließlich Lungenversagen.
Ätiologie
Die häufigste Ursache eines Lungeninfarkts ist eine Lungenembolie, die durch ein Blutgerinnsel in den Lungenarterien verursacht wird. Risikofaktoren für die Bildung solcher Gerinnsel sind:
- Längere Immobilität, z.B. nach Operationen
- Thrombophilie (erhöhte Neigung zu Blutgerinnseln)
- Herzinsuffizienz
- Krebs
Epidemiologie
Lungeninfarkte sind relativ selten, da die Lunge eine doppelte Blutversorgung hat, die sie vor Infarkten schützt. Sie treten häufiger bei älteren Menschen und bei Personen mit Risikofaktoren für Thrombosen auf. Die genaue Inzidenz ist schwer zu bestimmen, da viele Fälle unentdeckt bleiben.
Pathophysiologie
Ein Lungeninfarkt entsteht, wenn ein Blutgerinnsel eine Lungenarterie blockiert, was zu einer Unterbrechung der Blutversorgung des betroffenen Lungengewebes führt. Ohne ausreichende Blutversorgung stirbt das Gewebe ab. Die Lunge hat jedoch eine doppelte Blutversorgung durch die Lungen- und Bronchialarterien, was das Risiko eines Infarkts verringert.
Prävention
Zur Vorbeugung eines Lungeninfarkts sollten Risikofaktoren für Blutgerinnsel minimiert werden. Dazu gehören:
- Regelmäßige Bewegung, besonders nach Operationen oder langen Reisen
- Tragen von Kompressionsstrümpfen
- Einnahme von Antikoagulanzien bei erhöhtem Risiko
- Gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung und Rauchverzicht
Zusammenfassung
Ein Lungeninfarkt ist eine ernste, aber behandelbare Erkrankung, die durch eine Blockade der Lungenarterien verursacht wird. Eine schnelle Diagnose und Behandlung sind entscheidend für eine gute Prognose. Präventive Maßnahmen können das Risiko eines Lungeninfarkts erheblich reduzieren.
Patientenhinweise
Wenn Sie Symptome wie plötzliche Brustschmerzen, Atemnot oder blutigen Husten bemerken, sollten Sie umgehend ärztlichen Rat einholen. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend, um Komplikationen zu vermeiden. Achten Sie auf Risikofaktoren und ergreifen Sie präventive Maßnahmen, um Ihre Gesundheit zu schützen.
Quellen
- Ashrani AA. Pulmonary Infarction Manifesting as a Cavitary Lesion. Mayo Clin Proc. 2015; 90(8):1170.
- Miniati M, Bottai M, Ciccotosto C, Roberto L, Monti S. Predictors of Pulmonary Infarction. Medicine (Baltimore). 2015; 94(41):e1488.
- Bray TJ, Mortensen KH, Gopalan D. Multimodality imaging of pulmonary infarction. Eur J Radiol. 2014; 83(12):2240-2254.
- Miniati M. Pulmonary Infarction: An Often Unrecognized Clinical Entity. Semin Thromb Hemost. 2016; 42(8):865-869.
- Ide K, Chida K, Suda T, et al. [Recurrent pulmonary infarction associated with familial protein S deficiency type III]. Nihon Kokyuki Gakkai Zasshi. 1999; 37(5):410-414.