Symptome
Plötzliches Aufstehen kann zu einer abnormen vasomotorischen Reaktion führen, die einen akuten Blutdruckabfall und eine Minderperfusion der Gewebe nach sich zieht. Wenn sich der Mensch aus einer liegenden Position unvermittelt in den Stand erhebt, versacken dabei bis zu 15% des Blutes im venösen System der unteren Gliedmaßen, wären die Sauerstoffversorgung des Gehirns kurzzeitig auf kritische Werte sinkt [1] [2]. Dieses Phänomen wird als orthostatische Hypotonie bezeichnet und charakterisiert sich durch einen Abfall des systolischen Blutdrucks um >40 mmHg und des diastolischen Blutdrucks um >20 mmHg [3] [4] [5]. Leitsymptom der orthostatischen Hypotonie ist ein kurzzeitiger Verlust des Bewusstseins, eine Synkope, der zuweilen eine durch Schwindel geprägte Präsynkope vorausgeht [1] [2]. Die orthostatische Synkope tritt typischerweise weniger als 10 Sekunden nach dem abrupten Aufstehen auf [4]. Betroffen sind in aller Regel ältere Menschen, wohl aufgrund einer trägeren Blutdruckregulation und verminderten Barorezeptoraktivität [1].
In der Literatur werden zudem unterschiedliche Begleitsymptome beschrieben. Neben dem bereits genannten Schwindel zählen dazu Kopfschmerzen, Sehstörungen, transiente kognitive Störungen, Muskelschwäche, Missempfindungen im Bereich der Schultern und Dyspnoe [6] [7].
Diagnostik
Die Diagnose orthostatische Synkope sollte eine gründliche Anamnese und eine detaillierte klinische Untersuchung vorausgehen, wobei es vor allem darum geht, kausale und/oder koexistente kardiovaskuläre Pathologien zu identifizieren. Auch wenn die Bedeutung eines ausgedehnten Patientengesprächs zur Abklärung der Ursachen von Synkopen in Studien immer wieder hervorgehoben wird [8], sind Blutdruckmessungen doch unverzichtbar, um den Verdacht auf orthostatische Synkopen zu bestätigen [2] [3] [5]. Einige Autoren empfehlen, den Blutdruck über mindestens fünf Minuten am liegenden Patienten zu messen, ihn aufstehen zu lassen, und die Blutdruckmessung über einen ähnlich langen Zeitraum fortzusetzen. In der Regel genügen wiederholte punktuelle Blutdruckmessungen, um die Diagnose zu stellen, aber eine fortlaufende Blutdruckmessung erhöht die Sicherheit derselben. In seltenen Fällen sind die Patienten nicht in der Lage, ausreichend lange stehen zu bleiben, um die Untersuchung wie zuvor beschrieben durchzuführen. Nach Ausschluss anderer Ursachen kann dies als Hinweis auf eine orthostatische Synkope gewertet werden. Ist die eingeschränkte Gehfähigkeit jedoch durch Komorbiditäten begründet, empfiehlt sich die Simulation des Aufstehens am Kipptisch [2]. Während der Untersuchung ist auf Anzeichen für Schwindel zu achten [2] [3].
Falls kardiovaskuläre Anomalien an diesem Punkt noch nicht ausgeschlossen werden können, empfiehlt sich eine vollständige kardiologische Untersuchung einschließlich der Aufzeichnung eines Elektrokardiogramm und der Realisierung einer Echokardiographie [4]. Auch an zentralnervöse Erkrankungen ist differenzialdiagnostisch zu denken und bei einem solchen Verdacht ist das methodische Spektrum entsprechen zu erweitern [6].
Therapie
Die Behandlung der orthostatischen Synkope konzentriert sich auf die Vermeidung von Auslösern und die Verbesserung der Blutdruckregulation. Dies kann durch das Tragen von Kompressionsstrümpfen, das Erhöhen der Flüssigkeits- und Salzaufnahme und das langsame Aufstehen aus einer sitzenden oder liegenden Position erreicht werden. In einigen Fällen können Medikamente verschrieben werden, um den Blutdruck zu stabilisieren.
Prognose
Die Prognose für Patienten mit orthostatischer Synkope ist in der Regel gut, insbesondere wenn die zugrunde liegenden Ursachen identifiziert und behandelt werden. Die meisten Menschen können lernen, ihre Symptome zu kontrollieren und Ohnmachtsanfälle zu vermeiden. In seltenen Fällen kann die Synkope auf eine ernstere zugrunde liegende Erkrankung hinweisen, die eine spezifische Behandlung erfordert.
Ätiologie
Die orthostatische Synkope kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden, darunter Dehydrierung, Blutverlust, bestimmte Medikamente oder neurologische Erkrankungen. Auch Herzprobleme oder Störungen des autonomen Nervensystems können eine Rolle spielen. Oft ist die genaue Ursache multifaktoriell und erfordert eine umfassende Untersuchung.
Epidemiologie
Orthostatische Synkope ist relativ häufig und betrifft Menschen aller Altersgruppen, tritt jedoch häufiger bei älteren Erwachsenen auf. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer. Die Prävalenz nimmt mit dem Alter zu, da die Fähigkeit des Körpers, den Blutdruck zu regulieren, abnimmt.
Pathophysiologie
Die Pathophysiologie der orthostatischen Synkope umfasst eine unzureichende Anpassung des Blutdrucks beim Wechsel in eine aufrechte Position. Normalerweise sorgt das autonome Nervensystem dafür, dass sich die Blutgefäße verengen und die Herzfrequenz steigt, um den Blutdruck aufrechtzuerhalten. Bei einer orthostatischen Synkope funktioniert dieser Mechanismus nicht richtig, was zu einem Blutdruckabfall und einer verminderten Durchblutung des Gehirns führt.
Prävention
Zur Prävention der orthostatischen Synkope sollten Patienten lernen, langsam aufzustehen und plötzliche Positionswechsel zu vermeiden. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und eine salzreiche Ernährung können ebenfalls helfen, den Blutdruck zu stabilisieren. Regelmäßige körperliche Aktivität kann die kardiovaskuläre Fitness verbessern und das Risiko von Synkopen verringern.
Zusammenfassung
Orthostatische Synkope ist eine häufige Ursache für Ohnmachtsanfälle, die durch einen plötzlichen Blutdruckabfall beim Aufstehen verursacht wird. Die Diagnose erfordert eine sorgfältige Untersuchung, um andere Ursachen auszuschließen. Die Behandlung konzentriert sich auf Lebensstiländerungen und in einigen Fällen auf Medikamente. Die Prognose ist in der Regel gut, wenn die zugrunde liegenden Ursachen behandelt werden.
Patientenhinweise
Patienten sollten darauf achten, langsam aus dem Bett oder vom Stuhl aufzustehen, um das Risiko einer orthostatischen Synkope zu verringern. Das Tragen von Kompressionsstrümpfen und eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme können ebenfalls hilfreich sein. Bei wiederholten Ohnmachtsanfällen sollte ein Arzt konsultiert werden, um die Ursache zu klären und eine geeignete Behandlung zu beginnen.
Quellen
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