Symptome
Die durch die Gendefekte bedingten Entwicklungsstörungen zeigen sich bereits beim Neugeborenen bzw. Kleinkind. Die Eltern berichten über Probleme beim Füttern und es fällt auf, dass der Muskeltonus des Kindes generell verringert ist [1]. Gleichzeitig sind die Sehnenreflexe vermindert. Die muskuläre Hypotonie beeinträchtigt auch die Entwicklung motorischer und sprachlicher Fähigkeiten. Die Intelligenz derjenigen, die am PWS leiden, ist vermindert, und nicht selten zeigen sie eine deutliche Lernbehinderung. Allerdings wurde auch wiederholt berichtet, dass sie ihren Altersgenossen in bestimmten Aufgaben überlegen sind, z.B. beim Lösen von Puzzles [2]. Schlafstörungen treten in vielen Fällen auf und reichen von obstruktiver Schlafapnoe bis hin zur Narkolepsie [3].
Begleitet werden diese Symptome von Wachstumsstörungen: Die Betroffenen leiden an Kleinwuchs und Dolichozephalie, d.h. die anterior-posteriore Dimension ihres Schädels ist im Verhältnis zum biparietalen Durchmesser erhöht. Die Oberlippe von PWS-Patienten ist in der Regel recht schmal, die Mundwinkel sind häufig nach unten gezogen. Des Weiteren betreffen die Wachstumsstörungen die Gonaden, sodass die Patienten zum Hypogonadismus neigen [4]. Unter Umständen sind schon bei der Geburt Kryptorchismus und Mikrophallus bzw. eine Hypoplasie der Schamlippen und Klitoris erkennbar. Auch die Entwicklung der sekundären Geschlechtsmerkmale in der Pubertät ist gestört und die Betroffenen sind in den allermeisten Fällen infertil [1]. Einige Patienten zeigen eine Hypopigmentierung von Haut, Haar und Augen.
Während die frühe Entwicklung der PWS-Patienten aufgrund der problematischen Nahrungsaufnahme verzögert ist, kehrt sich dieses Bild im Alter von wenigen Jahren um und die Betroffenen neigen zur Hyperphagie [5]. Wird diese nicht eingeschränkt, nehmen die Patienten stark an Gewicht zu und werden schließlich übergewichtig, oft sogar extrem fettleibig [6]. Tatsächlich ist das PWS die häufigste Ursache einer syndromischen Adipositas.
Diagnostik
Der Goldstandard zur Diagnose des PWS ist der Nachweis der zugrunde liegenden Sequenzanomalien auf 15q11-13. Entsprechende Analysen sollten bei Vorstellung pädiatrischer Patienten angestellt werden, die die klinischen diagnostischen Kriterien [7] erfüllen, da eine vorteilhafte Prognose von einer frühzeitig eingeleiteten Therapie abhängt. Das klinische Bild mag auf eine ursächliche Mikrodeletion oder maternale uniparentale Disomie (UPD) hinweisen, lässt allerdings keinen zuverlässigen Rückschluss auf die Ätiologie der Erkrankung zu [8].
Die Sensitivität von DNA-Methylierungsassays zur Diagnose des PWS beträgt >99%, weil sie das Fehlen des nicht-methylierten, paternalen Allels unabhängig von der molekularen Ursache der Erkrankung beweist [9] [10]. Die unterschiedlichen Sequenzanomalien können jedoch auch in separaten Ansätzen nachgewiesen werden [6]: Etwa 70% der PWS-Patienten weisen im genannten Sequenzabschnitt eine Mikrodeletion der paternalen Gene auf, die mittels Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung dargestellt werden kann [8]. Eine weitere häufige Ursache für das PWS ist die UPD, die sich durch den Vergleich von Markern der DNA-Sequenz des PWS-Patienten und seines Vaters nachweisen lässt, wobei eine fehlende Übereinstimmung für die UPD spricht.
Nach der Diagnosestellung sollte ein metabolisches Profil angefertigt werden, um PWS-assoziierte, endokrinologische Störungen erkennen und bewerten zu können. Die Ergebnisse sind von therapeutischer Relevanz.
Therapie
Es gibt keine Heilung für das Prader-Willi-Syndrom, aber verschiedene Therapien können helfen, die Symptome zu kontrollieren. Dazu gehören Ernährungsberatung, um Fettleibigkeit zu verhindern, Physiotherapie zur Verbesserung der Muskelkraft und Sprachtherapie zur Unterstützung der Kommunikationsfähigkeiten. Hormontherapien, insbesondere Wachstumshormone, können das Wachstum fördern und die Körperzusammensetzung verbessern.
Prognose
Die Prognose für Menschen mit Prader-Willi-Syndrom variiert. Mit frühzeitiger Diagnose und angemessener Behandlung können viele Betroffene ein relativ normales Leben führen. Die Lebenserwartung kann jedoch durch Fettleibigkeit und damit verbundene Gesundheitsprobleme beeinträchtigt werden. Eine kontinuierliche medizinische Betreuung ist wichtig, um die Lebensqualität zu maximieren.
Ätiologie
Das Prader-Willi-Syndrom wird durch genetische Anomalien auf Chromosom 15 verursacht. In den meisten Fällen fehlt ein Teil des väterlichen Chromosoms 15 (Deletion), oder es liegt eine uniparentale Disomie vor, bei der beide Chromosomen 15 von der Mutter stammen. Diese genetischen Veränderungen führen zu einem Mangel an bestimmten Genen, die für die normale Entwicklung notwendig sind.
Epidemiologie
Das Prader-Willi-Syndrom ist eine seltene Erkrankung, die weltweit etwa 1 von 10.000 bis 30.000 Neugeborenen betrifft. Es tritt bei beiden Geschlechtern und in allen ethnischen Gruppen auf. Aufgrund der Seltenheit der Erkrankung kann die Diagnose oft verzögert erfolgen, was die Bedeutung von Bewusstsein und Früherkennung unterstreicht.
Pathophysiologie
Die Pathophysiologie des Prader-Willi-Syndroms ist komplex und umfasst mehrere Systeme des Körpers. Der Mangel an bestimmten Genen auf Chromosom 15 beeinflusst die Funktion des Hypothalamus, einer Region im Gehirn, die den Appetit, das Wachstum und die Hormonproduktion reguliert. Dies führt zu den charakteristischen Symptomen wie unkontrollierbarem Appetit und hormonellen Ungleichgewichten.
Prävention
Da das Prader-Willi-Syndrom genetisch bedingt ist, gibt es keine Möglichkeit, es zu verhindern. Genetische Beratung kann jedoch Familien helfen, das Risiko der Erkrankung zu verstehen und informierte Entscheidungen zu treffen. Frühzeitige Interventionen und eine umfassende Betreuung können helfen, die Auswirkungen der Erkrankung zu minimieren.
Zusammenfassung
Das Prader-Willi-Syndrom ist eine komplexe genetische Störung, die eine Vielzahl von körperlichen und geistigen Herausforderungen mit sich bringt. Obwohl es keine Heilung gibt, können gezielte Therapien und eine frühzeitige Diagnose die Lebensqualität der Betroffenen erheblich verbessern. Ein multidisziplinärer Ansatz ist entscheidend, um die vielfältigen Bedürfnisse der Patienten zu adressieren.
Patientenhinweise
Für Patienten und ihre Familien ist es wichtig, sich über das Prader-Willi-Syndrom zu informieren und Unterstützung zu suchen. Selbsthilfegruppen und spezialisierte Zentren können wertvolle Ressourcen bieten. Eine enge Zusammenarbeit mit einem medizinischen Team, das Erfahrung mit PWS hat, ist entscheidend, um die bestmögliche Betreuung zu gewährleisten.
Quellen
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- Driscoll DJ, Miller JL, Schwartz S, Cassidy SB. Prader-Willi Syndrome. In: Pagon RA, Adam MP, Ardinger HH, et al., eds. GeneReviews(R). Seattle (WA): University of Washington, Seattle.