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Pseudomonas-Infektion

Infektionen mit Pseudomonas aeruginosa

Die Diagnose einer Pseudomonas-Infektion (PI) erfordert den bakteriologischen oder molekularbiologischen Nachweis von Pathogenen, die zu den Gattungen Pseudomonas oder Burkholderia gehören.


Symptome

Ganz unterschiedliche Erkrankungen können im Zusammenhang mit einer PI auftreten, weshalb an dieser Stelle nur einige der häufigeren Komplikationen einer Infektion mit diesen Erregern vorgestellt werden sollen:

  • Bei bestehender Immundefizienz, z.B. aufgrund einer Infektion mit dem humanen Immunschwäche-Virus, kann eine PI zur Pneumonie führen [1]. Das Risiko einer Pneumonie durch PI steigt mit der Dauer der Verwendung von Endotrachealtuben und der respiratorischen Unterstützung.
  • Nach entsprechenden chirurgischen Eingriffen oder der fortwährenden Anwendung eines Blasenkatheters kann sich eine PI als Infektion der Harnwege manifestieren. Eine Obstruktion harnableitenden Wege erhöht das individuelle Risiko auf diese Variante der PI.
  • Eine Otitis externa geht in der Regel mit Ohrenschmerzen und Pruritus im äußeren Gehörgang einher. Manchmal kann eine Otorrhoe festgestellt werden. Da sich diese Erkrankung oftmals bei Menschen einstellt, deren Ohren häufig in Kontakt mit Wasser kommen, wird sie auch als Schwimmerohr bezeichnet. Wenn gleichzeitig eine Immunschwäche vorliegt, kann sich aus einer unkomplizierten Otitis externa eine maligne Otitis externa entwickeln [2]. Dabei breiten sich die Pathogene, meist Pseudomonas aeruginosa, auf die angrenzenden knöchernen Strukturen und Weichgewebe aus, was zu einer schwerwiegenden Entzündung und möglicherweise zu Hirnnervenlähmungen führt. Paresen der Hirnnerven äußern sich als neurologische Defizite; zusätzlich tritt aus dem Gehörgang übelriechendes Sekret aus und die Betroffenen haben starke Schmerzen. Eine maligne Otitis externa ist potenziell lebensbedrohlich.
  • Keratitis. Eine PI kann zu großflächigen Hornhauterosionen und Ulzera führen [3] [4], da die Proteasen, die von den Pathogenen freigesetzt werden, oberflächliche Schichten der Kornea zerstören und so das weitere Eindringen der Erreger erleichtern. Bezüglich der Infektionsquelle sollte vor allem an kontaminierte Kontaktlinsen und zugehörige Lösungen gedacht werden.
  • Infektionen der Haut und der Weichgewebe ergeben sich häufig aus Wundinfektionen. Im Gegensatz dazu hat die Pseudomonas-Follikulitis, die auch als Whirlpool-Dermatitis bekannt ist, eine ähnliche Pathogenese wie die Otitis externa. Bezüglich der erweiterten Wundinfektionen ist es beispielsweise denkbar, dass ein Patient auf einen Nagel tritt, der die Fußsohle durchdringt und von dem aus die Haut, das Fettgewebe, Muskeln und Sehnen infiziert werden. In schweren Fällen kann sich eine Osteochondritis und Osteomyelitis entwickeln. PI können auch im Zusammenhang mit Verbrennungen, Schnittverletzungen oder chirurgischen Wunden auftreten. Das Wundsekret ist charakteristischerweise grünlich und riecht fruchtig. Bei älteren und immundefizienten Patienten, deren Hämogramm nicht selten eine Neutropenie offenbart, kann sich aus einer PI der Haut ein Ecthyma gangrenosum entwickeln. Hierbei handelt es sich um eine schwere Hautinfektion mit nekrotischem Zentrum, die zumeist feuchte Hautgebiete wie die Achselhöhlen oder die Anogenitalregion betrifft.
  • Aus allen der zuvor genannten Konditionen kann sich eine Septikämie entwickeln. Ein hohes Risiko für eine Pseudomonas-Septikämie besteht bei schweren Infektionen, Komorbidität und Immunschwäche. In manchen Fällen erreichen die Pathogene auch direkt die Blutbahn, z.B. wenn ein venöser Zugang gelegt wird, entweder im Rahmen medizinischer Maßnahmen oder beim Konsum illegaler Rauschmittel. Mögliche Komplikationen einer Septikämie sind Endokarditis und Meningitis sowie die Ausbreitung auf jegliche der vorgenannten Organsysteme.

Diagnostik

Die Pathogene müssen aus Proben isoliert werden, die vom infizierten Gewebe gewonnen werden, d.h. aus dem Sputum, Urin, Wundsekret oder Ähnlichem. Um eine Septikämie zu bestätigen oder auszuschließen, sollten immer auch Blutproben auf die Präsenz von Pseudomonas spp. oder Burkholderia spp. getestet werden. Es ist empfehlenswert, nach Anzucht der Erreger ein Antibiogramm anzufertigen.

Weiterhin sollte versucht werden, die Infektionsquelle auszumachen, wofür weitere Proben zu analysieren sind [5] [6]. So kann eine erneute Exposition des Patienten gegenüber den Bakterien und eine Ansteckung weiterer Individuen vermieden werden, z.B. durch die Applikation kontaminierter Chargen von Pharmaka.

Therapie

  • Der erste Teil „Diagnostik und Therapie nach dem ersten Nachweis von Pseudomonas aeruginosa“ erschien bereits 2013.[lungeninformationsdienst.de]
  • Die S3-Leitlinie „Lungenerkrankung bei Mukoviszidose – Modul 2: Diagnostik und Therapie bei chronischer Infektion mit Pseudomonas aeruginosa“ ist jetzt online verfügbar.[idw-online.de]
  • Medikamentöse Therapie Cephalosporine mit Pseudomonasaktivität (Ceftazidim, Cefepim), eventuell Kombination mit einem Aminoglykosid. Operative Therapie Aggressives und eventuell geplant repetitives Débridement.[lexikon-orthopaedie.com]
  • Pseudomonas aeruginosa /Kateryna_Kon, stock.adobe.com Düsseldorf – Ärzte können jetzt online auf die S3-Leitlinie „Lungenerkrankung bei Mukoviszidose – Modul 2: Diagnostik und Therapie bei chronischer Infektion mit Pseudomonas aeruginosa“ zugreifen.[aerzteblatt.de]

Quellen

Artikel

  1. Kaufmann P, Opravil M, Hauser M, et al. [Pseudomonas pneumonia--an important differential pulmonary infiltration diagnosis in AIDS]. Schweiz Med Wochenschr. 1999; 129(4):120-130.
  2. Elies W. [Current therapeutical management, new antibiotics and treatment of Pseudomonas aeruginosa in bacterial ENT-infections]. Laryngorhinootologie. 2002; 81(1):40-45.
  3. Gracner B, Gracner T, Falez M, Pahor D. [Pseudomonas-keratoconjunctivitis in a contact lens wearer, the therapy and keratoplasty a chaud]. Klin Monbl Augenheilkd. 2006; 223(8):699-702.
  4. Margolina E, Torrent Despouy J, Grisanti S, et al. [Severe secondary scleritis after pseudomonas aeruginosa induced corneal ulcer]. Klin Monbl Augenheilkd. 2010; 227(12):987-989.
  5. Kraus-Haas M, Mielke M, Simon A. [Update on outbreaks reported from neonatal intensive care units: Serratia marcescens, Klebsiella pneumoniae, Acinetobacter baumannii, and Pseudomonas aeruginosa]. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2015; 58(3):308-322.
  6. Trautmann M, Halder S, Lepper PM, Exner M. [Reservoirs of Pseudomonas aeruginosa in the intensive care unit. The role of tap water as a source of infection]. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2009; 52(3):339-344.

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Zuletzt aktualisiert: 2019-07-11 19:40