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Nelson-Syndrom
Nelson-Tumor
Das Nelson-Syndrom ist eine seltene Entität, die sich als Komplikation einer beidseitigen Adrenalektomie zur Therapie des Cushing-Syndroms entwickeln kann. Das Nelson-Syndrom ist auf das häufig aggressive Wachstum eine hypophysären Umfangsvermehrung und entsprechend hohen Spiegeln des Nebennieren-stimulierenden Hormons Adrenocorticotropin zurückzuführen und geht mit einer Hyperpigmentierung der Haut und Einschränkungen des Gesichtsfeldes einher. Diagnostisch spielen die Angabe zur bilateralen Adrenalektomie und die Detektion einer hypophysären Masse entscheidende Rollen.

Symptome

Das Nelson-Syndrom (NS) ist ausschließlich bei Patienten beschrieben, die sich einer bilateralen Adrenalektomie unterzogen haben, in aller Regel im Rahmen der Behandlung eines Cushing-Syndroms [1] [2] [3] [4]. Die relative Inzidenz des NS unter Patienten, bei denen eine solche Therapie erfolgt, wird in verschiedenen Studien mit 8-38% angegeben [2]. Einigen Autoren zufolge zeigt jedoch nahezu die Hälfte aller Patienten nach bilateral-totaler Adrenalektomie Symptome eines NS [4] [5].

Ätiologie und Pathogenese der Erkrankung konnte noch nicht vollständig geklärt werden. Man weiß beispielsweise nicht, warum erste Beschwerden bei einigen Patienten bereits wenige Wochen nach der Operation einsetzen, während dies bei anderen erst Jahrzehnte später der Fall ist [2]. Sicher ist, dass die progressive Entwicklung einer endokrin aktiven hypophysären Masse eine Schlüsselrolle in der Entstehung des NS spielt. Dieser Adrenocorticotropin-produzierende Tumor wird zuweilen als Corticotrophinom bezeichnet und komprimiert nicht selten das Chiasma opticum und weitere Teile der Sehbahn, weshalb es bei Betroffenen regelmäßig zu Gesichtsfeldausfällen kommt. Im Zuge einer Kompression weitere Hirnnerven mögen sich eine Ophthalmoplegie und zusätzliche neurologische Defizite einstellen [2] [3] [6]. Ein signifikanter Teil der Patienten klagt zudem Kopfschmerz.

Das im Überschuss gebildete Adrenocorticotropin stimuliert die Aktivität der Melanozyten. Daraus erklärt sich das zweite Leitsymptom des NS, nämlich die über die Hyperpigmentierung der Haut. In den meisten Fällen handelt es sich um eine generalisierte Hyperpigmentierung, obwohl eine gewisse Akzentuierung über Narben und im Bereich der Mundschleimhaut möglich ist [1] [2] [6].

In seltenen Fällen resultiert der Hormonüberschuss in der Entwicklung paraovarieller oder paratestikulärer Neoplasien. Auch über die NS-assoziierte Entstehung eines Diabetes insipidus, wohl als Folge eines druckinduzierten Hypopituitarismus, wurde berichtet [2].

Diagnostik

Da es sich beim NS um eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung handelt, wird empfohlen, Patienten nach einer bilateral-totalen Adrenalektomie regelmäßig auf Anzeichen dieser Komplikation zu untersuchen [2]. Umgekehrt ist die Information, dass bei einer Person mit NS-typischen Symptomen ein entsprechender Eingriff durchgeführt wurde, als wichtiger Hinweis auf die Diagnose zu werten.

Neben der Allgemeinuntersuchung, in der besonders die Hyperpigmentierung der Haut auffällt, ist eine gründliche ophthalmologische und neurologische Untersuchung zu realisieren, in der die Präsenz und das Ausmaß von Einschränkungen des Gesichtsfeldes, mögliche Dysfunktionen der Augenmuskulatur sowie eventuelle neurologische Defizite registriert werden. Im Anschluss an diese Untersuchungen sind Laboranalysen durchzuführen. Besondere Relevanz hat hierbei die Bestimmung der Serumkonzentration des Adrenocorticotropins: Sie hat wiederholt zu erfolgen, um den Hormonspiegel unabhängig von und in Abhängigkeit von der vom Patienten eingenommenen Medikation beurteilen zu können [2] [3]. Werte, die mehr als 30% über dem Referenzbereich liegen und zu mindestens drei verschiedenen Zeitpunkten erhoben wurden, sind manchen Experten zufolge diagnostisch für das NS.

Dennoch empfiehlt sich die Durchführung einer Magnetresonanztomografie des Endokraniums, um den Hypophysentumor darzustellen [2] [3]. Tatsächlich wurde sogar vorgeschlagen, bei allen Patienten nach beidseitiger Adrenalektomie ein- bis zweimal jährlich eine Magnetresonanztomografie zu realisieren, um sich eventuell entwickelnde Umfangsvermehrungen frühzeitig zu erkennen [3].

Therapie

Die Behandlung des Nelson-Syndroms zielt darauf ab, die Tumorgröße zu reduzieren und die Symptome zu kontrollieren:

  • Chirurgie: Entfernung des Hypophysenadenoms, wenn möglich.
  • Strahlentherapie: Zur Verkleinerung des Tumors und zur Kontrolle seines Wachstums.
  • Medikamentöse Therapie: Einsatz von Medikamenten zur Hemmung der ACTH-Produktion.

Prognose

Die Prognose des Nelson-Syndroms variiert je nach Schweregrad der Erkrankung und dem Ansprechen auf die Behandlung. Eine frühzeitige Diagnose und Therapie können die Lebensqualität erheblich verbessern und Komplikationen minimieren.

Ätiologie

Die Hauptursache des Nelson-Syndroms ist die Entfernung beider Nebennieren, was zu einem Mangel an Kortisol führt. Dieser Mangel stimuliert die Hypophyse, mehr ACTH zu produzieren, was das Wachstum eines Adenoms begünstigt.

Epidemiologie

Das Nelson-Syndrom ist selten und tritt hauptsächlich bei Patienten auf, die sich einer bilateralen Adrenalektomie unterzogen haben. Die genaue Inzidenz ist nicht bekannt, aber die Erkrankung ist seit der Einführung alternativer Behandlungen für das Cushing-Syndrom rückläufig.

Pathophysiologie

Die Pathophysiologie des Nelson-Syndroms beruht auf der übermäßigen Produktion von ACTH durch ein Hypophysenadenom. Der Mangel an Kortisol nach der Adrenalektomie führt zu einer unkontrollierten Stimulation der Hypophyse, was das Wachstum des Tumors fördert.

Prävention

Da das Nelson-Syndrom eine Folge der Adrenalektomie ist, besteht die Prävention hauptsächlich in der sorgfältigen Abwägung der Notwendigkeit dieser Operation. Alternativen zur Adrenalektomie sollten in Betracht gezogen werden, um das Risiko zu minimieren.

Zusammenfassung

Das Nelson-Syndrom ist eine seltene, aber ernstzunehmende Komplikation nach der Entfernung beider Nebennieren. Eine frühzeitige Erkennung und Behandlung sind entscheidend, um die Symptome zu kontrollieren und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.

Patientenhinweise

Patienten, die sich einer Adrenalektomie unterzogen haben, sollten regelmäßig auf Symptome des Nelson-Syndroms überwacht werden. Eine enge Zusammenarbeit mit einem Endokrinologen ist wichtig, um mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Quellen

  1. van Aken MO, Pereira AM, van den Berg G, Romijn JA, Veldhuis JD, Roelfsema F. Profound amplification of secretory-burst mass and anomalous regularity of ACTH secretory process in patients with Nelson's syndrome compared with Cushing's disease. Clin Endocrinol (Oxf). 2004; 60(6):765-772.
  2. Barber TM, Adams E, Ansorge O, Byrne JV, Karavitaki N, Wass JA. Nelson's syndrome. Eur J Endocrinol. 2010; 163(4):495-507.
  3. Munir A, Newell-Price J. Nelson's Syndrome. Arq Bras Endocrinol Metabol. 2007; 51(8):1392-1396.
  4. Pereira MA, Halpern A, Salgado LR, et al. A study of patients with Nelson's syndrome. Clin Endocrinol (Oxf). 1998; 49(4):533-539.
  5. Patel J, Eloy JA, Liu JK. Nelson's syndrome: a review of the clinical manifestations, pathophysiology, and treatment strategies. Neurosurg Focus. 2015; 38(2):E14.
  6. Assié G, Bahurel H, Coste J, et al. Corticotroph tumor progression after adrenalectomy in Cushing's Disease: A reappraisal of Nelson's Syndrome. J Clin Endocrinol Metab. 2007; 92(1):172-179.
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