Symptome
Während einer neutropenischen Episode sind ZykN-Patienten verstärkt anfällig für Infektionen mit Bakterien oder Pilzen. Es kommt daher zu rekurrenten Infektionen der Schleimhäute, mitunter auch der Haut, des Respirationstrakts und anderer Organsysteme. Allerdings geht der erneute Anstieg der Neutrophilenzahl mit einer Begrenzung der Infektion einher, sodass es seltener zu schweren Erkrankungen wie Zellulitis, Pneumonie oder Sepsis kommt als bei Patienten, die an anderen Formen der kongenitalen Neutropenie leiden. Deshalb wird die Diagnose tendenziell später gestellt, in der Regel nach Abschluss des ersten Lebensjahres. Allerdings ist das Risiko, vor dem Erreichen des Erwachsenenalters mindestens einmal an einer lebensbedrohlichen Infektion zu erkranken, nicht geringer als bei chronischer Neutropenie [1] [2].
Die ZykN kennzeichnet sich vor allem durch rezidivierende orale Beschwerden wie Gingivitis, Stomatitis und Periodontitis. Häufig gehen die Entzündungen mit der Bildung von aphthösen Ulzerationen einher [3], sodass nicht selten eine Fehldiagnose auf rezidivierende Stomatitis aphtosa oder aggressive Peridontitis gestellt wird [4]. Die andauernden Entzündungen in der Mundhöhle können einen vorzeitigen Verlust der Zähne bedingen [5]. In anderen Fällen werden die betroffenen Kinder mit rekurrentem Fieber vorstellig, ohne dass diesem konkrete Entzündungen zugeordnet werden könnten [6].
Diagnostik
Da es sich bei der ZykN um eine autosomal dominant vererbte Erkrankung handelt, ist während der Anamnese in Erfahrung zu bringen, ob eine erhöhte Infektanfälligkeit auch bei Familienmitgliedern, insbesondere bei einem der beiden Elternteile, beobachtet wurde.
Die Diagnose der ZykN erfordert den Nachweis einer zyklisch wiederkehrenden Neutropenie. Dazu müssen in regelmäßigen Abständen Blutuntersuchungen angestellt werden, denn ein einzelnes Blutbild vermag zu der falschen Annahme verleiten, dass den Beschwerden des Patienten keine Neutropenie zugrunde liegt: Während eines neutropenischen Schubes sinkt die Anzahl der neutrophilen Granulozyten auf <0,5*10^9/l (schwere Form) bzw. <1,5*10^9/l (leichte Form) [1], erholt sich nach etwa fünf Tagen aber wieder bis auf (fast) physiologische Werte [7]. Wenn auch in der Literatur über eine typische Zykluslänge von 21 Tagen gesprochen wird, so schwankt diese doch von Patient zu Patient und ist auch nicht immer regelmäßig [8].
Darüber hinaus kann mit Hilfe molekularbiologischer Methoden die Sequenzanomalie im Gen, das für die neutrophile Elastase codiert, nachgewiesen werden. Die Ergebnisse derartiger Analysen müssen jedoch im Zusammenhang mit den zuvor erhobenen Befunden bewertet werden, da auch eine chronische kongenitale Neutropenie durch Mutationen dieses Gens verursacht werden kann [9].
Schließlich kann eine Knochenmarkprobe untersucht werden. Das Knochenmark ist charakteristischerweise normozellulär und normoblastisch, offenbart aber einen Reifearrest in der Entwicklung der neutrophilen Granulozyten, und zwar auf der Stufe der Promyelozyten. Deshalb ist der relative Anteil der Monozyten an den kernhaltigen Zellen des Knochenmarks erhöht. Die Untersuchung des Knochenmarks ist besonders von Relevanz, um eine Myelodysplasie oder eine akute myeloische Leukämie auszuschließen [10].
Therapie
Die Behandlung der zyklischen Neutropenie konzentriert sich auf die Vorbeugung und Behandlung von Infektionen. Antibiotika können prophylaktisch verabreicht werden, um Infektionen während der Neutropeniephasen zu verhindern. In einigen Fällen wird der Wachstumsfaktor G-CSF (Granulozyten-Kolonie-stimulierender Faktor) eingesetzt, um die Produktion von Neutrophilen zu stimulieren und die Dauer der Neutropeniephasen zu verkürzen.
Prognose
Die Prognose für Patienten mit zyklischer Neutropenie ist in der Regel gut, insbesondere wenn die Erkrankung frühzeitig diagnostiziert und behandelt wird. Mit der richtigen Behandlung können viele Patienten ein normales Leben führen. Die regelmäßige Überwachung und Behandlung von Infektionen ist jedoch entscheidend, um Komplikationen zu vermeiden.
Ätiologie
Die zyklische Neutropenie wird häufig durch Mutationen im ELANE-Gen verursacht, das für die Produktion eines Enzyms namens Neutrophilen-Elastase verantwortlich ist. Diese genetischen Veränderungen führen zu einer gestörten Produktion und Reifung der Neutrophilen. Die Erkrankung kann autosomal-dominant vererbt werden, was bedeutet, dass eine betroffene Person eine 50-prozentige Chance hat, die Mutation an ihre Nachkommen weiterzugeben.
Epidemiologie
Zyklische Neutropenie ist eine seltene Erkrankung, die weltweit auftritt. Die genaue Häufigkeit ist nicht bekannt, da viele Fälle möglicherweise nicht diagnostiziert werden. Die Erkrankung betrifft Männer und Frauen gleichermaßen und kann in jedem Alter auftreten, wird jedoch häufig in der Kindheit diagnostiziert.
Pathophysiologie
Die Pathophysiologie der zyklischen Neutropenie ist durch eine gestörte Regulation der Neutrophilenproduktion im Knochenmark gekennzeichnet. Die zyklischen Schwankungen resultieren aus einer unregelmäßigen Freisetzung von Neutrophilen in den Blutkreislauf. Während der Neutropeniephasen ist die Fähigkeit des Körpers, Infektionen zu bekämpfen, erheblich eingeschränkt.
Prävention
Da die zyklische Neutropenie genetisch bedingt ist, gibt es keine spezifischen Maßnahmen zur Prävention der Erkrankung. Die frühzeitige Diagnose und Behandlung sind jedoch entscheidend, um Infektionen zu verhindern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Regelmäßige ärztliche Kontrollen und eine gute Mundhygiene können helfen, das Risiko von Infektionen zu verringern.
Zusammenfassung
Zyklische Neutropenie ist eine seltene, genetisch bedingte Erkrankung, die durch periodische Schwankungen der Neutrophilenanzahl gekennzeichnet ist. Die Hauptsymptome sind wiederkehrende Infektionen, die während der Neutropeniephasen auftreten. Die Diagnose erfolgt durch regelmäßige Blutuntersuchungen, und die Behandlung konzentriert sich auf die Vorbeugung und Behandlung von Infektionen. Mit der richtigen Behandlung ist die Prognose in der Regel gut.
Patientenhinweise
Wenn Sie oder Ihr Kind Symptome wie wiederkehrende Infektionen, Fieber oder Mundgeschwüre bemerken, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um die Möglichkeit einer zyklischen Neutropenie zu untersuchen. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung können helfen, Komplikationen zu vermeiden und die Lebensqualität zu verbessern. Es ist wichtig, regelmäßige ärztliche Kontrollen wahrzunehmen und die empfohlene Behandlung konsequent zu befolgen.
Quellen
- Donadieu J, Fenneteau O, Beaupain B, Mahlaoui N, Chantelot CB. Congenital neutropenia: diagnosis, molecular bases and patient management. Orphanet J Rare Dis. 2011; 6:26.
- Waites MD, Roberts JV, Scott-Coombes D, Al-Hamali S. Cyclic neutropenia and pyomyositis: a rare cause of overwhelming sepsis. Ann R Coll Surg Engl. 2002; 84(1):26-28.
- Sucker C, Djawari J. [Recurrent episodes of ulcerative gingivostomatitis associated with cyclic neutropenia]. Hautarzt. 1999; 50(7):503-506.
- Chen Y, Fang L, Yang X. Cyclic neutropenia presenting as recurrent oral ulcers and periodontitis. J Clin Pediatr Dent. 2013; 37(3):307-308.
- da Fonseca MA, Fontes F. Early tooth loss due to cyclic neutropenia: long-term follow-up of one patient. Spec Care Dentist. 2000; 20(5):187-190.
- Cunha BA, Nausheen S. Fever of unknown origin (FUO) due to cyclic neutropenia with relative bradycardia. Heart Lung. 2009; 38(4):350-353.
- Schiller M, Bohm M, Zeidler C, et al. [Cyclic neutropenia. Detection of a mutation in the gene for neutrophil elastase (ELA2)]. Hautarzt. 2001; 52(9):790-796.
- Haurie C, Dale DC, Mackey MC. Occurrence of periodic oscillations in the differential blood counts of congenital, idiopathic, and cyclical neutropenic patients before and during treatment with G-CSF. Exp Hematol. 1999; 27(3):401-409.
- Germeshausen M, Deerberg S, Peter Y, Reimer C, Kratz CP, Ballmaier M. The spectrum of ELANE mutations and their implications in severe congenital and cyclic neutropenia. Hum Mutat. 2013; 34(6):905-914.
- Newburger PE, Dale DC. Evaluation and management of patients with isolated neutropenia. Semin Hematol. 2013; 50(3):198-206.