Symptome
Es gibt mehr als 25 bis 30 unterschiedliche Zeichen und Symptome bei Marfan-Syndrom, die mit variabler Intensität auftreten können und sich von Patient zu Patient unterscheiden. Diese Erkrankung verschlechtert sich mit zunehmendem Alter. Marfan-Syndrom wird immer deutlicher, wenn die Veränderungen im Bindegewebe fortschreiten.
Die Gesichtszüge der betroffenen Patienten können typisch sein. Manchmal tritt ein hoher Gaumen auf, was zu Sprachstörungen führen kann [4]. Hochwuchs mit auffällig langen Extremitäten und Fingern (Arachnodaktylie) ist zu sehen. Deformierungen der Wirbelsäule (Skoliose, Hyperkyphose), Muskelhypotrophie und Plattfüße sind ebenfalls häufig [5]. Subluxatio lentis ist ein häufiges klinisches Merkmal. Myopie und Astigmatismus können ebenfalls vorhanden sein. Striae cutis distensae sind häufig.
Die gravierendsten Anzeichen und Symptome des Marfan-Syndroms betreffen das kardiovaskuläre System, diese können zu schweren Komplikationen führen. Dilatation der Aortenwurzel, Aortenaneurysma, Aortendissektion, sowie Herzklappenfehler der Aorten- oder Mitralklappe können auftreten [6]. Kurzatmigkeit und Müdigkeit, Herzgeräusch und Angina pectoris können die Folge sein.
Diagnostik
Da mehrere Organsysteme beeinträchtigt sind, ist ein multidisziplinärer Ansatz erforderlich [7]. Die Diagnose wird durch eine komplette Anamnese und körperliche Untersuchung gestellt. Ein Echokardiogramm ist nötig, um das Herz zu beurteilen. Weitere bildgebende Verfahren sollten nach Bedarf eingesetzt werden. Eine Spaltlampenuntersuchung kann eine Subluxation der Linse identifizieren. Genetische Tests können durch die Analyse des Fibrillin-1 Gen erfolgen [8].
Therapie
Marfan-Syndrom ist unheilbar, die Behandlung dient der Verhinderung und Verbesserung von Symptomen und Komplikationen. Die Lebenserwartung hat sich im Zeitraum der letzten Jahre deutlich erhöht [9]. Eine individualisierte Behandlung wird in Abhängigkeit von der Schwere der Symptome ausgewählt. Regelmäßige Echokardiogramme sollten durchgeführt werden, um den Zustand der Aorta und der Herzklappen zu bewerten. Medikamente, vor allem Beta-Blocker, können gegeben werden, um die Herzfrequenz zu verringern und den Blutdruck unter Kontrolle zu halten. Ein Augenarzt sollte regelmäßig die Augen überprüfen.
Wenn der Bewegungsapparat betroffen ist, sollte der Patient regelmäßig auf Gelenkschmerzen untersucht werden und jede Fehlstellung sollte wenn nötig korrigiert werden.
Chirurgische Eingriffe sind auch in Fällen von Aortenruptur oder Aortendissektion nötig. Klappenrekonstruktion bzw. Klappenersatz-Operation kann auch erforderlich sein [10].
Regelmäßige moderate körperliche Bewegung wird empfohlen.
Prognose
Die Prognose der Krankheit hat sich wesentlich verbessert und die Lebenserwartung der Patienten ebenfalls erhöht. Der wichtigste Faktor ist eine frühzeitige Diagnose. Gute medizinische Versorgung und soziale Unterstützung können helfen, sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern mit Marfan-Syndrom. Die durchschnittliche Lebenserwartung von Menschen mit Marfan-Syndrom ist ca. 70 Jahre [3].
Ätiologie
Mutationen im Fibrillin-Gen (FBN1) [1] auf dem Chromosom 15 verursachen das Marfan-Syndrom. Das Fibrillin-Gen kodiert Fibrillin, ein wichtiger Bestandteil der extrazellulären Matrix, der zur Aufrechterhaltung der elastischen Fasern, die Stärke und Flexibilität für den gesamten Körper bedeuten, dient. Gelegentlich treten Mutationen im Transforming growth factor (TGF-β) auf. Mehr als 500 Fibrillin-Genmutationen sind identifiziert worden. Verschiedene Genmutationen sind für die genetische Heterogenität des Syndroms verantwortlich. Da es sich um eine genetisch bedingte Erkrankung handelt, ist der größte Risikofaktor für Marfan-Syndrom ein Elternteil mit dieser Erkrankung [2].
Epidemiologie
Das Marfan-Syndrom betrifft 1:3000-5000 Menschen und Männer und Frauen gleichermaßen. Es ist eine der häufigsten vererbbaren Erkrankungen. 3 von 4 Fällen werden aufgrund von Defekten oder Störungen des Fibrillin-1-Gen (FBN-1) verursacht. Es gib 25% sporadische Fälle die durch Spontanmutationen entstehen. Ein weiteres charakteristisches Merkmal dieses Syndroms ist der variable Phänotyp.
Pathophysiologie
Das Marfan-Syndrom wird durch Mutationen im FBN1-Gen auf Chromosom 15, das für Fibrillin-1 kodiert, verursacht. Fibrillin ist ein Glykoprotein, das ein wichtiger Bestandteil der extrazellulären Matrix ist. Diese extrazelluläre Matrix ist für die Bildung des Bindegewebes, sowie dessen Aufrechterhaltung erforderlich. Fibrillin-1, ist ein wichtiger Bestandteil der Mikrofibrillen in der Extrazellulärmatrix.
Die meisten Mutationen sind einzigartig und betreffen hauptsächlich eine einzelne Aminosäure des Proteins. Es gibt keine bestimmte Stelle an der die Mutation stattfindet, das gesamte Gen ist betroffen. Schwere Fälle von Marfan-Syndrom sind in der Region Exon 24 bis 32 festgestellt worden.
Transforming growth factor beta (TGF-ß) spielt eine wichtige Rolle in dieser Erkrankung, wobei Fibrillin-1 an eine inaktive Form des TGF-β bindet. Eine Theorie besagt, dass die Abnahme von Fibrillin mit erhöhter Konzentration von TGF-β ist für die Pathologie verantwortlich ist. TGF-β führt zu Freisetzung von inflammatorischen Proteasen, die nach und nach elastischen Fasern und die extrazelluläre Matrix zerstören. Da sie reich an elastischen Fasern sind, sind Aorta, Bänder und Auge am stärksten betroffen.
Prävention
Prävention ist vor allem für die Komplikationen, die auftreten könnten, wichtig. Spontane Genmutationen können nicht verhindert werden. Die genetische Beratung wird für Paare mit einer Anamnese dieser Erkrankung, die Kinder haben wollen, empfohlen.
Zusammenfassung
Das Marfan-Syndrom ist eine genetisch vererbte Erkrankung, die sich auf das Bindegewebe auswirkt. Da ein Großteil des Körpers aus Bindegewebe besteht, sind mehrere Organe betroffen. Das Marfan-Syndrom wird autosomal-dominant vererbt und verursacht eine Vielzahl von klinischen Merkmalen, vor allem des muskuloskelettalen Systems, des cardiovasculären Systems und der Augen.
Typsiche Symptome sind ein langer, schlanker Körper mit langen Extremitäten und Fingern, Hyperlaxizität der Gelenke, ein hoher Gaumenbogen, Deformitäten der Wirbelsäule, Aortenaneurysma und Aortendissektion, Herzklappenfehler und Dislokation oder Luxation der Linse mit Myopie und Astigmatismus.
Patientenhinweise
Das Marfan-Syndrom ist eine vererbte Erkrankung, die das Bindegewebe beeinträchtigt. Das Bindegewebe gibt dem Körper Kraft, Flexibilität und Elastizität. Das Syndrom wirkt sich auf viele Organe des Körpers, vor allem das Herz, Auge und Skelett aus. Die Symptome variieren von Patient zu Patient. Der Schweregrad steigt mit dem Alter. Menschen mit diesem Syndrom sind in der Regel ungewöhnlich groß und dünn. Die Patienten haben lange Finger und Zehen. Die meisten Patienten mit Marfan-Syndrom haben auch ein schmales Gesicht, zusammen mit gekrümmter Wirbelsäule (Skoliose) oder andere Knochendeformationen. Mehr als die Hälfte der Patienten hat Sehprobleme. Veränderungen in Herz und Blutgefäßen können Müdigkeit und Kurzatmigkeit verursachen.
Die Behandlung besteht überwiegend aus der Linderung der Symptome und Verhinderung von Komplikationen. Der Arzt erhebt eine vollständige Krankengeschichte einschließlich Familiengeschichte und führt eine klinische Untersuchung durch, um diese Erkrankung zu bestätigen. Bildgebende Verfahren, in erster Linie Echokardiogramm, werden ebenfalls für die Diagnosestellung verwendet.
Das Marfan-Syndrom ist unheilbar. Das Ziel der Behandlung ist, Komplikationen zu verhindern und sicherzustellen, dass der Patient ein normales Leben führen kann. Mit regelmäßiger Überwachung und moderner Behandlung können die Patienten eine normale Lebenserwartung haben.
Quellen
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- McMillan JA, Feigin RD, DeAngelis C, Jones DM. (Eds). Oski'sPediatrics: Principles & Practice. Philadelphia, PA. Lippincott Williams & Wilkins. 2006.
- Fusar-Poli P, Klersy C, Stramesi F, Callegari A, et al. Determinant of quality of life in Marfan Syndrome. Psychosomatics.2008 May-Jun; 49 (3): 243–8.
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- Zipes, Libby Bonow Braunwald. Braunwald's Heart Disease: A Textbook of Cardiovascular Medicine. 7th Ed. USA: Elsevier Saunders; 2005; p. 1894
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