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Vergiftung durch Carbamat

Carbamatvergiftung Carbamatintoxikation

Carbamate hemmen die Acetylcholinesterase und bewirken somit eine Akkumulation dieses Neurotransmitters an muskarinergen und nikotinergen Acetylcholinrezeptoren im vegetativen Nervensystem. Daraus ergibt sich ein cholinerges Syndrom mit charakteristischer Präsentation. Ursache für eine Vergiftung durch Carbamat ist entweder die akzidentelle Exposition gegenüber carbamathaltigen Insektiziden oder der Versuch zur Selbstschädigung bzw. zum Suizid.


Symptome

Eine Vergiftung durch Carbamat (CV) stellt sich klinisch ebenso dar wie eine Organophosphatvergiftung, da sowohl Carbamate als auch Organophosphate als Inhibitoren der Acetylcholinesterase wirken. Folglich kommt es in beiden Fällen zu einer Akkumulation von Acetylcholin und einer verstärkten Aktivität des vegetativen Nervensystems [1]. Im Gegensatz zu Organophosphaten hemmen Carbamate die Acetylcholinesterase jedoch reversibel.

Carbamate und Organophosphate werden hauptsächlich als Insektizide eingesetzt, weshalb eine CV mit höherer Wahrscheinlichkeit jene Personen betrifft, die in der Landwirtschaft arbeiten und mit Produkten umgehen, die diese Wirkstoffe enthalten. Carbamathaltige Pestizide werden allerdings auch zum Suizid verwendet und einer Studie zufolge ist der Suizidversuch gar der häufigste Grund für eine CV [2]. In einigen Fällen weist ein auffälliger Geruch auf eine mögliche Intoxikation hin [3].

Das klinische Bild hängt vom Wirkstoff, von der Dosis und dem Expositionsweg sowie dem allgemeinen Zustand des Patienten ab [4], ist aber in jedem Fall von einer verstärkten Aktivität des autonomen Nervensystems, insbesondere des Parasympathikus mit seinen muskarinergen Rezeptoren, geprägt. Leitsymptome sind daher Lakrimation und Miose, Bradykardie oder Tachykardie, Bronchospasmus, Hypersalivation, abdominale Krämpfe, Urininkontinenz, daneben vermehrtes Schwitzen und Kopfschmerzen sowie Faszikulationen [4] [5]. Das zentrale Nervensystem ist seltener in das Krankheitsgeschehen involviert als bei der Organophosphatvergiftung, da Carbamate die Blut-Hirn-Schranke kaum überwinden können.

In vielen Fällen erholt sich der Patient spontan innerhalb von Stunden. Ein solcher Verlauf ist vor allem dann zu erwarten, wenn neben Kopfschmerzen, Hypersalivation, Übelkeit und Erbrechen keine weiteren Symptome bestehen [6].

Kopfschmerz
  • Ein solcher Verlauf ist vor allem dann zu erwarten, wenn neben Kopfschmerzen, Hypersalivation, Übelkeit und Erbrechen keine weiteren Symptome bestehen.[symptoma.de]
Erbrechen
  • Ein solcher Verlauf ist vor allem dann zu erwarten, wenn neben Kopfschmerzen, Hypersalivation, Übelkeit und Erbrechen keine weiteren Symptome bestehen.[symptoma.de]

Diagnostik

Wenn das klinische Bild den Verdacht auf eine CV rechtfertigt, sollte in Erfahrung gebracht werden, ob eine Exposition gegenüber carbamathaltigen Pestiziden stattgefunden hat. Diejenigen Patienten, die nach einem Suizidversuch mit einer CV vorstellig werden, bedürfen von Beginn an psychologischer Betreuung. Mit Hilfe eines Spezialisten können nicht nur die Umstände analysiert werden, unter denen der Suizidversuch stattgefunden hat, sondern möglicherweise lassen sich auch genaue Informationen zu Wirkstoff, Dosis und Expositionsweg einholen.

Falls nach Anamnese und klinischer Untersuchung noch Zweifel an der Diagnose CV bestehen, kann die Pseudocholinesteraseaktivität im Blut gemessen werden. Die Aktivität dieses Enzyms, das auch als Butyrylcholinesterase bezeichnet wird, korreliert negativ mit dem Schweregrad der Intoxikation. Es handelt sich hierbei um ein kostengünstiges Verfahren und aus den Testergebnissen lässt sich eine verlässliche Prognose ableiten [7] [8], aber die medizinische Behandlung sollte nicht verzögert werden, bis entsprechende Resultate vorliegen [8].

Die Wirkung von Carbamaten auf das Herz kann in schweren Fällen zum Tode führen. Daher ist die Herzfunktion mit Hilfe der Elektrokardiografie zu überwachen. Typische Befunde sind ein verlängertes QT-Intervall, Alterationen der Herzfrequenz und Arrythmien in Form von ventrikulären Extrasystolen, Vorhof- oder Kammerflimmern [3].

Prognose

  • Es handelt sich hierbei um ein kostengünstiges Verfahren und aus den Testergebnissen lässt sich eine verlässliche Prognose ableiten, aber die medizinische Behandlung sollte nicht verzögert werden, bis entsprechende Resultate vorliegen.[symptoma.de]

Quellen

Artikel

  1. Čolović MB, Krstić DZ, Lazarević-Pašti TD, Bondžić AM, Vasić VM. Acetylcholinesterase Inhibitors: Pharmacology and Toxicology. Curr Neuropharmacol. 2013;11(3):315-335.
  2. Eddleston M, Juszczak E, Buckley NA, et al. Multiple-dose activated charcoal in acute self-poisoning: a randomised controlled trial. Lancet. 2008;371:579–586.
  3. Laudari S, Patowary BS, Sharma SK, Dhungel S, Subedi K, Bhattacharya R, et al. Cardiovascular Effects of Acute Organophosphate Poisoning. Asia Pac J Med Toxicol 2014;3:64-7.
  4. Rosman Y, Makarovsky I, Bentur Y, Shrot S, Dushnistky T, Krivoy A. Carbamate poisoning: treatment recommendations in the setting of a mass casualties event. Am J Emerg Med. 2009; 27: 1117-1124.
  5. Eddleston M, Sudarshan K, Senthilkumaran M, et al. Patterns of hospital transfer for self-poisoned patients in rural Sri Lanka: implications for estimating the incidence of self-poisoning in the developing world. Bull World Health Organ. 2006;84:276–282.
  6. Morais S, Dias E, de Lourdes Pereira M. Carbamates: Human Exposure and Health Effects. In: The Impact of Pesticides. 1st ed. AcademyPublish.org. January 2012;21-38.
  7. Dhananjayan V, Ravichandran B, Anitha N, Rajmohan HR. Assessment of acetylcholinesterase and butyrylcholinesterase activities in blood plasma of agriculture workers. Indian J Occup Environ Med. 2012;16(3):127-130.
  8. Eddleston M, Buckley NA, Eyer P, Dawson AH. Management of acute organophosphorus pesticide poisoning. Lancet. 2008;371(9612):597-607.

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Zuletzt aktualisiert: 2019-07-11 19:37