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Zeckenparalyse

Die Zeckenparalyse (ZP) ist eine seltene Komplikation eines Zeckenbisses. Zur Paralyse kann es kommen, wenn der Parasit mit seinem Speichel Neurotoxine in die Blutbahn des Wirtes injiziert. Leitsymptom der ZP ist eine akute, aufsteigende Paralyse. Eine Besserung der Symptome tritt zumeist binnen Stunden nach Entfernung der Zecke ein und nur in wenigen Fällen sind kurzzeitig unterstützende Maßnahmen erforderlich. Bis heute wurde die Zeckenparalyse ausschließlich auf dem australischen und nordamerikanischen Kontinent beschrieben.


Symptome

ZP-Patienten zeigen typischerweise eine akute, aufsteigende Paralyse [1]. Bei entsprechender Nachfrage geben sie oftmals an, dass der Lähmung eine Phase von Lethargie und erhöhter Reizbarkeit vorausgegangen ist. Muskelschwäche und Hypotonie machen sich zunächst in den unteren Gliedmaßen bemerkbar, werden dann hochgradiger und breiten sich nach kranial aus. Aufgrund der daraus resultierenden motorischen Defizite ergeben sich Gehstörungen, die anfänglich nicht selten als Ataxie eingeordnet werden. Innerhalb von ein bis zwei Tagen verlieren die Patienten ihre Fähigkeit, auf ihren Beinen zu stehen. Wird in diesem Stadium eine neurologische Untersuchung durchgeführt, zeigen sich die tiefe Sehnenreflexe abgeschwächt oder nicht auslösbar. Schließlich werden der Körperstamm, die oberen Gliedmaßen und das Gesicht erreicht. Auffällige Symptome sind diesbezüglich eine Ophthalmoplegie und Bulbärparese, d.h. die Patienten sind nicht in der Lage, ihre Augen gezielt zu bewegen, leiden an Dysphagie und Dysarthrie. Bei Einbeziehung der Atemmuskulatur in das Krankheitsgeschehen ergibt sich eine Dyspnoe.

Die Funktion sensorischer Nervenfasern ist in der Regel nicht beeinträchtigt. In manchen Fällen beschreiben Betroffene jedoch Parästhesien und Taubheit in den Extremitäten und im Gesicht.

Symptome, wie sie zumeist im Rahmen von Infektionserkrankungen auftreten, nämlich Unwohlsein, Fieber und Gliederschmerzen, sind für gewöhnlich nicht festzustellen.

Die meisten ZP-Patienten sind Kinder, vorzugsweise Mädchen. Unter den erwachsenen Patienten ist es jedoch das männliche Geschlecht, das überwiegt. Weder Geschlecht noch Alter schließen daher eine ZP aus.

Reizbarkeit
  • KURZ INFORMIERT Erste Anzeichen einer Zeckenparalyse sind unspezifische Symptome, wie Müdigkeit, Reizbarkeit und Schmerzen.[zecken-und-flohfrei.de]
  • Die Erkrankung kündigt sich unspezifisch mit Reizbarkeit, Müdigkeit, Schmerzen und Missempfindungen an, die etwa 24 Stunden anhalten (Prodromalphase).[de.wikipedia.org]
  • Klinisches Bild und Behandlung Die Erkrankung kündigt sich unspezifisch mit Reizbarkeit, Müdigkeit, Schmerzen und Missempfindungen an, die etwa 24 Stunden anhalten ( Prodromalphase ).[godic.net]
  • Bei entsprechender Nachfrage geben sie oftmals an, dass der Lähmung eine Phase von Lethargie und erhöhter Reizbarkeit vorausgegangen ist.[symptoma.de]
Guillain-Barré-Syndrom
  • Differenzialdiagnostisch muss man an ein Guillain-Barré-Syndrom, Botulismus, Myasthenia gravis, Hypokaliämie und Rückenmarktumoren denken. Die Zeckenparalyse kann tödlich sein, geht aber nach dem Entfernen der Zecke(n) schnell zurück.[msdmanuals.com]
  • Wichtige Differentialdiagnosen sind: Guillain-Barré-Syndrom Botulismus Myasthenia gravis Hypokaliämie[symptoma.de]
  • Polyradikulitis Laundry-Guillain-Barré-Syndrom Polyneuropathien Polymyelitis Wenn nicht so schnell als möglich an eine Zeckenparalyse gedacht wird, wird wertvolle Zeit für das Suchen, Finden und Entfernen der Zecke vergeudet.[gifte.de]
Gangstörung
  • Erst kommt es zu Gangstörungen, später kommt es zu einem kompletten Versagen der Muskelkraft. Nach ein bis zwei Tagen wird die obere Extremität und der Körperstamm von der Paralyse erfasst.[gifte.de]
Ermüdung
  • Der Betroffene leidet unter Ermüdung, Taubheit in den Beinen und Muskelschmerzen. Folgen können weitreichende Lähmungen sein.[medizinfo.de]

Diagnostik

Wenn das klinische Bild eine ZP vermuten lässt, sollte der Patient zunächst gründlich auf Zecken abgesucht werden. Es wurde vorgeschlagen, dass Zeckenbisse in der Nähe der Schädelbasis und der Wirbelsäule mit einem höheren Risiko auf eine ZP einhergehen. Deshalb ist unbedingt auch eine eingehende Inspektion der Kopfhaut und sonstiger Hautbereiche, die im Alltag vom Haar des Patienten abgedeckt sind, angezeigt. Weiterhin verstecken sich Zecken häufig in Hautfalten wie den Achselhöhlen, der Leiste oder dem Perineum, oder auch in der Nähe von Körperöffnungen wie den Nasenlöchern und im äußeren Gehörgang. Dem aktuellen Kenntnisstand zufolge führt das von Ixodes holocyclus injizierte Holocyclotoxin erst mehrere Tage nach dem ursächlichen Zeckenbiss zur Paralyse [2] [3]. Eine Exposition gegenüber Zecken kann daher ein paar Tage zurückliegen und beispielsweise in ländlichen Gebieten oder gar in anderen Ländern stattgefunden haben [4] [5]. Das ist von besonderer Bedeutung, wenn im deutschsprachigen Raum ein Verdacht auf eine ZP entsteht, da bislang ausschließlich in Australien und Nordamerika Fälle von ZP beschrieben wurden [3] [6].

Ein passendes klinische Bild bei bestätigter Infestation mit Zecken bestätigt den Verdacht auf eine ZP. Laboranalysen von Blutproben nicht angezeigt und würden außer einem leichten Anstieg der Kreatinkinase keine auffälligen Befunde liefern.

Wichtige Differentialdiagnosen sind:

Therapie

  • Ansonsten ist die Therapie überwiegend supportiv. Es steht ein Antidot zur Verfügung, welches jedoch aufgrund möglicher anaphylaktischer Nebenwirkungen nur schweren Verläufen vorbehalten sein sollte. 6 Literatur Harris JB, Goonetilleke A.[flexikon.doccheck.com]
  • Je nach Krankheitsbild und Befund sind ganz unterschiedliche Behandlungsansätze sinnvoll – von der rein symptomatischen Therapie bis hin zu mehrwöchigen Antibiotikagaben.[translation-clinic.com]
  • Eine Plasmapherese, die als Therapie gegen das vermutete Gullain-Barré-Syndrom durchgeführt wird, führt zu keiner Besserung; vielmehr verschlechtern sich Melinda's Reflexe noch mehr.[de.house.wikia.com]

Epidemiologie

  • Als auslösendes Agens der Zeckenlähmung gilt ein Neurotoxin, das in den Speicheldrüsen bestimmter Ixodida-Spezies produziert wird. 2 Epidemiologie Die echte Zeckenlähmung ist eine sehr seltene Erkrankung.[flexikon.doccheck.com]
Geschlechtsverteilung
Altersverteilung

Quellen

Artikel

  1. Taraschenko OD, Powers KM. Neurotoxin-induced paralysis: a case of tick paralysis in a 2-year-old child. Pediatr Neurol. 2014; 50(6):605-607.
  2. Barker SC, Walker AR. Ticks of Australia. The species that infest domestic animals and humans. Zootaxa. 2014; (3816):1-144.
  3. Vink S, Daly NL, Steen N, Craik DJ, Alewood PF. Holocyclotoxin-1, a cystine knot toxin from Ixodes holocyclus. Toxicon. 2014; 90:308-317.
  4. Gordon BM, Giza CC. Tick paralysis presenting in an urban environment. Pediatr Neurol. 2004; 30(2):122-124.
  5. Inokuma H, Takahata H, Fournier PE, et al. Tick paralysis by Ixodes holocyclus in a Japanese traveler returning from Australia associated with Rickettsia helvetica infection. J Travel Med. 2003; 10(1):61-63.
  6. Dworkin MS, Shoemaker PC, Anderson DE. Tick paralysis: 33 human cases in Washington State, 1946-1996. Clin Infect Dis. 1999; 29(6):1435-1439.

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Zuletzt aktualisiert: 2019-06-28 09:03